Der Steinhauser Pirat Stefan Thöni ist ein streitbarer Zeitgenosse in seiner Gemeinde. (Bild: PD)
Der Kommentar Politik Gesellschaft

Der Steinhauser Pirat Stefan Thöni ist ein streitbarer Zeitgenosse in seiner Gemeinde. (Bild: PD)

Der Mann, der die Steinhauser regelmässig auf die Palme bringt

5min Lesezeit

Erst wollte er die Einsicht von 418 Gemeinderatsprotokollen. Nun sind ihm lärmende Laubbläser über 85 Dezibel ein Dorn im Auge, die in Steinhausen nicht mehr blasen sollen – wie er in einer jüngsten Motion fordert. Man muss dem Politiker Stefan Thöni attestieren, dass er seine Wohngemeinde publikumswirksam ganz schön auf Trab hält. Die ist zumeist «not amused».

Wolfgang Holz

Stefan Thöni ist nicht nur ein Pirat. Er ist auch ein sehr kluger Politiker, der es IQ-mässig mit vielen Politikern im Kanton aufnehmen kann. Das macht ihn zum streitbaren Zeitgenossen, der immer wieder zielsicher einen Schuss aus der Hüfte loslässt, um über Missstände aufzuklären. Das verwandelt ihn gleichzeitig aber auch zum Mister «pain in the neck» derjenigen Politiker, die er gerade wieder mal piesackt.

Zuerst waren es die 418 Traktanden aus Gemeinderatssitzungen, deren Einsicht Stefan Thöni in den Gemeindeprotokollen auf der Basis des Öffentlichkeitsgesetzes von der Gemeinde Steinhausen einforderte. Die sperrte sich, obwohl sie sich gemäss kantonalem Öffentlichkeitsgesetz von 2014 dazu sehr wohl verpflichtet fühlen müsste.

Matterhornmässig hoch

Allerdings wirkte der Aktenberg, deren Einsicht Thöni da anfangs verlangte, riesig. Matterhornmässig hoch geradezu. Da war die Gemeinde erst mal geschockt und steckte den Kopf in den Sand. Clever, wie Thöni ist, schraubte er seine Forderung nun herunter auf nunmehr 186 Traktanden. Die Gemeinde Steinhausen blockt noch immer.

Allerdings wäre die Gemeinde Steinhausen sehr gut beraten, den Wünschen von Herrn Thöni zu entsprechen. Denn er hat zweifellos recht. Im Prinzip auf jeden Fall. Das bestätigen sogar Gerichte.

Wie viele Bürger von Steinhausen tatsächlich Einblick in Gemeinderatsprotokolle haben wollen, ist indes eine andere Frage. Sprich: die Frage nach der politischen Legitimität.

Nach eigenem Bekunden hat die Piratenpartei Steinhausen zwar einige wenige positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Soweit bekannt ist, haben sich allerdings noch nicht viele Bürger Steinhausens für die Offenlegung von Traktanden ihrer Gemeinde interessiert. Ansonsten ist noch nicht viel passiert. Ausser viel Lärm um nichts.

Motion an die nächste Gemeindeversammlung

Apropos Lärm. Nun hat Thöni die lauten, stinkenden und umweltverschmutzenden Laubbläser ins Visier genommen. Ja, auch hier hat er im Prinzip recht. Die Piratenpartei Steinhausen hat nun sogar eine Motion bei der Gemeindeversammlung eingereicht, die will, dass Laubbläser, die lauter als 85 Dezibel sind, in Wohngebieten verboten werden. Am 7. Dezember wird die Motion in der Gemeindeversammlung behandelt.

Klar, Laubbläser, die so laut sind wie Presslufthämmer (und das sind solche ab 85 Dezibel), sind gemäss Expertenstudien gesundheitsschädigend und können theoretisch von Gehörschäden bis zu Herzinfarkten führen. Jeder von uns hat sich sicher auch schon über Laubbläser aufgeregt und sich gefragt, warum man nicht einfach den Rechen zur Hand nimmt.

Doch die meisten von uns müssen wohl in der Praxis nicht allzu viel Laub rechen. Herr Thöni wohl auch nicht. Gleichwohl ist es natürlich wieder ein bescheidenes Argument der Gemeinde Steinhausen, zu sagen, ein Verbot solcher lauten Laubbläser wäre «unverhältnismässig» und viele hätten solche Geräte eben bereits angeschafft. Schon wieder steckt die Gemeinde den Kopf in den Sand.

Einzig das Argument des Steinhauser Bauchefs Andreas Hürlimann sticht, der behauptet, in Wohngebieten von Steinhausen würden auch Elektro-Bläser eingesetzt. Ja, warum eigentlich nicht? Im Grunde eine gute Idee. Warum werden nicht nur noch Elektro-Bläser verkauft und eingesetzt?

Doch solche Gesetzesregelungen müssten wohl eher vom Bund initiiert und durchgesetzt werden. Steinhausen ist da tatsächlich nicht der richtige Ansprechpartner.

Ein Stück weltfremd

Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Gemeindeversammlung Steinhausen die Motion Thönis für nicht erheblich erklären wird. Weil sie einfach ein Stück weltfremd ist. Und weil die Steinhauser eben auch sehen, dass es Stefan Thöni auch nicht nur um die Sache geht – sondern vor allem um den politischen Rummel, den er da auslöst. Eine klassische One-Man-Show eben.

Das ist im Prinzip natürlich nicht verwerflich. Doch es ist auch allzu verständlich, dass nicht alles goutiert wird, was ein digital-politischer Rückraumschütze ohne jegliches öffentliches politisches Amt und ohne jegliche politische Verantwortung einfach so in den Ring wirft. Nur weil er Aufmerksamkeit schüren will. Und um bei anderen die Pulsfrequenz in die Höhe zu treiben.

Vielleicht sollte Herr Thöni einfach mal versuchen, wirklich auf der Ebene von «grassroots»-Politik sich für ein politisches Amt zu bewerben. Sprich: etwa für den Steinhauser Gemeinderat kandidieren, als nur vor dem Computer irgendwelche Initiativen auszuhecken. Die Stelle als Steinhauser Gemeindepräsident wird übrigens auch frei.

Politik findet immer noch draussen statt. Da, wo die Laubbläser blasen.

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