Bitte, keine kulturelle Kleinkrämerei!

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Der Zuger Kantonsrat stellt den Kulturlastenausgleich mit den Kantonen Zürich und Luzern in Frage. Obwohl Zuger regelmässig ins KKL Luzern oder Opernhaus Zürich pendeln, sollen die defizitären Häuser nicht mehr unterstützt werden. Dieser Entscheid ist genau so, wie Zug nicht wirken möchte: Provinziell.

Wolfgang Holz

Haben Sie schon mal Cecilia Bartoli, der grandiosen Sopranistin, bei einer Mozart-Oper im Zuger Casino gelauscht? Oder sind Sie schon mal von der Virtuosität des weltberühmten Pianisten Maurizio Pollini im Lorzensaal in Cham absolut begeistert gewesen? Oder haben Sie gar eine mitreissende Andorra-Aufführung in der Ägerihalle in Unterägeri erlebt?

Zugegeben – dies sind alles rhetorische Fragen. Weil sie alle automatisch mit Nein beantwortet müssen. Denn die erwähnten Kulturhighlights sind natürlich eine Nummer zu gross für den Kanton Zug. Weil sie zu teuer für Zug sind. Weil Zug nicht die geeigneten Veranstaltungsräume dafür hat.

Das ist kein Fehler. Zug ist schliesslich ein kleiner Kanton, im Sandwich zwischen Luzern und Zürich gelegen. Und dort hat es in rund 30 Kilometer Entfernung jeweils die entsprechende Infrastruktur für solche Top-Anlässe. Gottseidank.

Zug bislang ein kleiner Kanton – mit Niveau

Aber auch diese Infrasturkturen haben es eben immer schwerer, im Kampf um öffentliche Förder- und Sponsorengelder zu überleben. Umso schöner ist es da, dass das kleine, aber reiche Zug sich in all den Jahren solidarisch gezeigt hat. Und mit 2,2 Millionen Franken solche Kulturhäuser wie das Zürcher Opernhaus, das Schauspielhaus, die Tonhalle sowie in Luzern das KKL, das Theater und das Sinfonieorchester unterstützt hat.

Zug hat damit stets bewiesen, dass es zwar ein kleiner Kanton ist. Aber eben auch ein kleiner Kanton mit geistigem und kulturellem Niveau. Das ist gut so. Denn Kultur und Bildung sind elementare Werte, die man nicht einfach mit der Axt im Walde roden kann.

Kantonsratsentscheidung wirkt provinziell

Wenn der Kantonsrat nun der SVP gefolgt ist, die Motion an die Zuger Regeirung zu überweisen, welche besagten Kulturlastenausgleich beenden will, wirkt dies bedenklich. Vor allem wirkt es sehr provinziell. Denn wenn nur noch die regionale Kultur in Zug fördern will, legt eine kulturelle Kleinkrämerei an den Tag. Die Kultur und das freie Denken ist immer schon global gewesen.

Ausserdem stimmt es nicht, dass Zuger keinen Nutzen von den kulturellen Angeboten in Luzern und Zürich hätten. Wie viele Zuger fahren ja gerade dorthin, weil das örtliche Angebot offenbar ihren Ansprüchen nicht genügt?  Und wieviele Expats, aber auch Zuger Geschäftsleute sind froh, wenn sie sich selbst oder ihre Kunden mit einem Theater- oder Konzertbesuch in Zürich oder Luzern erfreuen können?

Anti-Kultur-Populismus der SVP

Kultur ist heutzutage ein wichtiger Standortfaktor, den man staatlich unterstützen sollte. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Zug besagte Institutionen weiterhin fördert und sich nicht aufs Schwingfest-Niveau des Kantons Schwyz herunterlässt – wo man ja bereits beschlossen hat, aus dem Kulturlasten-Konkordat auszutreten.

Klar, der Kanton Zug muss sparen. Aber 2,2 Millionen Franken lassen sich auch noch anderswo einsparen. Im Strassenbau beispielsweise. Man darf darauf hoffen, dass die Zuger Regierung und der Kantonsrat am Ende sich darauf besinnen, nicht dem schnöden Anti-Kultur-Populismus der SVP Folge zu leisten.

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