Antonia Meile, Filmemacherin aus Luzern, in ihrem Atelier im Bruchquartier, welches sie mit drei weiteren Künstlerinnen teilt. (Bild: jav)
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Antonia Meile, Filmemacherin aus Luzern, in ihrem Atelier im Bruchquartier, welches sie mit drei weiteren Künstlerinnen teilt. (Bild: jav)

7min Lesezeit

Bei Antonia Meile steigt langsam die Aufregung. Ihr erster Fernsehfilm wird diesen Dezember im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. Darin thematisiert die junge Luzernerin das «Leben für die Kunst». Ein Leben, welches ihrem eigenen auch sehr nahe kommt.

«Ich bin gespannt auf die Reaktionen», lacht Antonia Meile. Verständlich, hat die junge Filmemacherin doch drei Jahre an ihrem ersten Fernsehfilm gearbeitet. Ein Film, der das «Leben für die Kunst» mit seinen erfüllenden aber auch schwierigen Facetten zeigt.

Meile thematisiert in ihrem ersten grossen Dokumentarfilm das Leben als Künstlerin. Wie es ist, sich in einer Kunstwelt zu positionieren versuchen, die von Kunstschaffenden übersättigt ist. Wie ein Leben aussieht, in dem es keinen Feierabend gibt – dafür finanzielle Unsicherheiten und Verzicht? Und wie wichtig ist dabei die Selbstbestimmung, die kreative Freiheit oder auch die Familie? Die drei Künstlerinnen Florine Leoni, Brigitte Dätwyler und Monica Ursina Jäger stehen im Mittelpunkt des Films und lassen den Zuschauer durch die Linse von Antonia Meile tief blicken.

Ist es denn auch ein Film über Meile selbst? «Geplant war eigentlich, dass ich mich als Person viel mehr selbst im Film zeige. Denn das Thema betrifft mich ebenfalls stark.» Doch während der Arbeit habe sie bemerkt, dass die drei Künstlerinnen den Film tragen. «Es braucht mich nicht auch noch darin.» Während der Arbeiten habe jedoch sehr viel Austausch mit den drei Protagonistinnen stattgefunden. «Ich stellte eine Frage, sie fragten zurück», beschreibt Meile die Arbeit während der Dreharbeiten.

Der klassische Weg

Der Film

Am Sonntag, 7. Dezember 2014, wird um 11.55 Uhr auf SRF1 Antonia Meile's Film «Leben für die Kunst» erstmals gezeigt. Anschliessend ist er einige Tage auf der Website des SRF zu sehen.

Wiederholung:
Montag 8. Dezember um 00.10 Uhr SRF info
Dienstag 9. Dezember um 12.55 Uhr SRF info
Samstag 13. Dezember um 09.45 Uhr SRF1

Antonia Meile hat den klassischen Weg in die Filmbranche genommen, wie sie selbt sagt. Gymnasium, Zwischenjahr, Vorkurs und Studium an der Hochschule Luzern – Design und Kunst in der Studienrichtung Video. Und bis vor kurzem hat sie noch an der Hochschule gearbeitet. «Doch nun bin ich auch an dem Punkt, an dem die finanziellen Engpässe beginnen.»

Diese Schwierigkeiten ergeben sich aus dem kreativen Beruf: «Zeit, Geld und Freiheit sind die drei Parameter – und die sind meist im Ungleichgewicht», erklärt Meile.

Es geschafft haben

So wie man sich als Künstler in der Kunstszene etablieren muss, so muss man dies auch in der Filmbranche. Für Meile geht es dabei nicht um den finanziellen Erfolg: «Wenn man auf seine Arbeiten Resonanz erhält, geschaut wird, diskutiert wird, dann hat man es geschafft.»

In diesem Sinne denke sie kurzfristig. «Ich habe nun diesen Fernsehfilm geschafft.» Vielleicht werde in Zukunft ein Kinofilm das Ziel sein. Und wenn sie den fertig habe, dann habe sie es wieder geschafft. «Allgemein ist das Künstlerleben sehr kurzfristig aufgebaut und so auch das meine als Filmemacherin.» Juli bis Dezember nächsten Jahres wird die junge Filmemacherin in Buenos Aires verbringen. «Ich habe mich für ein Auslandatelier von der Städtekonferenz Kultur beworben und es bekommen.»

