(Bild: zvg Stadt Zug)
Kultur Raumplanung

Eine neue kulturelle Zwischennutzung nach dem Zufallsprinzip

4min Lesezeit

Die Stadt Zug erhält einen neuen temporären Kunstraum. «Kolin21» in der Zuger Altstadt präsentiert lokales und überregionales Kunstschaffen. Die Gruppenausstellung «Museum of the Unwanted» eröffnet die Zwischennutzung in dem Haus mit der Brandlücke. Rund ein Jahr lang soll am Kolinplatz Kunst gezeigt werden – welche, entscheidet der Würfel.

Dort wo früher Blasinstrumente und Gitarren im Schaufenster hingen, bestaunt der Passant jetzt Kunst. Im Erdgeschoss am Kolinplatz 21 in der Zuger Altstadt eröffnet eine neue kulturelle Zwischennutzung unter dem Namen «Kolin21».

Zurzeit ist «Kolin21» die einzige kulturelle Zwischennutzung in der Stadt Zug, bestätigt die städtische Kulturbeauftragte Jacqueline Falk. Sie rechnet damit, dass das Kulturprojekt ungefähr ein Jahr lang dauern wird.

Brandlücke soll bald geschlossen werden

Das Kunstprojekt kommt in ein Gebäude mit einer tragischen Geschichte. Das Haus am Kolinplatz 21 brannte im Jahr 1999. Seither gab es im Haus nur noch den Musikladen Schmitz im Erdgeschoss. Oberhalb des Geschäfts klafft eine Lücke. Stadtrat Karl Kobelt sagt gegenüber zentral+, dass diese Brandlücke mit einem Neubau wieder geschlossen werden soll.

Das Vorhaben sei Teil einer umfassenden Sanierung der Liegenschaften am Kolinplatz (19 und 21) sowie an der Kirchenstrasse (3, 5 und 7). Ein Teil der Sanierung an der Kirchenstrasse 7 stehe bereits kurz vor Abschluss. Die übrigen Arbeiten und die Schliessung der Brandlücke sollen später in einem Schritt vorgenommen werden, so der Finanzvorsteher.

Start mit «Museum of the Unwanted»

Das «Museum of the Unwanted» bildet den Start der gleichnamigen Ausstellungsreihe des Zürcher Kunstraums K3, der 2002 von der Künstlerin Clare Goodwin initiiert wurde. Goodwin möchte damit – ausgehend von einem klassischen Museumsverständnis – den Einfluss der Kunst des Sammelns auf das zeitgenössische Kunstschaffen beleuchten. Dabei interessiert sie sich für die zufälligen Begegnungen und Prozesse, welche «ungewollte» Gegenstände zu einem kreativen Katalysator für aktuelle künstlerische Arbeiten werden lassen. Die Ausstellung im «Kolin21» beginnt am 5. April und dauert bis am 3. Mai. 

Private Eigentümer sind zurückhaltend

Auf Anfrage von zentral+, ob noch weitere ähnliche Zwischennutzungen in der Stadt geplant seien, sagt Falk: «Wir haben die Augen immer offen. Es gehört auch zur Kulturstrategie der Stadt Zug, dass Zwischennutzungen gefördert werden.» Falk würde es auch begrüssen, wenn private Eigentümer auf sie zukommen würden und leerstehende Liegenschaften für Zwischennutzungen anbieten würden. «Meistens sind private Eigentümer aber solchen Vorhaben gegenüber eher zurückhaltend.»

Neben «Kolin21» gab es in den vergangenen Jahren Zwischennutzungen im «Haus Zentrum» an der Zeughausgasse (2009 bis 2011) und der «Ankenwaage» in der Ober Altstadt. Zurzeit wird das Haus Ankenwaage von der Jugendanimation Zug (jaz) zwischengenutzt, bis diese ihre Räumlichkeiten an der Kirchenstrasse wieder beziehen kann. Wer dann in der Ankenwaage einziehen wird, ist noch offen.

Britische Künstlerin macht den Anfang

Den Startschuss für den neuen Kulturraum «Kolin21» gibt die Gruppenausstellung «The Museum of the Unwanted» («Museum der ungewollten Dinge»). Kuratiert wird die Ausstellung von der britischen Künstlerin Clare Goodwin. Die Künstlerin stellt eigene Werke vor und präsentiert Kunstschaffende, die gebrauchte Objekte als Ausgangspunkt für ihre Kunst nehmen.

In der Ausstellung ist eine Serie von Fotografien zu sehen, die Details biederer Wandtapeten aus Kinderzimmern, Wohnzimmern und Küchen präsentieren – der Betrachter fühlt sich um vierzig Jahre zurückversetzt. Für ihre Installationen und Fotografien stöbert Goodwin in Brockenstuben und Second-Hand Shops. Neben Goodwin stellen im «Kolin21» ausgewählte Kunstschaffende aus, die mit gefundenen Objekten arbeiten: Die Schweizer Künstlerin Loredana Sperini, der britische Künstler Tom Ellis, das Zürcher Zwillingspaar «Huber.Huber», Alexandra Navratil, und die amerikanische Künstlerin Juliana Irene Smith.

Das Ausstellungsthema wird gewürfelt

Obwohl bei der ersten Ausstellung vorwiegend überregionale Künstler dabei sind, ist die Grundidee, im «Kolin21» vor allem das lokale Kunstschaffen zu fördern. Vom Ansatz her sei es wichtig, dass lokale und überregionale Kunst im Austausch stehen könnte, so Falk. «Wir wollen aufmachen und nach aussen strahlen.»

Nach der ersten Ausstellung kommt die Ausstellungsreihe «Tom Bola» aus Zürich nach Zug. Diese «extrem innovative Gruppe», wie Falk sagt, wähle die Ausstellungthemen nach einem speziellen Zufallsprinzip aus: Ab Anfang April werden in der Zuger Altstadt auf Plakatwänden am Postplatz und vor der Stadt- und Kantonsbibliothek Begriffe und Austellungsthemen gesammelt.

Aus den in der Bevölkerung gesammelten Begriffen würfelt Tom Bola den Titel für die erste Ausstellung. Anschliessend werden ebenfalls per Würfel Kunstschaffende ausgelost, die ihre Werke zum entsprechenden Ausstellungstitel im Rahmen einer Gruppenausstellung zeigen.

(Bild: zvg Stadt Zug)

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