So könnte das OYM-College aussehen. (Bild: OYM AG)
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So könnte das OYM-College aussehen. (Bild: OYM AG)

Wo Schüler an Montagmorgen und Freitagnachmittag schulfrei haben

6min Lesezeit

Beim Zentrum für Spitzensport von EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel entsteht auch eine Sportschule. Das OYM-College eröffnet für die ersten Schüler bereits diesen Sommer, wenn auch noch nicht in Cham. Die Sportschule wird mehr einer grossen Café-Lounge als einem Klassenzimmer ähneln.

Elias Wyrsch

Vor kurzem lud das OYM-College zu einer Informationsveranstaltung ins Kaufmännische Bildungszentrum Zug (KBZ) ein. Diese wird mit dem von Hans-Peter Strebel finanzierten und rund 100 Millionen Franken teuren OYM (on your marks) in Cham entstehen. Strebel erklärte, dass die beiden Institutionen betriebswirtschaftlich komplett getrennt sein werden. Dies auch deshalb, weil das Sportzentrum sich in einem neuen Feld bewege und sich erst orientieren müsse, während das College durch ihre Vorgängerorganisation, die Sportschule Vinto, schon viel Erfahrung mitbringe.

Modernste Sportschule

Schulleiter Benno Sidler ist auch Leiter der Schule Vinto, welcher auf Grund von Sparmassnahmen seitens des Kantons nur noch die Hälfte der Mittel zugestanden wurde. Das Projekt lässt man deshalb auslaufen und fährt dafür das OYM-College im Sommer 2019 hoch (zentralplus berichtete). Da die neue Schule erst im Frühling 2020 eröffnet wird, findet das erste Schuljahr noch im KBZ statt.

Die Vision des Colleges lautet «Wir bauen die modernste Sportschule im Idealtypus.» Die Ideen, damit dieses ambitionierte Ziel erreicht wird, scheinen da zu sein. Ob es auch mit der Umsetzung klappt, wird sich zeigen. «Die Restriktionen und Rahmenbedingungen, die an normalen Sportschulen bestehen, gibt es bei unserem College nicht», sagt Sidler.

Weg vom Frontalunterricht

Er spricht damit vor allem die räumlichen Vorgaben an. Dies weil die meisten Sportschulen in einer gewöhnlichen Schule entstanden und somit durch die klassische Schulzimmerarchitektur eingeschränkt seien. Im OYM-College wolle man aber nicht nur vom Frontalunterricht, sondern auch vom Schulzimmer als solches wegkommen.

In den Konzeptbildern kommt der gesamte Lernraum tatsächlich eher wie eine weitläufige Café-Lounge als eine Schule daher. Mittendrin findet sich das «Aquarium», das schon eher an Schule erinnert. Der Bereich ist zwar abgetrennt, allerdings durch Glasscheiben, so dass man durchblicken kann. Diese Durchsichtigkeit soll sich durchs gesamte Gebäude ziehen, so könne man beispielsweise vom Treppenhaus in die Eishalle sehen.

Maximale Individualität

Auch der Stundenplan ist auf die Bedürfnisse von jungen Spitzensportlern ausgelegt, so bleibt neben den 25 Lektionen Schule pro Woche genügend Freiraum fürs Training. «Am Montagmorgen sind sowieso noch alle im Wochenende und am Freitagnachmittag hört auch niemand mehr zu», so Sidler. Entsprechend ist zu diesen Zeiten im Stundenplan kein Unterricht eingetragen.

Der junge Sportler und der Leistungssport sollen im Zentrum stehen. Da bei jedem Schüler nicht nur die sportlichen Ansprüche und Voraussetzungen, sondern auch der Bildungshintergrund unterschiedlich seien, werde maximal auf die Individualität der Schüler eingegangen, so Sidler.

Eigenständige Ferienplanung

Man sehe dabei nicht nur von 45-Minuten-Lektionen und homogenen Klassen ab, sondern plane auch die Ferien anders als der Rest des Kantons. Die Sportferien beispielsweise würden wenig Sinn für OYM-Schüler machen, weil dort viele Sportler den Höhepunkt ihrer Saison haben.

Im Zentrum entsteht 1'000 Quadratmeter Lernraum für das College. Dabei soll das ganze Bildungsspektrum abgedeckt werden, von der Kaufmännischen Lehre bis zum Gymnasium.

Zusammenarbeit mit Engelberg

Wenn das Projekt mal richtig angelaufen sei, sollen neben den Grundausbildungen ebenfalls Weiterbildungen angeboten werden. Ausserdem will Sidler Sportlern Kompetenzen neben dem Sportplatz beibringen, so dass sie beispielsweise selbst verhandeln könnten und nicht auf einen Agenten angewiesen seien.

Zusatzangebote von OYM

Neben dem Grundpaket des College könne man etliche Zusatzangebote vom OYM selbst dazukaufen, so zum Beispiel das Athletiktraining oder Verpflegung durch die speziell auf Spitzensportler ausgerichtete Küche (zentralplus berichtete).

Im ersten Jahrgang, der diesen Sommer startet, wird aber erst die kaufmännische Lehre angeboten. Das Sportgymnasium wird es ab 2020 geben. Es ist in enger Zusammenarbeit mit der Sportmittelschule Engelberg entwickelt worden und übernimmt weitestgehend deren Konzept. Die Sportmittelschule Engelberg ist ausserdem Mitinhaberin des College und besitzt 46 Prozent der Aktien.

Benno Sidler informierte auch über das OYM im Allgemeinen.
Benno Sidler informierte auch über das OYM im Allgemeinen. (Bild: zvg)

Doch wer bezahlt eigentlich das Schulgeld? Kommt ein OYM-Sportler aus Zug, übernimmt der Kanton dessen Kosten. Die Kosten für ausserkantonale Schüler  seien je nach Wohnregion unterschiedlich. «Einige Kantone übernehmen ebenfalls die vollen Kosten, andere bezahlen gar nichts», so Sidler. In jedem Fall müsse die Finanzierung vor Schulantritt geregelt sein.

Schulkosten im fünfstelligen Bereich

Hinzu komme jeweils noch ein jährlicher Elternbeitrag von 5'000 Franken und einmalige Kosten für Notebook und Schulmaterial, die sich auf etwa 1'800 Franken belaufen sollen. Insgesamt soll eine Ausbildung am neuen College rund 21'800 Franken kosten (ohne Lehrlingslohn), wie einem Bericht der Staatswirtschaftskommission des Kantonsrates zu entnehmen ist. Das frühere Vinto-Modell kostete je nach Ausprägung 18'000 oder 38'000 Franken.

Bis zum 30. Mai kann man sich noch für den Schulstart 2019 anmelden, für den nächsten Start werde das Anmeldefenster vermutlich zwischen Herbst und Winter offen sein, so Sidler. Mitbringen sollten Interessenten unter einigen anderen Punkten einen Volksschulabschluss und das Zeug zum Hochleistungssportler mit der Aussicht auf eine Profikarriere.

Beim OYM-College solle Lernen nicht ein Konsumieren, sondern ein Produzieren sein, sagt Strebel. «Das setzen wir bereits bei der Anmeldung um», sagt er weiter. Jeder Aspirant muss ein Video von sich selbst machen, in dem er sich kurz vorstellt.

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