Finanzielle Abhängigkeit

Was bis dahin kommt, ist noch unklar. Meiles Pläne gehen erst bis Januar. Dann ist bis Juli wieder alles offen. «Wir konnten diesen Film sehr gut finanzieren und haben viel Unterstützung erhalten, aber dennoch reicht es nicht, um davon zu leben.» «Die Zentralschweizer Filmförderung ist zur Zeit noch zu gering. Sie muss stärker werden, sonst wandern die Künstler in Regionen ab, in welchen sie stärker unterstützt werden.»

«Die Zentralschweizer Filmförderung ist noch zu gering.»

«Einerseits ist die Abhängigkeit von externen Geldgebern bei Filmprojekten riesig, andererseits können wir uns in der Schweiz mit der starken Förderung glücklich schätzen.» Bei Stiftungen, Kanton und Stadt fragt man an und danach wird gehofft. Die Finanzierung ist ein langer Prozess, nach der Eingabe kommt das Warten. «Das dauert dann schon mal ein Jahr.» Jeder könne sich glücklich schätzen, nach der ersten Eingabe eine Zusage zu erhalten. Ein Thema, das Meile auch im Film in einer sehr emotionalen Szene der Künstlerin Florine Leoni thematisiert.

Selbstverständlich könne man Auftragsarbeiten annehmen, wie beispielsweise für Werbefilme. Dabei stellt sich jedoch die Frage, wie sehr man auf die selbstbestimmte künstlerische Freiheit pocht und wie viel Zeit man für welchen Bereich aufbringen kann. Freiheit in der Arbeit, im künstlerischen Ausdruck ist ein wichtiges Thema – dafür muss man die Lebenskosten tief halten, seinen Lebensstandard einschränken.

Familienplanung

Ebenfalls ein wichtiges Thema des Films und für weibliche Künstlerinnen ist die Familienplanung. Und dabei vor allem die Angst davor, als Künstlerin nicht mehr gefragt und am Ball zu sein, sobald man mehr Zeit, Energie und Geld in eine Familie steckt. Wobei man doch sowieso mit sehr wenig zurechtkommen muss. «Da fragt man sich: Wie mache ich das dann?» Doch sie habe Vertrauen in ihr Umfeld, ihre Freunde, in die Familie.

«Es ist ein Klischee, dass einem die Inspiriation einfach so zufliegt.»

Dass der Partner ebenfalls im Kunstbereich tätig ist, sei wichtig, findet Meile. Ihr Freund ist Animationsfilmemacher. «Wir können über Filme diskutieren, er versteht meine Arbeit und hat Verständnis für meine Arbeitszeiten.» Denn so etwas wie einen Feierabend gibt es nicht. «Da muss jeder seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen.»

Viel Handwerk

Man merkt im Gespräch, wie auch im Film, wie viel Respekt Meile den Protagonistinnen ihres Films entgegenbringt. Der Film zeigt, wie man als Künstlerin selbstverständlich auch selbstständig ist. «Das heisst, man macht alles. Administration, Organisation, Aufbau, Abbau und so weiter.» Und dazwischen muss Platz für die Kreativität bleiben. «Das hat nichts mit dem Klischee zu tun, dass einem die Inspiriation einfach so zufliegt. Es ist ein Balance-Akt.» Ein riesiger Teil der Arbeit sei Handwerk.

Man sei auch zuständig für die eigene Qualitätskontrolle. «Eine meiner Lieblingsszenen im Film ist die, in welcher Monica eines ihrer Bild zersägt und auf den Müll wirft. Eine brutale Szene. Man denkt sich: Warum nur?! Und gleichzeitig versteht man, dass sie sich von Werken trennen muss, hinter welchen sie als Künstlerin nicht mehr stehen kann.» Man müsse «tough» sein, selbstkritisch und vor allem integer. Und man müsse immer dran bleiben. Ein Zitat aus dem Film passt hierzu ganz gut: «Man muss immer wach bleiben, nie müde werden.»

Damit setzt sich Antonia Meile an ihren nächsten Kurzfilm. Abgedreht ist er bereits. Nun kommt der Schnitt. Was danach kommt, ist noch offen.

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