«The Led Farmers», Brendan Walsh, Ross O’Farrell und Glenn Malone (v.l.), in ihrer Wahlheimat. (Bild: jav)
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«The Led Farmers», Brendan Walsh, Ross O’Farrell und Glenn Malone (v.l.), in ihrer Wahlheimat. (Bild: jav)

Mit Gitarre, Banjo und Banane

7min Lesezeit

Die Led Farmers sind Iren in Luzern, eine Band, die so schräg und unberechenbar wie sympathisch ist. Sie kombinieren traditionell irische Musik mit irrer Ehrlichkeit. Und das Beste: Bei langen Autofahrten spielen sie ein Spiel, bei welchem sie alles Positive an der Schweiz aufzählen.

Einer nach dem anderen trudeln sie ein, beim «Sopranos» auf dem Luzerner Mühleplatz, die drei ständigen Mitglieder der Led Farmers, Ross O'Farrel, Brendan Walsh und Glenn Malone. Es wird sich herzlich umarmt, es werden seltsame Komplimente ausgetauscht und relativ schnell kommt das Thema Orangen auf.

Brendan erklärt: «Wir sind derzeit sehr interessiert an Früchten. In Irland haben wir vor kurzem live im Radio gespielt: Ross spielte Gitarre, ich Banjo und Glenn spielte Früchte.» Glenn bestätigt: «Stimmt, ich bin jetzt Frucht-Perkussionist, mit Bananen und Orangen. Nun – ich hatte auch noch eine Müslibox dabei und Selleriestangen. Also fairerweise muss man sagen: Ich habe Lebensmittel gespielt.» Bei den drei Iren fragt man sich zu Beginn öfters, ob sie gerade scherzen oder solche Dinge tatsächlich ernst meinen. «Eine gute Frage», findet die Truppe und macht Ross kurzerhand zum Lügendetektor. Er soll sich den Rest des Gespräches um einen wahrheitsgetreuen Verlauf kümmern.

Die Liebe führte nach Luzern

Die drei Bandmitglieder kennen sich aus ihrer gemeinsamen Heimat Irland. Glenn und Ross sind zusammen in Dublin aufgewachsen, Brendan haben sie später an der Uni kennengelernt. Doch wie kommt es dazu, dass es sich bei den Dreien nun um eine Luzerner Band handelt?

Die Band

Ross O’Farrell: Vocals, Guitar
Brendan Walsh
: Vocals, Banjo
Glenn Malone
: Vocals, Percussion, Bodhran
Patrick Shortall: Vocals, Bass

Die nächsten Konzerte in der näheren Umgebung finden am 20. März in der Galvanik in Zug und am 8. Mai im Treibhaus Luzern statt. Mehr Infos gibts hier.

Brendan erklärt: «Der Liebe wegen bin ich vor sechs Jahren nach Luzern gezogen und habe hier den Master in Musik gemacht.» Die beiden anderen Bandmitglieder seien immer öfter zu Besuch gekommen. Im letzten Juli ging es mit der musikalischen Zusammenarbeit so richtig los, und mittlerweile pendeln Ross und Glenn das ganze Jahr zwischen Luzern und Dublin hin und her. «Ein richtiges Zuhause gibt es momentan nicht», sagt Glenn.

Derzeit ist die Band mit ihrem ersten offiziellen Album «Lucy» auf Europa-Tour. «Die CD-Release war in Irland, nun sind wir durch Deutschland, Italien und die Schweiz unterwegs. Und auch Norwegen steht noch auf dem Plan», so Brendan. Dabei spielen sie vor allem in Pubs, Clubs und an Festivals.

Led ist nicht gleich LED

Musikalisch habe sich in den letzten Monaten einiges getan. «Begonnen haben wir, da eine traditionell irische Band gesucht wurde. Vor allem Brendan ist auf dem Land mit dieser Art von Musik aufgewachsen», erklärt Ross. Daraus habe sich schliesslich ihr Stil entwickelt. Sie haben immer mehr eigene Arrangements traditioneller Stücke, Kombinationen dieser Elemente, aber auch komplett eigene Kompositionen entwickelt. Fusion Folk nennt sich der Stil der drei klassisch ausgebildeten Musikern.

«Miteinander auf Tour zu gehen, ist wie eine Heirat.»
Brendan Walsh, «The Led Farmers»

Die Tour laufe sehr gut: «Gerade sind wir aus Italien zurück. Das war super, abgesehen vom gefährlichen Fahrstil der Italiener.»

Teilweise fühle es sich auf Tour sogar so an, als ob sie Fans hätten, findet Brendan.«Wir haben Fans», korrigiert ihn Ross lachend. An einem Konzert seien beispielsweise einige junge Frauen als «Led Farmers» verkleidet aufgetaucht. «Sie haben unseren Namen jedoch etwas falsch interepretiert», lacht Brendan. Die Damen hatten ihr Bauernkostüm mit LED-Leuchtbändchen kombiniert. Doch das «Led» in «The Led Farmers» steht nicht für LED. Eine Übersetzung der Band lautet spontan «Die Blei-Bauern».

Alle drei leben mittlerweile von der Musik. Ein «full-live job», so Glenn, der noch kein Deutsch spricht. Das Gespräch führen wir auf Englisch, denn erst Brendan beherrscht die deutsche Sprache. «Leute, die jahrelang in einem Land leben und die Sprache nicht sprechen, verstehe ich nicht. Es ist ein Zeichen von Respekt, dass man sich in einer Kultur, in welcher man lebt, integriert», betont Brendan. Deshalb habe er auch einen Alphornkurs gemacht.

Positiv, positiv, positiv

«Wir lieben die Schweiz. Wirklich», betonen alle drei ganz ernsthaft. «Wenn wir lange Auto fahren, spielen wir oft ein Spiel, bei welchem es darum geht, positive Dinge über die Schweiz zu sagen. Wir sind grundsätzlich gerne sehr positiv. Es macht vieles einfacher», so Brendan.

Sie beginnen mit dem Spiel, es geht der Reihe nach: Brendan findet toll, dass man in der Schweiz Dinge draussen stehen lassen kann, ohne dass sie gleich geklaut werden. Ross findet das Hahnenwasser geschmacklich grossartig, und Glenn betont die bedachte Vorgehensweise der Schweizer.

Das Besondere an den dreien ist, dass sie tatsächlich so sind, wie man sie auf der Bühne wahrnimmt. Spontan, herzlich und ziemlich durchgeknallt. «Wir schlüpfen in keine Rollen, es gibt keine Bühnenshow», bestätigt Brendan. Es gibt auch wenige Grenzen: An Offenheit und ehrlichem Interesse am Gegenüber fehlt es den drei Iren eindeutig nicht.

«Wir wollen das Publikum, aber auch uns selbst unterhalten. Wir nehmen uns nicht zu ernst, wollen nicht die Welt verändern», betont Ross. Und das merkt man. Bei Auftritten bringen die Led Farmers selbst das eher zurückhaltende Schweizer Publikum schnell zum Stampfen, Johlen und Tanzen. Und beim Interview bringen sie einen dazu, viel mehr von sich selbst preiszugeben, als man es als Interviewerin normalerweise tut.

Die Band verbringt seit Monaten beinahe jeden Tag miteinander. «Wir sind Freunde und Arbeitskollegen – einen Unterschied gibt es bei uns dabei nicht», so Glenn. Das sei auch wichtig, «denn miteinander auf Tour zu gehen, ist eigentlich wie eine Heirat», ergänzt Brendan. Man lebe in dieser Zeit auch nicht auf besonders grossem Fuss, so Brendan. Ross zeigt auf seine Sonnenbrille, die schon mehrmals Thema war, da Glenn sie nicht mag: «Die habe ich gefunden. Nicht geklaut, gefunden.» Und Glenn wirft ein: «Ich habe die Hose meiner Mutter an.» Brendan doppelt nach: «Und ich keine Unterhose.» Ein Blick zum Lügendetektor Ross hilft diesmal nicht weiter.

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