«Silhoutte Tales» üben im Proberaum ihre sieben neuen Songs. (Bild: bra)
Kultur Musik

«Silhoutte Tales» üben im Proberaum ihre sieben neuen Songs. (Bild: bra)

Profis unterstützen junge Rock- und Pop-Talente

6min Lesezeit

Das Pilotprojekt «Tankstelle Musik» fördert Luzerner Bands. Der Wettbewerb hat dabei herzlich wenig mit pompösen Castingshows zu tun.

Das Konzert am 4. Mai im Südpol ist für die Luzerner Band Silhouette Tales etwas Besonderes. Die Musiker durften nämlich im vergangenen Jahr zusammen mit Luk Zimmermann, einem international erfahrenen Produzenten, an ihrer Musik feilen. Neue Stücke wurden entwickelt und mit professionellem Equipment aufgenommen. Das Resultat wird an diesen Samstag zum ersten Mal live präsentiert. «Es wäre mega cool, wenn die neuen Songs jetzt voll einschlagen würden», sagt Irene Würsch, die Sängerin von Silhouette Tales.

Dank der professionellen Hilfe veränderte sich der Sound von Silhouette Tales entscheidend. Dabei war die Arbeit an ihren Songs nicht immer einfach. Die Musiker erinnern sich, dass sie im Tonstudio einige Hochs und Tiefs durchgemacht haben. «Es war eine grosse Umstellung. Jeder musste sein Spiel reduzieren, um ein Maximum herauszuholen. Zuvor haben wir einfach Stücke geschrieben und gespielt, ohne uns grosse Gedanken zu machen», sagt Würsch.

Würsch und ihre Bandmitglieder erhielten die Chance mit einem professionellen Produzenten zusammenzuarbeiten, weil sie im vergangenen Jahr zu den Gewinnern von «Tankstelle Musik» gehörten. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt zur Förderung der besten regionalen Nachwuchsbands aus der Sparte Rock&Pop. Von «Tankstelle Musik» können jährlich zwei Bands aus dem Kanton Luzern profitieren. Hinter dem Projekt steht der Südpol und Foolpark Studios Luzern.

«Spitzenförderung» in der Zentralschweiz

Das Konzept von «Tankstelle Musik» erinnert auf den ersten Blick an das Strickmuster von TV-Castingshows wie «Deutschland sucht den Superstar» oder «Voice of Switzerland»: Junge Musiker werden zuerst von einer Jury – bestehend aus erfahrenen Musikern, Veranstaltern und Medienschaffenden – beurteilt. Später werden den Gewinnern Profis zur Seite gestellt. Doch in den meisten Fällen gehen die einst hochgejubelten Gewinner bald in Vergessenheit.

Gegen einen Vergleich mit TV-Castingshows wehrt sich Cédric Habermacher, Projektleiter von «Tankstelle Musik». Mit Vermarktung, Werbung und Kommerz habe das Pilotprojekt gar nichts am Hut, sagt er. Es bestehe daher auch keine Garantie auf einen kommerziellen Erfolg der beteiligten Bands. «Das ist auch nicht das Ziel. Wir wollen den Musikern die Möglichkeit bieten, qualitativ hochstehende Alben aufzunehmen und zu produzieren.»

Unterstützt von der öffentlichen Hand

Doch wie nachhaltig ist die Idee von «Tankstelle Musik» für junge Künstler? Was bringt dieser Wettbewerb? Das Projekt wird schliesslich entscheidend von der öffentlichen Hand mitfinanziert. Die Beiträge vom Kanton, dem Gemeindeverband Kultur und der Stadt betragen zusammen 28'000 Franken. Mit diesem Geld erhalten jährlich zwei Luzerner Siegerbands Beratung und Unterstützung im Studio. «Ich bin überzeugt davon, dass der Effekt für die Gewinner nachhaltig sein wird», sagt Habermacher. Prognosen könne er selbstverständlich aber keine stellen.

