Die Tödistrasse heute: Parkplätze, Beton, Hecken. Ab Sommer soll die Strasse aufgewertet werden. (Bild: jwy)
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Die Tödistrasse heute: Parkplätze, Beton, Hecken. Ab Sommer soll die Strasse aufgewertet werden. (Bild: jwy)

Beim Luzerner Himmelrich werden nun die Strassen flottgemacht

5min Lesezeit

Mehr Bäume, mehr Veloparkplätze, attraktivere Oberfläche: Wenn ab Sommer die ersten Himmelrich-Mieter einziehen, wird auch der angrenzende Strassenraum aufgepeppt. Auch Auto-Parkplätze müssen dran glauben, doch es gibt Ersatz. Die Stadt lässt dafür über 1 Million Franken springen – sofern das Parlament zustimmt.

Bald werden die Wohnungen und Gewerbeflächen in der Genossenschaftssiedlung Himmelrich 3 bezogen, momentan läuft die Bewerbungsrunde für die letzten freien Wohnungen. Auch im Bleichergärtli sind die Bagger aufgefahren – und als Nächstes sind die angrenzenden Strassen dran.

Die Himmelrichstrasse wurde durch die Bauarbeiten zerstört, auch die Tödistrasse ist heute keine Augenweide: Sie wird von elf Schräg-Parkplätzen mit schlechter Sicht dominiert. Dazu kommen lieblose Hecken und Sträucher.

Für Menschen statt Autos

Mit der neuen Überbauung bietet sich die Chance für eine Aufwertung, denn die Stadt rechnet ab diesem Sommer mit einer zusätzlichen Belebung und deutlich mehr Fussvolk. Neben Wohnungen entstehen mehrere Restaurants, Läden und neue Spielplätze – dem soll die Neugestaltung des Strassenraums Rechnung tragen.

Es soll ein Ort geschaffen werden, «der nicht nur dem Verkehr zugeordnet ist», so die Stadt. Stattdessen sollen mehr Grün und mehr Sitzbänke eine bessere Aufenthaltsqualität für die Anwohnerinnen schaffen.

Statt kleinteiligen Rabatten und Sträuchern gibt es auf einer Länge von 140 Metern eine offene und helle Gestaltung, wie die Stadt Luzern mitteilt. Im kommenden Herbst sollen die Arbeiten beginnen, auf Frühling 2020 sollen sie beendet sein.

Ein verschlungener Weg führt durch die Himmelrichstrasse – diese soll attraktiver werden.
Ein verschlungener Weg führt durch die Himmelrichstrasse – diese soll attraktiver werden. (Bild: jwy)

Bäume statt Rabatte

Zuerst werden die alten Gas-, Wasser- und Elektroleitungen der Himmelrich- und Tödistrasse saniert, danach folgt die Oberfläche: Die Rabatten und Parkplätze kommen weg und die Oberfläche wird einheitlich mit Kiesflächen gestaltet. Zudem gibt’s mehr Sitzbänke und es werden 16 Hochstammbäume gepflanzt. Die Beleuchtung wird Plan-Lumière-tauglich.

Die Tödi-/Himmelrichstrasse ist schon seit 1984 eine Begegnungszone, neu gilt Einbahnverkehr für den motorisierten Verkehr, Velos und Mofas dürfen in beide Richtungen fahren. Danke dieser Massnahmen werde der versiegelte Strassenquerschnitt auf ein Minimum reduziert und die Verkehrssicherheit erhöht. So entstehe ein «vielseitig nutzbarer, attraktiver, sicherer und ökologisch wertvoller Strassenraum», heisst es im Projektbeschrieb.

Mehr Platz gibt’s auch für Velos: Auf der Tödistrasse gibt’s je einen Velo- und Motoparkplatz für 44 Velos und 11 Motorräder. Zusätzlich gibt’s einen Behinderten-Parkplatz.

Die geplante Aufwertung der Tödi- und Himmelrichstrasse. Unten links steht die neue ABL-Überbauung.
Die geplante Aufwertung der Tödi- und Himmelrichstrasse. Unten links steht die neue ABL-Überbauung. (Bild: zvg)

Autos verschwinden in die Tiefgarage

Die elf oberirdischen Autoparkplätze auf der Tödistrasse verschwinden, zudem wurden sieben Parkfelder auf der Himmelrich- und zehn auf der Bundesstrasse aufgrund der Baustelle bereits vor drei Jahren aufgehoben. Ersatz gibt's unterirdisch im neuen Parkhaus der Himmelrich-Überbauung, wo künftig 50 öffentliche Parkfelder zur Verfügung stehen – so gibt es unter dem Strich 22 zusätzliche Parkfelder. Das ist eine Premiere: Noch nie hat die ABL öffentliche Parkplätze angeboten.

Wettbewerb für Kunst am Bau

Eine weitere Aufwertung gibt’s im Aussenbereich der neuen Himmelrich-3-Überbauung: Die ABL hat einen Wettbewerb für ein Kunst-am-Bau-Projekt ausgeschrieben. Für das Kunstprojekt sucht die Genossenschaft Menschen, die künstlerisch tätig sind und Ideen entwickeln, die Aussenräume in der neuen Siedlung zu bespielen. Die Kunstaktion solle der Siedlung eine zusätzliche Dimension geben und den Ort prägen. Die ABL blicke auf eine langjährige Tradition für Kunst und Bau zurück, heisst es in der Ausschreibung. Bewerbungen kann man bis am 17. Mai einreichen.

Die restlichen 245 Plätze in der Tiefgarage sind für Mieterinnen und Beschäftigte aus der Siedlung vorgesehen und sind durch ein Tor von den öffentlichen abgetrennt. Wie teuer die sein werden, ist noch offen – jedoch ist vorgesehen, dass die ersten 30 bis 45 Minuten gratis sein sollen.

Insgesamt scheint es in der Himmelrich-Tiefgarage eher zu viele Parkplätze zu geben: «Im Bereich der Parkgelegenheiten sind weiterhin Leerstände zu verzeichnen», heisst es im neusten ABL-Geschäftsbericht.

Parlament muss noch zustimmen

Die IG Bleichergärtli hat der Umgestaltung bereits zugestimmt. Weil die Himmelrichstrasse aufgrund der Bauerei so oder so wieder hergerichtet werden müsste, beteiligt sich die ABL mit einem «wesentlichen Kostenbeitrag» von 78'000 Franken an der Aufwertung – auch beim Bleichergärtli zeigt sich die ABL grosszügig und bezahlt 350'000 Franken.

Den Löwenanteil an der Strassengestaltung bezahlt die Stadt: Für die Aufwertung beantragt der Stadtrat beim Parlament einen Sonderkredit von 1,05 Millionen Franken, dieses stimmt am 6. Juni darüber ab.

Ein Verzicht auf die Aufwertung ist für den Stadtrat keine Option: Das hätte zur Folge, dass der heutige Status quo, mit Ausnahme der ohnehin notwendigen Werkleitungsarbeiten, bestehen bleibe. Eine «höchst unbefriedigende Situation» wäre das im Vergleich zur neuen ABL-Siedlung.

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