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Wir setzen auf unseren Kandidaten – und doch nicht. Das Vor und Zurück der Krienser SVP bei der Nomination für die Neuwahlen Ende August macht einen desolaten Eindruck. Entschlossenheit in den eigenen Reihen sieht anders aus und es sind krasse No-Gos auszumachen. Das Opfer: Alibi-Kandidat Patrick Koch.

Die Krienser SVP steht seit Montagabend unter Druck. Zuerst greift die CVP mit einem Kampfkandidaten für die Gemeinderatswahlen im August an, mit Präsident Franco Faé. Einen Tag später wird die SVP-Parteileitung sichtlich nervös, als die FDP ihren Kandidaten fürs Rennen bekannt gibt. Simon Konrad gilt als bekannter FDP-Mann, der auch gefährlich viele Stimmen in SVP-Kreisen abgrasen könnte. 

Die Reaktionen sind heftig und ziehen einen skurrilen Rattenschwanz an Äusserungen nach sich. Ein Theater sondergleichen. Am Mittwochmorgen will SVP-Präsident Peter Portmann noch seinen Kandidaten Patrick Koch durch Martin Zellweger ersetzen. Formell ist das aber nicht mehr möglich. Fast gleichzeitig erreicht unsere Redaktion ein deutliches E-Mail von Koch: «Ich nehme meine Kandidatur nicht zurück.» Am Abend nach der Krisensitzung dann die Nachricht, die Parteileitung stehe voll und ganz hinter der Nomination von Koch.

In der Zwischenzeit wird FDP-Mann Simon Konrad öffentlich als Lügner bezeichnet, weil er im März für seine Kandidatur offenbar auf zwei Hochzeiten tanzen wollte und mit SVP-Kantonsrat Räto Camenisch in einem Telefongespräch Interesse an einer Kandidatur für die SVP angemeldet hatte.

Zum Dritten fällt die SVP-Leitung dann dem eigenen Kandidaten in den Rücken. Und das sehr ungeschickt. Zwar betont und beteuert man in einer Medienmitteilung, wie gut qualifiziert Patrick Koch sei. «Patrick Koch ist ein ausgewiesener HR Fachmann mit eidg. Fachausweis einer höheren Fachhochschule.» Man setze voll auf ihn.

Und schliesslich der Hammer: Man lasse für einen zweiten Wahlgang alles offen, sagt die SVP-Leitung am Schluss. Soll heissen: Patrick Koch könnte für den zweiten Durchgang doch noch durch Martin Zellweger ersetzt werden. Und Koch selber? Dieser schweigt. Aber soviel ist sicher: Wohl kann ihm in seiner Rolle als Alibi-Kandidat nicht mehr sein. 

Auch Simon Konrad steht schlecht da

Fazit eins: Die SVP-Oberen haben hier fast alles falsch gemacht, was sich falsch machen lässt. Das ist blamabel und stümperhaft. Sie waren von den Nominationen der Gegner schlicht überrascht – und offenbar damit überfordert. 

Fazit zwei: Der SVP fehlt es scheinbar doch an geeigneten Kandidaten. Von einem wie Paul Winiker ist weit und breit nichts zu sehen. Kochs polarisierendes Auftreten in der Rolle als Einwohnerrat hat ihn zwar profiliert, aber ihm bestimmt keine breite Sympathie eingebracht. Dass die SVP zusätzlich einen politisch völlig unerfahrenen Newcomer in petto hält, zeugt von Personalnotstand.

Und Fazit drei: Auch dem FDP-Kandidaten Simon Konrad schadet die ganze Angelegenheit. Er muss sich als politischer Wendehals outen lassen, weil er mit beiden Parteien, der SVP und FDP geflirtet hat. Für Mittewähler ist das ein guter Grund, für die CVP zu stimmen.  

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