Das Team des Technikturmes will dieses Jahr hoch hinaus. (Bild: anm)
Kultur Freizeit

Das Team des Technikturmes will dieses Jahr hoch hinaus. (Bild: anm)

6min Lesezeit

In Steinhausen startet nächsten Mittwoch das Open Air Waldstock. Was nach wenigen Tagen wieder vorbei ist, kostet die Helfer rund drei Wochen Arbeit. Doch schon der Aufbau ist für die detailversessenen Bastler ein Highlight. zentral+ ging auf einen Rundgang.

Es wird gehämmert, gesägt, geschraubt. Ab und zu auch einmal geflucht, weil die Schraube im Holz nicht greift. Oder: «Achtung, geht mal schnell weg da unten!», schreit ein Helfer vom Technikturm. Das Open Air Spektakel Waldstock in Steinhausen erwacht.

Seit Montagabend schuften täglich zwischen 50 und 100 Helfer auf dem Hügel oberhalb des Steinhauser Dorfzentrums. Am Mittwochabend geht es los, das Jubiläumsfest. Seit 15 Jahren gibt es das Open Air, das sich den Titel «Spektakel» gibt. Denn Waldstock heisst Musik, Komik, Film, Kinderprogramm, kreative Bars und viel Dekoration.

Rund 300 Helfer braucht es insgesamt, damit das Freiluftspektakel reibungslos abläuft. Alle arbeiten freiwillig. Ein Rundgang während des Aufbaus zeigt: Die Vorbereitungen sind für die Bastler fast ebenso wichtig wie das Festival selbst.

Hölzerne Blätter und umgekehrte Bäume

Aus dem Küchenzelt duftet es nach Essen, zwei Köchinnen bereiten das Mittagessen für alle Helfer zu. Es läuft Musik. Tonnenweise Material liegt auf der Wiese, Deko-Artikel häufen sich vor den verschiedenen Baustellen. Möbel stehen kreuz und quer auf dem Gelände verteilt. Vier Frauen malen hölzerne Baumblätter an, ein Bastler schraubt Lampions zusammen. Sie sehen aus wie verkehrte Bäume und stehen symbolisch für das diesjährige Platzkonzept des Waldstock. Das Thema ist «Gegensätze».

Das Waldstock 2014

Das Open Air Waldstock in Steinhausen beginnt am Mittwoch, 30. Juli mit dem Jubiläumsabend und dauert bis Samstag, 2. August.

Unter den Künstlern sind das Komiker-Duo Oropax, Dabu Fantastic, Dodo Hug, Monochrome oder Rival Kings. Neben Musik und Comedy gibt es ein Openair-Kino und am Samstag einen Kindernachmittag.

Tickets und Infos unter: www.waldstock.ch

Zu diesem Thema können die verschiedenen Teams für die Bars, das Bistro und den Technikturm schalten und walten, wie sie wollen. Das einzige Gebot lautet: Kreativität. Tobias Glauser, Medienverantwortlicher des Waldstock, sagt: «Das Thema wird auf verschiedene Art und Weise interpretiert. Man weiss im vornherein nicht, was die anderen Teams genau machen. Viele Ideen entstehen erst im Verlauf des Aufbaus.» 

«Wir haben hohe gestalterische Ansprüche»

Glauser ist im Team der Kuba-Bar. Sie hat Tradition am Waldstock. Es ist die Bar, wo man jeweils die alten Schulfreunde aus dem Gymnasium wieder trifft. Das Konzept bleibt gleich, aber die Bar sieht immer anders aus. Dieses Jahr soll sie von der einen Seite ein Hangar, von der anderen ein Flughafen sein, so Glauser. 

«Von diesen kreativen Elementen lebt das Waldstock», sagt er. Und darauf sind die Organisatoren stolz. «Wir haben hohe gestalterische Ansprüche, das steht bei uns im Mittelpunkt und ist auch wichtig für alle, die hier helfen.» Man könne jedes Jahr etwas anderes machen, kreativ sein und basteln, wie es gerade gefällt.

Ausserdem bewege man sich mit diesem charmanten, kleinen Festival in einer Nische. Das Waldstock wollte sich von Anfang an deutlich von klassischen Open Airs abgrenzen, darum ist daraus ein Open Air Spektakel geworden. Glauser: «Es gibt Filme, Comedy und einen Kindernachmittag. Alles mögliche eben».

Das Waldstock sei für Jede und Jeden. «Wir haben eine grosse Zielgruppe. Es kommen Familien mit Kindern, am Abend kommen die Jungen zum Feiern.» Zu den besten Zeiten kämen rund 1’700 Personen auf das Gelände, so Glauser. Viel mehr Besucher hätten auch gar nicht Platz. Das Waldstock sei in den letzten Jahren rasant gewachsen, grösser soll es aber nicht mehr werden. 

Mit der Grösse an die Grenze gekommen

Das sagt auch Gregor Imholz. Er ist OK-Mitglied und sitzt im Bistro, das noch eher aussieht wie eine unordentliche Abstellkammer. Imholz ist verantwortlich für die Infrastruktur. «Die Grösse ist so genau richtig, damit wir unseren Charakter behalten können.» Man komme teilweise jetzt schon bei der Organisation an die Grenzen. Besonders weil alles von freiwilligen Helfern erledigt wird. «Der ganze Finanz-, Sponsoring- und Gönnerbereich liegt bei einer einzigen Person. Da müssen wir uns überlegen, wie wir das optimieren könnten.» 

«Die Grösse ist so genau richtig, damit wir unseren Charakter behalten können.»

Gregor Imholz, OK-Mitglied Waldstock

Sponsoring sei nicht nur Geld, betont er: «Das ganze Material da draussen kostet uns ungefähr 2’000 Franken. Wären wir eine normale Baustelle, würden wir schon alleine für die Miete der Holztafeln 15’000 Franken bezahlen.» Die vielen Sponsoring-Stellen im Griff zu haben, sei eine Herausforderung.

Imholz ist Schreiner und nimmt für das Waldstock drei Wochen Ferien. Für ihn ist das kein Problem: «Das sind auch Ferien hier oben. Man ist zwar gebunden, aber die richtige Arbeit geistert mir hier niemals im Kopf herum.» Er werde das Fest geniessen und freut sich darauf, neue Künstler kennenzulernen.

Keine internationalen Acts, aber Profis

Denn am Waldstock treten nicht gerade die bekanntesten Musiker auf. «Wenn ich das Programm anschaue, kenne ich viele der Acts nicht», sagt Imholz. Dennoch sind die Veranstalter mit der Auswahl zufrieden. Mit dem Budget könne man zwar keine international bekannte Musiker holen, aber ein guter Mix gelinge immer. Glauser betont: «Hier tritt aber nicht einfach irgendein Kollege eines Kollegen auf, der ein bisschen Musik macht. Es kommen professionelle Leute.»

Man habe sich ausserdem einen Ruf gemacht in der Schweizer Künstlerszene. «Die Künstler mögen das Ambiente hier und das spricht sich herum.» Im Backstage-Bereich sorge man gut für die Gäste und nicht selten treffe man morgens um vier Uhr Bandmitglieder an der Bar an. Dank des Rufs könne man auch immer wieder günstige Gagen mit den Bands aushandeln, sagt Glauser.

Drehende Torte zum Geburtstag

Am Schluss des Rundgangs heisst es ab auf den Technikturm. Er soll zum Wahrzeichen des Jubiläums werden. Auf dem Turm wird sich ein Würfel drehen, und darauf liegt die Geburtstagstorte, erklären die vier jungen Männer auf der Aussichtsplattform. Wenn die Arbeit an dem heissen Sommertag getan ist, kühlen sich die Helfer ab im Schwimmbad, das sie aus einer Mulde gebaut haben. Oder sie beteiligen sich am internen Tipp-Spiel zu den diesjährigen Besucherzahlen. «Der Sieger gewinnt eine Flasche Rum», sagt Gregor Imholz, «so wie jedes Jahr.»

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur