Heidi ist fast immer happy. (Bild: pd)
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Heidi ist fast immer happy. (Bild: pd)

13min Lesezeit

Die renommierte Luzerner Musikerin lässt sich von einem 50-Fragen-Interview nicht die Laune verderben. Versucht haben wir es trotzdem. Aber selbst wenn Heidi Happy etwas Böses sagen muss, grinst sie wie ein Honigkuchenpferd.

Es ist ein abscheulicher Frühlingstag. Es regnet in Strömen und die Temperatur liegt weit unterhalb der angenehmen Grenze. Dazu bläst ein starker Wind an ein Zelt am Ufer des Luzerner Inseli. Die Luzerner Musikerin Heidi Happy hat hier kurz vor Mittag eine Ausstellung der internationalen Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen» zu eröffnen. 

Das Hundewetter lässt aber fast keine Besucher zu. Es sind undankbare Umstände für die zurzeit erfolgreichste Luzerner Musikerin. Nur gerade vier Passanten schenken dem Pavillon längere Aufmerksamkeit. «Ich bewundere die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen sehr und bin froh, dass ich sie durch meine Anwesenheit unterstützen kann», sagt Heidi Happy.

Das betont sie dann auch nach der Zeremonie, im Trockenen und beim Interview mit zentral+. Das Wetter könne ihr nicht so viel anhaben, sagt sie. Auch während unserem 50 Fragen-Beschuss scheint es, als sei der Name Heidi Happy Programm. Ihre gute Laune hält sich trotz absurden und fiesen Fragen erstaunlich konstant.

1. Warum Heidi Happy, Priska Zemp?

Diese Frage scheint ihr nicht zu gefallen. Sie atmet tief durch.
Es war mein erster richtiger Auftritt. Freunde von mir organisierten ein Fest. Und da die meisten dieser Freunde Grafiker waren, musste der Künstlername in erster Linie für den Flyer gut aussehen.

2. Die Musik von Heidi Happy sei erwachsen geworden, sagen Kritiker. Sind Sie es inzwischen auch?

Nein, ich finde nicht. Ich habe immer eine kindische Seite. Mein letztes Album «On The Hills» ist verspielter als sein Vorgänger.

3. Wann haben Sie sich das letzte Mal wie ein Popstar gefühlt?

Bei den Konzerten, die ich mit Stephan Eicher zusammen spielen durfte. Die riesige Menge, die alle Songs mitgesungen hat, war sehr beeindruckend.

4. Amerika hat Sie an der Grenze abgewiesen. Sie durften in diesem Land keine Konzerte geben. Jetzt mal ehrlich, was hatten Sie im Gepäck?

Ganz viele Instrumente, Kabel, Kleider, sonst eigentlich nichts. Das Problem fing auf der Amerikanischen Botschaft in Bern an, als sie uns bestätigten, dass wir für unsere Promotour kein Arbeitsvisum bräuchten. Wir brauchten an der US-Grenze dann doch eins.

5. Apropos Einwanderung: Asylgesetzrevision Ja oder Nein?

Politisch will ich mich heute nicht äussern.

6. Sie sind also kein politischer Mensch?

Doch schon, aber nur privat. Heidi Happy ist selten politisch.

7. Welches Gesetz würde Heidi Happy dann einführen?

Ein Gesetz, das vorschreibt, dass überall nur noch gute Songs gespielt werden dürfen! Ich würde eine Zwangsliste erstellen. Meine Kriterien müssten dann von jeder Musik erfüllt werden.

8. Wann haben Sie zuletzt über sich selbst gelacht?

Gerade jetzt.

9. Wie oft wurden Sie schon mit Nora Jones verglichen?

Sehr oft. Vor allem am Anfang, als ich noch viel mit der Gitarre alleine auf der Bühne stand. Das kam dem Stil von Norah Jones am nächsten. Spätestens aber seit den Aufnahmen mit einer Band, in Kombination mit anderen Instrumenten, klingt meine Musik eindeutig anders.

10. Was sollen Ihre Lieder bei den Hörerinnen und Hörer bewirken?

Meine Songs sollen das Publikum berühren. Ich finde es schön, wenn meine Musik Leute glücklich macht, indem sie Erinnerungen auslöst oder jemanden in eine andere Welt versetzt.

11. Wann hört der Humor von Heidi Happy auf?

Sie überlegt ein paar Sekunden.
Wenn Leute ungerecht behandelt werden.

12. Wann haben Sie das letzte Mal jemanden mit Fäusten geschlagen?

Gestern.

13. Was?

Ich schlage meinen Freund regelmässig. Allerdings berühre ich ihn dabei kaum, sodass er höchstens Schmerzen wegen eines Lachkrampfes kriegt.  
Dabei lacht sie herzhaft.

14. Sagen Sie mal was Böses.

**** dich.

15. Sie spielen im Sommer am Openair Gampel. Auf welche Band würden Sie dort gerne treffen?

Eigentlich freue ich mich am meisten auf Awolnation, aber wenn die spielen, sind wir vielleicht bereits wieder weg, da wir nachmittags um eins spielen.

16. Welches von Ihren Bandmitgliedern mögen Sie am wenigsten?

Ich fühle mich geehrt, mit solch guten Musikern zusammen spielen zu können. Es würde mir nie einfallen, hier über einen meiner Bandkollegen herzuziehen. Zum Glück gäbe es auch überhaupt keinen Anlass dazu!

17. Fussball oder Eishockey?

Diese Sportarten mag ich. Ich spiele beide gerne, aber auf ganz tiefem Niveau. Was unsere Grossen machen, interessiert mich eigentlich nur im Moment des Spiels, wenn ich zufälligerweise zusehe.

18. Was muss man Ihnen bieten, damit Sie im Wohnzimmer ein Konzert spielen?

Nicht so viel. Ein gemütliches Wohnzimmer mit netten Leuten drin.

19. Was singen Sie unter der Dusche?

Das ist ganz unterschiedlich. Es kann hie und da ein Schlager sein, den ich gerade selbst erfunden habe.
Sie will ihn aber nicht singen.

20. Fällt es Ihnen leicht, neue Songs zu schreiben?

Ja. Mir läuft meistens irgendeine Melodie oder eine Textzeile nach, woraus ich einen Song machen kann. Ich kann mich auch hinsetzen und etwas auf Befehl schreiben, da ist es dann aber Glücksache, ob der Song gut oder mässig wird.

21. Wie oft betrinken Sie sich?

Heidi Happy betrinkt sich nicht.

22. Wie gut waren Sie in der Schule?

Ich hatte nie Probleme in der Schule, ausser vielleicht im Latein. Und wo ich grad so nachdenke, lag mir Physik auch nicht. Und Geographie. Und ähm... in manchen Fächern war ich darauf angewiesen, dass man mit der Heftgestaltung den Durchschnitt noch etwas heben konnte.

23. Ihr schönster Auftritt?

Das war 2010 in Lausanne. Es war mein erster Auftritt mit einem Sinfonieorchester am Label Suisse, im Salle Metropole. Ich war so gerührt, dass ich kaum singen konnte. Es hat mir immer wieder die Stimme verschlagen.

24. Bitte singen Sie jetzt einen Song für zentral+.

Nur wenn Sie mir ein Gedicht schreiben.
Der Deal geht in Ordnung.

25. An welcher Stelle Ihres Körpers haben Sie am meisten Lampenfieber?

Im Herz. Da pocht es immer ganz stark. Ich habe dagegen meine eigenen Rezepte, Übungen und Techniken entwickelt. Ich singe mich immer ein, um mich zu vergewissern, dass ich noch ganz hoch und ganz tief singen kann und somit alles in Ordnung ist.

26. Wo ist das Publikum am doofsten?

Das kann ich nicht konkret sagen. Ganz doof finde ich es generell, wenn das Publikum den Künstlern den Rücken zudreht und laut schwatzt. Bei Vorbands beobachte ich das oft. In solchen Momenten tun mir die Künstler dann wirklich leid.

27. Welche Spezialwünsche haben Sie vor einem Konzert?

Frischen Ingwer, Zitrone, Honig und heisses Wasser, um meinem Hals und meiner Seele ein gutes Gefühl zu geben.

28. Gehen Sie auf öffentliche Toiletten?

Klar. Wenn ich das nicht mehr könnte, wäre das auf Tour ganz schlimm.

29. Wann werden Sie zickig?

Ich glaube nur, wenn ich meinen Schlaf brauche und es hindert mich jemand daran.

30. Wie gut ist die Luzerner Musikszene?

Bands wie Monotales oder Alvin Zealot gefallen mir sehr. Es gibt sehr viele aktive Künstler in Luzern, die gute Sachen anreissen und organisieren. Das finde ich super.

31. Wie cool ist eine staatliche Kulturförderung?

Sehr cool.

32. Rolling Stones oder Beatles?

Für mich sind es die Beatles, weil ich ihre Musik viel besser kenne. Das heisst aber nicht, dass ich die Stones nicht auch cool finde.

33. Wie leben Sie den Rock’n’Roll-Lifestyle?

Überhaupt nicht. Es ist nicht meine Welt. Vor einem Konzert könnte ich mir niemals die Birne volllaufen lassen, dafür ist mir die Musik zu wichtig. Auch als Band sind wir auf Tour sehr brav. Weit weg von Rock’n’Roll.

34. Bald kommt der Sommer. Wo in Luzern gehen Sie baden?

Ich habe tatsächlich einen Lieblingsort, den ich hier aber niemals verraten würde.

35. Was hat Sophie Hunger von Ihnen geklaut?

Nichts. Welch absurde Frage! Sophie Hunger hat das erstens nicht nötig, zweitens haben Sie anscheinend nicht verstanden, worum es uns geht, wenn wir Songs schreiben.

36. Mit wem haben Sie eine Zusammenarbeit abgelehnt?

Ich habe schon ein paar Anfragen abgelehnt. Entweder hat mir die Musik der Künstler nicht gefallen, ich fand sie nicht zu meiner Stimme passend, oder ich fand sie nicht gut. Dass ich keine Zeit für weitere Projekte habe, kommt auch oft vor.

37. Können Sie von der Musik leben?

Ja.

38. Sie sind ausgebildete Primarlehrerin. Was halten Sie von der heutigen Jugend.

Ich finde, die heutige Jugend ist oft überfordert. Mehr als wir es damals waren.

39. Warum klatschen Sie an Konzerten so gerne in die Hände?

Das Klatschen ist wie eine zusätzliche Perkussion. Und ich bin froh, wenn ich kein zusätzliches Instrument mitschleppen muss. 

40. Mit wem würden Sie am liebstem im Duett singen?

Mit Scott Matthew.

41. Was hätte noch aus Ihnen werden können?

Nicht viel anderes. Vielleicht was mit Schwerpunkt Film und Animation, das hätte mich auch noch interessiert.

42. Muss Ihr Freund singen können?

Theoretisch nicht, aber ich liebe es, mit meinem zu singen. Vor allem Schlager.

43. Hund oder Katze?

Ach, beide super. Aber unmöglich bei meinem Beruf.

44. Woran denken Sie, wenn morgens der Wecker klingelt?

Wahrscheinlich, was ich an diesem Tag alles machen muss. Wenn ich ohne Wecker aufwache, habe ich schönere Gedanken

45. Was bedeutet Luxus für Sie?

Zeit haben. An einem Wochenende irgendwo hin fahren. Wandern oder so.

46. Was stört Sie an Hotelzimmern?

Meistens sehe ich gar nicht so viel von Hotelzimmern, weil wir sie auf Tour nur zum Schlafen brauchen. Am Morgen kann ich mich nerven, wenn keine Flüssigseife vorhanden ist.

47. Wann erscheint das nächste Album?

Ich hoffe im März 2014. Aber ich muss es zuerst noch schreiben. Ich fange morgen an.

48. In welcher Stadt shoppt es sich am besten?

In Toronto. Da gibt es viele coole Secondhand-Läden für mich.

49. Googeln Sie sich selber?

Das habe ich auch schon gemacht. Ich müsste es aber wieder mal machen. Es ist nützlich, um das eigene Web-Archiv in Schwung zu halten.

50. Wo würden Sie heute nicht mehr auftreten?

Ich bin sehr gut im Verdrängen von schlechten Erinnerungen. Es fällt mir gerade kein wirklich übler Anlass ein!

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