Dieses Bild malte Erni im Auftrag des Bundes. Es befindet sich heute in der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes des Zentralamts für den Internationalen Eisenbahnverkehr in Bern. (Bild: zvg Karl Bühlmann)
Kultur Gesellschaft

Dieses Bild malte Erni im Auftrag des Bundes. Es befindet sich heute in der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes des Zentralamts für den Internationalen Eisenbahnverkehr in Bern. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

13min Lesezeit

Hans Erni war zeitlebens ein unermüdlicher Schaffer im Namen der Kunst und der Humanität. Viele seiner Werke sind heute öffentlich zugänglich. Wir zeigen wo.

Am Freitag trauert Luzern um seinen bekanntesten Künstler. Für Hans Erni wird im Verkehrshaus eine öffentliche Gedenkfeier abgehalten. Erni lebte für die Kunst. Noch bis kurz vor seinem Tod im Alter von 106 Jahren führte er täglich den Pinsel in seinem Atelier in Luzern und malte. Nie hatte er Berührungsängste auch Kunst für die Öffentlichkeit zu machen. Darin unterschied er sich von anderen Künstlern. Gut hundert von Ernis Werken zieren heute Hausfassaden, Hauseingänge und gar ein Schiff. Sein Vermächtnis lebt weiter, zugänglich für alle. Wir zeigen, wo Erni in der Schweiz weiterlebt.

Schulhaus Würzenbach

Starten wir den Rundgang in Luzern. Im Schulhaus Würzenbach befindet sich Ernis «Der Schaffende Künstler». Hans Erni schuf das Wandbild 1933 im Auftrag des Luzerner Sportklubs. In dessen Klubhaus hing das Fresko bis Anfang der achtziger Jahre. Dann wurde es abgerissen. Das Bild aber wurde von der Wand abgelöst und gerettet. Heute befindet sich das Bild im Besitz der Stadt Luzern. Wer auf dem Wandbild allerdings die Unterschrift von Hans Erni sucht, wird diese nicht finden. Er signierte nämlich in den frühen dreissiger Jahren unter dem Pseudonym «françois grèque».

«Der Schaffende Künstler» von Hans Erni.
«Der Schaffende Künstler» von Hans Erni. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Weinberglistrasse 11

Am anderen Ende der Stadt vollendete Erni 1936 an der Weinberglistrasse 11 folgende Fassadenmalerei mit dem Titel «Sozialer Wohnungsbau». Auftraggeber war die allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL). Das Bild ist auf drei Etagen unterteilt. Unten zeigt es eine Familie, die auf eine Wohnung wartet. Ein Stockwerk höher planen der Architekt Otto Schärli senior (rechts), Hans Stingelin (mitte), damaliger Präsident der abl und Baumeister Johann Bolli die Wohnung für die Familie. Ganz oben im Bild hat sich Erni selbst als Ingenieur dargestellt.

 

 Hans Ernis «Sozialer Wohnungsbau» aus dem Jahr 1936.
Hans Ernis «Sozialer Wohnungsbau» aus dem Jahr 1936. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Murbacherstrasse 25

Mitten in der Neustadt ziert die folgende Auftragsarbeit den Hauseingang. Es handelt sich um einen bemalten Betonguss aus dem Jahr 1937. Die Weltkarte und das Handelssymbol befindet sich beim Eingang an der Murbacherstrasse 25 in Luzern. Den Auftrag erhielt Erni von der Hofer & Co., Kolonialwaren.

Dieser Betonguss befindet sich beim Hauseingang an der Murbacherstrasse 25.
Dieser Betonguss befindet sich beim Hauseingang an der Murbacherstrasse 25. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Tribschenquartier 

Viele werden sich noch an Ernis «Poseidon» erinnern. Bis 2012 war das imposante Aluminium-Wandbild aus dem Jahr 1968 im Biregg-Hallenbad zu sehen. Seit der Schliessung wartet es, in seine Einzelteile zerlegt, auf eine neue Bestimmung. Jost Schumacher will es im Tribschenquartier wieder an die Fassade montieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen (zentral+ berichtete).

