Das ist jetzt auch die Chance für die Linken

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Die FDP macht schlapp im Regierungsrat. Zwei Magistraten werfen das Handtuch und kandidieren im Herbst nicht mehr für die Zuger Regierung. Was für die Freisinnigen zum Problem werden könnte, könnte für die Linken im Kanton Zug eine Art vergangenen Initialzündung für eine neue Ära werden.

Wolfgang Holz

Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel will nicht mehr. Das wusste man schon vergangenen Herbst. Urs Hürlimann will nun auch nicht mehr. Will heissen: Beide kandidieren nicht mehr bei den Gesamterneuerungswahlen für die Zuger Regierung.

Dass zwei so erfahrene und langjährige Mitglieder der Zuger Regierung keine Lust mehr aufs Regieren verspüren, ist verständlich.

Michel ist zwar erst 54 Jahre alt, aber schon seit exakt 14 Jahren nun Magistrat. Urs Hürlimann ist dagegen erst seit fünf Jahren Baudirektor, aber mit 62 Jahren nahe am Pensionsalter. Zudem hat er sich viele Jahre  als Polizeikommandant für Zugs Sicherheit eingesetzt. Man mag beiden ihre regierungsratsfreie Zeit gönnen.

Kein Kronprinz bei der FDP weit und breit in Sicht: Vielleicht endlich eine Frau?

Allerdings hinterlassen sie den Zuger Freisinnigen ein nicht allzu kleines Problem. Denn dass gerade zwei FDPler auf einen Schlag nicht mehr für den Regierungsrat kandidieren wollen, während die CVP und SVP mit voller Mannstärke in der Zuger Regierung vertreten sind – und mit Sicherheit auch wiedergewählt werden – scheint parteitaktisch nicht besonders klug. Ja, es wirkt so überhaupt nicht abgesprochen. Die FDP steht nun plötzlich in Sachen Regierungskandidaten mit leeren Händen da. Ein Kronprinz oder eine Kronprinzessin sind nicht in Sicht (zentralplus bericntete). 

OK, die FDP hat jetzt endlich die Chance, einmal eine Frau in den Regierungsrat zu portieren. Mit Gabriela Ingold aus Unterägeri stünde eine kompatible Kandidatin zur Verfügung. Zwar hat sie keine Exekutiverfahrung. Aber sie ist Unternehmerin und Treuhänderin und gilt als Powerfrau. Und seit ihrer Kandidatur als Nationalrätin (zentralplus berichtete) kennt man sie wenigstens in Zug.

Bei den männlichen Freisinnigen gibt es sicher einige, die für den Regierungsrat kandidieren könnten. Ob sie es wollen, ist die eine Frage. Ob sie genügend bekannt und volksnah sind, die ganz andere.

Was für die FDP also tatsächlich noch zum Kandidatenproblem werden könnte, eröffnet anderen Parteien neue Chancen. Auch der Linken.

Neben Manuela Weichelt, der amtierenden Frau Landammann könnte es  unter Umständen auch ein weiterer Linker oder eine weitere Linke in die Regierung schaffen. Denn die Majorzwahl ist schliesslich etwas, bei der es auf die Person ankommt. Und Persönlichkeiten haben die Linken einige zu bieten.

Hat nun die Stunde der jungen Linken geschlagen?

Da ist zum Beispiel Hubert Schuler, die Hünenberger Eminenz der Zuger Sozialdemokraten. Er hat 2014 bei den Nationalratswahlen kandidiert und gar nicht so schlecht abgeschnitten. Allerdings ist Schuler schon 60 und hat schon einmal für den Regierungsrat kandidiert – es aber nicht geschafft. Ein zweiter Versuch wäre es sicher wert.

Oder hat gar die Stunde der jungen Linken geschlagen?

Einen, den in Zug jeder kennt, auch jeder Bürgerliche, ist zweifellos Zari Dzaferi. Der Sekundarlehrer und Fussball-Aficionado aus Baar wirkt mit seinen 32 Jahren manchmal zwar noch etwas spontan. Der SP-Kantonsrat kommt menschlich und politisch aber sehr sympathisch rüber und könnte viel frischen Wind in den Regierungsrat bringen. Den politischen Ehrgeiz und die Leidenschaft dafür hätte er sicher.

Und da ist natürlich ein Andreas Lustenberger von den Alternativen-die Grünen Zug. Der 31-jährige ALG-Kantonsrat und Geograph hat in den letzten Jahren bei Abstimmungskämpfen und Wahlen stets bewiesen, dass er ein heller Kopf ist und genügend intellektuelle Reife besitzt, um mit bürgerlichen Politikern zu konkurrieren. Dass er nicht mehr in erster Front etwa gegen Glencore mitdemonstriert, mag man als klassenkämpferischen Makel wahrnehmen. Andererseits ist es auch ein Indiz dafür, dass der besonnene Baarer inzwischen auch für bürgerliche Kreise wählbar wäre.

Leider ist Vroni Straub schon vergeben

Last, but not least ist da noch sein Namens- und Parteikollege Andreas Hürlimann. Der Zuger Betriebsökonom hat den Vorteil, dass er nicht nur bereits seit elf Jahren im Kantonsrat mitpolitisiert, sondern in Steinhausen als Gemeinderat und Bauchef auch ein Exekutivamt ausübt. Er kennt sich in der Zuger Politik aus. Das wären beste Voraussetzungen, um sich für einen Regierungsratssitz in Stellung zu bringen. Wenn er es will.

Schade ist dagegen sicherlich, dass die Zuger CSP-Stadträtin Vroni Straub-Müller schon bekannt gegeben hat, um das Amt des Zuger Stadtpräsidenten mitmischen zu wollen. Sie wäre mit ihrer Popularität und ihrer politischen Erfahrung eine aussichtsreiche Kandidatin für den Zuger Regierungsrat. Vielleicht hätte sie da sogar mehr Chancen.

 

 

 

 

 

 

 

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