Unsinniger Auftritt der Zuger Polizei als Spassbremse

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Herumfahren mit dem Auto, dabei hupen und Fahnen schwenken – all das ist in Zug nach WM-Matches nicht erlaubt. Die Zuger Polizei hat etwas dagegen und will Bussen verhängen. Das zeigt, wie wenig Sinn die Zuger Polizei für den Spass vieler Bürger hat. Von mangelndem Fingerspitzengefühl gar nicht zu reden.

Wolfgang Holz

Erinnern Sie sich auch noch an jenen wunderbaren 16. Juni 2010? Ja?! Das war dieser völlig verrückte, ja fast surreale Tag, als Nati-Spieler Gelson Fernandez in Südafrika gegen den späteren Fussball-Weltmeister Spanien kurz vor Schluss plötzlich den Ball mit Riesendusel irgendwie ins Tor stolperte und die Schweiz überraschend mit 1:0 gewann. Schwiizer Nati – oleoleoleoleeee!!!

Kollektiver Zuger Freudentaumel

Selten hat man damals glücklichere Gesichter gesehen. Überall. Als Zuger glaubte man plötzlich, die ganze Stadt stecke in einem kollektiven Freudentaumel. Das war wirklich einmalig.

Eine der vielen schönen Freudenszenen damals: Ein Busfahrer der ZVB, der an bierseligen Fans vor dem «Pickwick» Richtung Bahnhof vorbeifuhr, hupte kurz aus Solidarität und aus eigener Freude. Man möchte dem Mann heute noch auf die Schulter klopfen für seine spontane Aktion.

Umso mehr ist es kaum vorstellbar, dass dieser Busfahrer heute gebüsst werden würde. Denn die Zuger Polizei hat jüngst in einer Medienmitteilung wieder einmal bewiesen, was für eine Spassbremse sie sein kann (zentralplus berichtete).

Kein Fahnenherumschwenken aus dem Auto und kein Hupen

Sprich: Die Zuger Polizei verbietet ab sofort unter Androhung von Bussen nach WM-Matches Autokorsos, das Herumfahren durch die Stadt und den Kanton, das Fahnenschwenken aus den Autos – und vor allem das Hupen. 40 Franken kostet letzteres Delikt übrigens.

Man mag sich fragen, wer bei der Zuger Polizei auf diesen bürgerunfreundlichen Unsinn gekommen ist. War es vorauseilender Gehorsam vor Mitbürgern, die sofort zum Telefonhörer greifen und sich bei der Polizei melden, weil der Nachbar gerade ein Grillfest veranstaltet? Oder weil der Mieter im oberen Stock wieder einmal seine Musik zu laut gestellt hat?

Zweifellos, die Nachtruhe ab 22 Uhr ist ein hohes Gut. Das bestreitet niemand. Aber eine Fussball-Weltmeisterschaft findet schliesslich nur alle vier Jahre statt. Und die Anpfiffzeiten liegen dieses Mal in Russland besonders günstig, weil nach 22 Uhr die meisten Spiele sowieso fertig sind. Gerade in der Vorrunde, wo es keine Verlängerungen gibt. Auch die Stadt Zug hat ja wieder grünes Licht für viele Public-Viewing-Veranstaltungen in Restaurants und Gartenwirtschaften gegeben. 

Wie soll die Schweiz ohne Jubel weiterkommen und Weltmeister werden?

Geschätzter Herr Polizeikommandant, lassen Sie in Ihrem letzten Amtsjahr doch all den Spaniern, Kroaten, Serben, Portugiesen und Deutschen, ja nicht zuletzt auch den vielen Schweizer Fans in Zug ihre kleine Freude über einen Fussballsieg bei der WM. Wie sollen die Schweizer Fans ihre Nati je zum Titel schreien, wenn bereits bei kleinsten Anzeichen von Euphorie ein Riegel geschoben wird?

Da könnten doch ihre Ordnungshüter einfach ein Auge zudrücken. Und Fingerspitzengefühl beweisen, indem man bei solchen Autokorsos zwar präsent ist und im schlimmsten Fall bei wirklich gefährlichen Aktionen einschreitet und die Fans darauf hinweist. Ohne jedoch gleich den Bussenblock zu zücken, wenn mal eine Viertelstunde lang irgendwo gehupt wird.

Übrigens: Wie unsinnig das Hupverbot der Zuger Polizei während der WM ist, zeigt, welche Auswüchse diese Paragrafenreiterei in Zug haben könnte. Denn die nächste Konsequenz wäre dann wohl, dass die Zuger Polizei künftig vor der Kirche steht und frisch Vermählten mit einer Busse droht – falls diese planen, sich anschliessend im Auto über ihr Hochzeitsglück mit ein bisschen Hupen zu freuen.

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