 

Jahrelang wachte der «Poseidon» über die Hallenbad-Gäste. Bald könnte das Mosaik im Tribschenquartier wieder aufgehängt werden.
Jahrelang wachte der «Poseidon» über die Hallenbad-Gäste. Bald könnte das Mosaik im Tribschenquartier wieder aufgehängt werden. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Vierwaldstättersee

Auch eine Galionsfigur gestaltete Hans Erni. «Ich war stolz, als mich die Vierwaldstättersee-Schifffahrtgesellschaft bat, für das Schiff Gotthard eine Galionsfigur zu gestalten, besonders weil mein Vater auch Gotthard hiess», sagte er einst. Was viele nicht wissen: Der Kopf am Bug des Schiffes stellt den Föhn dar.

Erni machte die Galionsfigur für das Schiff «Gotthard».
Erni machte die Galionsfigur für das Schiff «Gotthard». (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Luzerner Krematorium

Nur wenig bekannt ist Ernis «Hommage an Carl Spitteler» aus Mosaik. Sie befindet sich an einer Fassade im Luzerner Krematorium. Erni war 15 Jahre alt, als der einzige Schweizer Nobelpreisträger für Literatur starb. Spitteler wurde 1845 in Liestal geboren und lebte von 1892 bis 1924 in Luzern. An der Errichtung des Krematoriums war Spitteler massgeblich beteiligt.

Diese Hommage an Carl Spitteler befindet sich an einer Fassade beim Luzerner Krematorium.
Diese Hommage an Carl Spitteler befindet sich an einer Fassade beim Luzerner Krematorium. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Zentral- und Hochschulbibliothek

Im Lesesaal der Zentral- und Hochschulbibliothek in Luzern befindet sich die «Einführung der Lithographie in der Schweiz durch Alois Senefelder». Das Bild aus Sepiakreide schuf Erni 1944 anlässlich einer Lithographie-Ausstellung in Zürich.

Dieses Bild machte Erni für eine Litographie-Ausstellung. Heute schmückt es den Lesesaal in der ZHB.
Dieses Bild machte Erni für eine Litographie-Ausstellung. Heute schmückt es den Lesesaal in der ZHB. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Hirschenplatz 6

Nachdem Erni seit zwei Jahren am Hirschenplatz 6 in Luzern wohnte, bemalte er 1935 die Fassade des Nachbarhauses im Fresko-Stil mit der Jungfrau Maria und ihrem Kind. Dort sind die beiden noch heute zu sehen.

Am Nachbarhaus seines Wohnorts in Luzern bemalte Erni 1935 die Fassade.
Am Nachbarhaus seines Wohnorts in Luzern bemalte Erni 1935 die Fassade. (Bild: Sandro Portmann)

...aber auch in Genf

Auch über die Kantonsgrenze hinaus ist Erni bekannt und noch immer präsent. In Genf befinden sich gleich mehrere Werke von Hans Erni. Zum Beispiel das 1958 geschaffene Wandbild «In der Gesundheit liegt die Freiheit», das sich heute am Hauptsitz der Weltgesundheitsorganisation der UNO befindet. Eine Hommage an den Philosophen und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau schmückt die Fassade auf der Seite zur Rue de Coutance in Genf. Diese gestaltete Erni zur Eröffnung einer Warenhauskette. Seine Arbeit nimmt direkt Bezug auf zahlreiche ältere Bauten im Stadtkern St.-Gervais, die in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts dem grossen, sechsstöckigen Bau weichen mussten. In einem der Häuser wohnte von 1718 bis 1722 Jean-Jacques Rousseau.

