Spardiktat bringt etablierte Zuger Organisationen in Gefahr

2min Lesezeit

Der Kanton Zug gilt in vielen Bereichen als fortschrittlich. Die Verwaltung ist freundlich und dienstleistungsorientiert. Das Angebot ist vielfältig, wie es sich für einen reichen Kanton ziemt. Doch die Sparmassnahmen bringen nun auch etablierte Organisationen in Gefahr.

Der Kanton Zug ist im Begriff, gewachsene Strukturen kaputt zu sparen. Das ist schade und letztlich destruktiv. Im Sozialbereich müssen sich nun zwei private Frauenorganisationen um einen Auftrag neu bewerben, den sie schon bisher wahrgenommen haben (zentralplus berichtete). Die Frauenzentrale Zug und der Zuger kantonale Frauenbund (ZKF) bieten beide Beratungen für Personen in schwierigen oder aussergewöhnlichen Lebenssituationen an. Beratungen, die gerne von Zugerinnen und Zugern in Anspruch genommen werden.

Die beiden Stellen bieten nicht genau dasselbe an, doch es gibt Überschneidungen und eine gewisse Doppelspurigkeit. Aus welchen Gründen auch immer, historisch bedingt, personenabhängig. Bis heute störte sich niemand daran, man leistete sich das. Die Zuger hatten eine Wahl, zu wem sie gehen wollten.

Nun wird mit dem Rechenschieber Politik gemacht, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Die Diskussion «Was können wir uns noch leisten?» wird vorher nicht geführt.

Leistungsvereinbarungen: eine Blackbox

Dabei erfüllen diese privaten und halbprivaten Organisationen letztlich Aufgaben des Staates, welche dieser nicht selbst wahrnehmen will oder kann. Der Kanton Zug hat bereits eine schlanke Verwaltung und dafür viele Leistungsvereinbarungen mit Externen abgeschlossen: Vereine, Stiftungen, Fachstellen, Museen und Zentren erbringen Leistungen für die Allgemeinheit und werden dafür entschädigt.

Die sogenannte «Public Private Partnership» (PPP) ist eine typisch zugerische Tradition geworden. PPP ist nützlich, man gewinnt eine schlanke Verwaltung. In finanziell schlechteren Zeiten kann man aber so auch einfacher sparen. Sprich, Personal abbauen.

Es wäre angebracht, wenn der Regierungsrat die zahlreichen Leistungsvereinbarungen mit Externen öffentlich machen würde. Bevor man Tabula rasa macht, müssen die Fakten auf den Tisch. Dies geht nur mit Transparenz und Einsicht in diese Vereinbarungen. Diese Zahlungen sind momentan eine Blackbox, der Regierungsrat gibt keine Auskunft. Wenn Steuergelder fliessen, sollte das in einem Kanton mit Öffentlichkeitsprinzip aber kein Geheimnis sein.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Weitere Kommentare

Der Kommentar

von Wolfgang Holz

Der Mann, der die Steinhauser regelmässig auf die Palme bringt

Erst wollte er die Einsicht von 418 Gemeinderatsprotokollen. Nun sind ihm lärmende Laubbläser über 85 Dezibel ein Dorn im Auge, die in Steinhausen nicht mehr blasen sollen – wie er in einer jüngsten Motion fordert. Man muss dem Politiker Stefan...

Erst wollte er die Einsicht von 418 Gemeinderatsprotokollen. Nun sind ihm lärmende Laubbläser über 85 Dezibel ein Dorn im Auge, die in Steinhausen...

Erst wollte er die Einsicht von 418 Gemeinderatsprotokollen. Nun sind ihm lärmende Laubbläser über 85 Dezibel ein Dorn im Auge, die in Steinhausen nicht mehr blasen sollen – wie er in einer jüngsten Motion fordert. Man muss dem Politiker Stefan Thöni attestieren, dass er seine Wohngemeinde publikumswirksam ganz schön auf Trab hält. Die ist zumeist «not amused».

Der Kommentar

von Gian Waldvogel

Die Mall: Ein biederer Konsumtempel mit Nebenwirkungen

Diesen Mittwoch war es so weit – die Verantwortlichen der Mall of Switzerland eröffneten gemeinsam mit Vertretern aus der Luzerner Politik das zweitgrösste Einkaufszentrum des Landes. Das Mega-Projekt warf einen jahrelangen Schatten. Doch nach...

Diesen Mittwoch war es so weit – die Verantwortlichen der Mall of Switzerland eröffneten gemeinsam mit Vertretern aus der Luzerner Politik das...

Diesen Mittwoch war es so weit – die Verantwortlichen der Mall of Switzerland eröffneten gemeinsam mit Vertretern aus der Luzerner Politik das zweitgrösste Einkaufszentrum des Landes. Das Mega-Projekt warf einen jahrelangen Schatten. Doch nach dem enormen medialen Spektakel im Vorfeld bleibt nicht viel von der Begeisterung.