Für Habermacher schliesst «Tankstelle Musik» eine Lücke. Sie übernehme die Aufgabe, die sich früher grosse Plattenfirmen noch hätten leisten können. Das Projekt lasse unerfahrene Künstler mit professionellem Equipment arbeiten. «Heute haben die Plattenfirmen dafür weder Zeit noch Geld.» Eine professionelle CD-Produktion kostet in der Schweiz zwischen 20'000 und 30'000 Franken.

Zusammen mit «Sprungfeder»

«Tankstelle Musik» arbeitet mit dem Zentralschweizer Nachwuchswettbewerb Sprungfeder zusammen. Die «Sprungfeder» hat schon einige Bands hervorgebracht, die heute national bekannt sind. Darunter sind beispielsweise Alvin Zealot, eine Rockband aus Luzern. Diverse Songs von ihnen haben es in die Schweizer Hitparade geschafft. «Der Nachwuchswettbewerb Sprungfeder ist eine Plattform für teils ganz junge Musiker, die noch keine – oder fast keine – Auftrittserfahrungen haben. Mit einem Auftritt am Wettbewerb werden sie in der Zentralschweizer Szene bekannt und können ihr Netzwerk ausbauen», sagt Marco Schmidiger, Präsident des Vereins Sprungfeder Luzern.

«Das Experiment könnte extrem wertvoll werden»

Die Musiker von Huck Finn haben «Sprungfeder»-Erfahrung. Und nun gehören sie auch zu den Gewinnern von «Tankstelle Musik». Die professionelle Arbeit im Studio liegt aber noch vor ihnen. Die Elektro-Rocker tüfteln viel an ihrem Sound und freuen sich deshalb auf die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Produzenten. «Das Experiment könnte extrem wertvoll werden», sagt Finn, der seinen richtigen Namen nicht öffentlich preisgeben will. Das gehöre zum Image, sagt er. Und Finn macht seine Ambitionen deutlich: «Wir wollen über die Landesgrenzen hinaus bekannt werden. Ich will von der Musik leben können.»

Dieses Ziel verfolgt die Band seit längerem: Vor sechs Jahren haben sie deshalb am schweizweit grössten Demo-Tape-Wettbewerb «M4Music» mitgemacht – und diesen gewonnen. Dieser Preis wird durch das Migros-Kulturprozent gefördert. Für Huck Finn gab es damals Geld, viel Publizität und eine Auftrittsmöglichkeit am entsprechenden Festival. «Diesen Auftritt konnten wir leider nicht richtig nutzen, da wir live noch nicht bereit waren und zu wenig Songs auf Lager hatten.» 

Wenig später kam dann das erste Album heraus. Und Huck Finn gewann damit den monatlichen Nachwuchspreis von SRF 3 «Best Talent». Es folgten Gigs an den grossen Openairs Gampel und St. Gallen. «Wir waren sogar in den Charts. Das war toll. Aber es hätte gerne mehr passieren können: Mehr Radio-Airplays, mehr Aufmerksamkeit.»

Der entscheidende Unterschied

Alles dafür tun würden Huck Finn aber nicht, zum Beispiel an einer TV-Castingshow teilnehmen. «Castingshows gelten in der Szene als uncool. Dabei kommt schnell das Gefühl auf, ein Werbeträger zu sein», sagt Finn.

Und am Schluss des Gesprächs klopft er mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Tischplatte, um zu betonen: «Das Problem bei solchen Publikumswettbewerben ist: Sie sind nur eine Momentaufnahme einer Band. Sie berücksichtigen nicht ihre Entwicklung. Es ist keine nachhaltige Förderung, wenn das Publikum mit möglichst vielen SMS den Sieger bestimmt.»

Ganz anders sei das Projekt «Tankstelle Musik», findet Finn. Wie Silhouette Tales an diesem Wochenende werden Huck Finn in einem Jahr im Südpol auf der Bühne stehen. Mit neuen Songs im Gepäck, erarbeitet mit Hilfe eines Produzenten. «Diese Gelegenheit ist für uns auf jeden Fall ein grosser Motivationsschub. Diese Auszeichnung zeigt uns auch auf, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

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