Eines von mehreren Werken Ernis in Genf: Es heisst «In der Gesundheit liegt die Freiheit».
Eines von mehreren Werken Ernis in Genf: Es heisst «In der Gesundheit liegt die Freiheit». (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Diese Hommage an Jean-Jacques Rousseau befindet sich ebenfalls in Genf.
Diese Hommage an Jean-Jacques Rousseau befindet sich ebenfalls in Genf. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Montana

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus Ernis «Bernisches Bauern- und Kulturleben» aus dem Jahr 1949. Das Gemälde ist drei Meter hoch und 34 Meter lang. Es zeigt Szenen des ländlichen Alltags und befindet sich in der Eingangshalle der Berner Klinik Montana (VS). 

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem 34 Meter langen Bild über den ländlichen Alltag. Es befindet sich in der Berner Klinik in Montana (VS).
Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem 34 Meter langen Bild über den ländlichen Alltag. Es befindet sich in der Berner Klinik in Montana (VS). (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Verbier

Und ein weiteres öffentliches Werk von Erni befindet sich im Kanton Wallis, nämlich in Verbier. Dort, wo die Seilbahn zum beliebten Ferienort führt. An der Talstation Médran begrüsst das Werk «Urnatur und Menschenwerk» von Erni die Besucher. Das Betonrelief für die Fassade schuf er 1971. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Farbkonzept. Erni war es wichtig einen Kontrast zur grauen Betonwand, dem blauen Himmel und dem Schnee zu schaffen.

An der Fassade der Talstation in Verbier befindet sich dieses Betonrelief von Hans Erni.
An der Fassade der Talstation in Verbier befindet sich dieses Betonrelief von Hans Erni. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Bern

In Bern befindet sich ein Werk, das Erni im Auftrag des Eidgenössischen Bundesamts für Verkehr und Energie schuf. Es befindet sich heute in der Eingangshalle des Zentralamts für den Internationalen Eisenbahnverkehr. Ernis Werk besteht aus zwei Teilen und zeigt sowohl Mensch als auch Tier in einer dynamischen Bewegung.

Dieses Bild malte Erni im Auftrag des Bundes. Es befindet sich heute in der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes des Zentralamts für den Internationalen Eisenbahnverkehr in Bern.
Dieses Bild malte Erni im Auftrag des Bundes. Es befindet sich heute in der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes des Zentralamts für den Internationalen Eisenbahnverkehr in Bern. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Rigi

Für das ehemalige Hotel Bellevue auf der Rigi malte Erni 1941 drei Bilder. Sie zierten bis zum Abbruch des Hotels 1998 den Speisesaal. Öffentlich zugänglich ist heute nur noch eines: Es zeigt den Erbauer der ersten Bergbahn Europas, Niklaus Riggenbach. Seit dem 1. März – mit der Eröffnung des neuen Bahnhofs – hängt das Bild in der Halle der Bahnhofsstation Rigi Kaltbad. Eine weiteres der Bilder befindet sich im Privatbesitz und das dritte im Hans-Erni-Museum.

Eines der drei Rigi-Bilder ist heute noch öffentlich. Es befindet sich heute in der Bahnhofshalle.
Eines der drei Rigi-Bilder ist heute noch öffentlich. Es befindet sich heute in der Bahnhofshalle. (Bild: zvg Karl Bühlmann)

Die Auflistung der öffentlichen Bilder ist nicht vollständig und bezieht sich auf die Schweiz. Die letzte Ehre wird Hans Erni diesen Freitag im Verkehrshaus zuteil. An der öffentlichen Gedenkfeier wird auch Altbundesrat Moritz Leuenberger ein paar Worte sagen. Die Trauerfeier dauert eineinhalb Stunden und beginnt um 14.30 Uhr im Verkehrshaus-Filmtheater. Die Veranstaltung wird ebenso ins Auditorium des Hans Erni Museums übertragen.

Welches ist Ihr liebstes Erni Bild? Nutzen Sie die Kommentar-Funktion und schreiben Sie uns jetzt Ihre Meinung!

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur