«Mia-Maria Jukic» heisst dieses Foto der jungen Fotografin. (Bild: Sina Guntern)
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«Mia-Maria Jukic» heisst dieses Foto der jungen Fotografin. (Bild: Sina Guntern)

Junge Fotografin stiehlt Models ihre Individualität

3min Lesezeit

Eine Kunstausstellung gemütlich von zuhause aus betrachten – die Online-Plattform der Stiftung «Fotodokumentation Luzern» macht's möglich. Und dieses Mal handelt es sich um die Arbeiten der bisher jüngsten beteiligten Fotografin. Die 18-jährige Sina Guntern thematisiert die Selbstdarstellung und nimmt ihren Models dabei das weg, was sie besonders auffällig macht.

Hier ein Piercing, da ein ausgeflipptes Outfit, dort ein Tattoo oder eine verlebte Jeans: Sina Guntern beschäftigt sich in ihrer Arbeit damit, was Menschen aus sich machen, wie sie sich der Aussenwelt zeigen, sich inszenieren und von anderen gesehen werden möchten. Gleichzeitig nimmt sie es ihnen weg und zeigt, wie dieselbe Person ganz ohne all diese Dinge aussehen würde.

Bereits einen Preis gewonnen

«So wie ich bin» heisst die Arbeit von Sina Guntern, welche in der Online-Galerie der Stiftung Fotodokumentation Kanton Luzern (Fotodok) ausgestellt wird.

Fotodok

Zweck der Stiftung Fotodokumentation Kanton Luzern ist eine nachhaltige, öffentlich zugängliche Förderung des Kulturguts Fotografie im Kanton Luzern. Nebst dem Online-Lexikon www.fotodok.ch betreibt die Stiftung eine Online-Galerie und bietet Luzerner Fotografinnen und Fotografen eine Plattform, um ihre Arbeiten vorzustellen. Bisher stellten aus: Daniela Kienzler, Ralph Kuehne, Fabian Biasio, Christof Schürpf, Roberto Conciatori, Natalie Boo. Die aktuelle Ausstellung von Sina Guntern dauert bis Ende April 2015.

Die 18-Jährige setzt sich damit auseinander, was Menschen durch die Gestaltung ihrer Persönlichkeit aus ihrem naturgegebenen Äusseren machen und wie ihr Eindruck damit andere Menschen beeinflusst. Wie würden sie wirken, wenn man sie einmal nur in ihrem natürlichen Aussehen treffen würde – ohne Piercings, ohne Make-up, ohne modische Kleider, Tattoos oder auffällige Frisuren? Wenn also nur ihre Hülle – sozusagen die leere Leinwand ohne Kunst – da wäre?

Vorurteile und Selbstdarstellung

In ihrer Arbeit «So wie ich bin» stellt sie diese beiden Bilder einander gegenüber. «Mir geht es nicht darum, die Personen in meinen Bildern ‹normal› zu machen. Ich will nur jeden sehen lassen, wie viel das eigene äusserliche Gestalten, das jeder selbst bestimmt und verwirklicht, ausmachen kann und wie sehr wir vom ersten Eindruck einer Person eingenommen sind und uns unsere Meinung über sie bilden», sagt Guntern über ihre Fotografien.

«Ihre Arbeit überzeugte durch die spezielle Idee und die gute technische Umsetzung», erklärt Simon Meyer, Geschäftsführer von Fotodok, die Auswahl der bisher jüngsten Ausstellerin auf der Online-Plattform. Normalerweise würde durch Photoshop eher etwas hinzugefügt, Sina Guntern jedoch habe das umgedreht und den Models etwas weggenommen – wie Piercings und Tätowierungen. «Die Arbeit setzt sich damit auseinander, wie Menschen sich nach aussen zeigen und wie sie sich gegenseitig wahrnehmen. Ebenso konfrontiert sie uns mit unseren Vorurteilen und dem eigenen Selbstbild.»

Bereits sechs Ausstellungen hat die Stiftung Fotodok in der eigenen Internetgalerie realisiert. In der siebten wolle sie nun auch ihre Verantwortung im Sinne der Nachwuchsförderung wahrnehmen und stellt eine Arbeit der 2.-Lehrjahr-Lernenden Sina Guntern aus. «Um gezielt auch den Nachwuchs zu fördern haben wir uns bei den Lehrbetrieben nach talentierten Lernenden erkundigt. So können wir neben erfahrenen Fotografinnen und Fotografen nun auch Nachwuchstalente zeigen», erklärt  Meyer. «Sina Guntern hat bereits den Canon Preis gewonnen und wurde uns zudem von ihrem Ausbildner Bruno Meier Sursee empfohlen.»

Michael Jost (Bild: Sina Guntern)
Michael Jost (Bild: Sina Guntern)

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