Das Aalto-Hochhaus mit dem Porträt des berühmten finnischen Architekten. (Bild: jwy)
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Das Aalto-Hochhaus mit dem Porträt des berühmten finnischen Architekten. (Bild: jwy)

Das Aalto-Hochhaus steht mit der Velogebühr alleine da

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Gebühren für Veloparkplätze? Mit dieser umstrittenen Idee steht das Schönbühl-Hochhaus alleine da. Bei anderen neuen Überbauungen sind Zweiräder gern gesehen – und werden sogar aktiv gefördert.

Das berühmteste Hochhaus in Luzern war immer eine beliebte Wohnadresse: Nicht nur wegen der prächtigen Aussicht und des prominenten Erbauers – auch die Mietpreise waren moderat (zentralplus berichtete).

Nach der Totalsanierung des Alvar-Aalto-Baus im Zentrum Schönbühl werden die Mieten bis zu einem Drittel höher sein als zuvor. 23 Millionen Franken kostet der Umbau – da werden auch Velofahrer zur Kasse gebeten: Wer sein Zweirad in der Einstellhalle im Untergeschoss des Hochhauses parkieren will, muss für den Abstellplatz 25 Franken im Monat bezahlen. Für Roller muss man sogar 120 Franken im Monat berappen.

85 Abstellplätze für total 91 Wohnungen sind vorgesehen, das ist nicht einmal einer pro Wohnung. Das ist zu knapp, wenn man bedenkt, dass auf einen Haushalt im Kanton Luzern durchschnittlich 1,8 Fahrräder kommen. Gratis-Aussenparkplätze für Velos sind gar keine vorgesehen. Dieser Entscheid sorgt weitherum für Unverständnis und Kritik.

«Wir müssen per Gesetz Veloabstellräume bereitstellen und weil immer mehr Leute – erfreulicherweise – das Velo benützen, brauchen diese entsprechend Platz. Und das alles kostet», begründete Hauseigentümer Nicolas von Schumacher die Gebühr gegenüber der «Luzerner Zeitung».

Das sind die geplanten 85 Velo- resp. Roller-Parkplätze in der Tiefgarage unter dem Aalto-Hochhaus.
Das sind die geplanten 85 Velo- resp. Rollerparkplätze in der Tiefgarage unter dem Aalto-Hochhaus. (Bild: zvg)

Politischer Vorstoss

Die städtische SP hat mit einem Postulat reagiert (zentralplus berichtete). Die beiden Stadtparlamentarier Cyrill Studer (Geschäftsleiter des Luzerner Mieterverbandes) und Nico van der Heiden kritisieren im Vorstoss die Gebühr scharf: «Ausgerechnet in Zeiten, in denen der menschenverursachte Klimawandel immer stärker als Bedrohung in den öffentlichen Fokus rückt, verlangen findige Gebäudebesitzer einen monatlichen Mietzins für jeden Fahrradabstellplatz.» Jede Fahrradfahrt, welche eine Autofahrt ersetzt, sei ein gesamtgesellschaftlicher Gewinn – die neuartige Praxis untergrabe die städtischen Mobilitäts-, Klima- und Energieziele.

Die SP fordert vom Stadtrat, die Bewilligungsauflage mit dem Zusatz zu ergänzen, dass entsprechende Veloabstellplätze zur Grundausstattung gehören und keine separaten Mietzinse verlangt werden dürfen.

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Momentan ist das Aalto-Hochhaus im Schönbühl eingerüstet, ab September wird es wieder bewohnt. (Bild: jwy)

Velolift im Mattenhof

Dass die Velogebühr Schule machen könnte, ist allerdings zu bezweifeln. Andere neue Grossüberbauungen haben keine solchen Pläne. Im Gegenteil: Die Veloinfrastruktur scheint den Bauherren einiges wert.

Himmelrich 3 in Luzern: In der Genossenschaftssiedlung der ABL werden diesen Sommer die ersten von 250 Wohnungen bezogen, dazu kommen Gewerbe, Restaurants und Läden (zentralplus berichtete). Klar ist, dass die neue sechsstöckige Blockrandbebauung am Rande der Neustadt mehrheitlich eine Kundschaft ohne Autos anzieht. Darum werden sämtliche Veloparkplätze gratis sein.

Für Bewohnerinnen werden in der Tiefgarage verschiedene Veloräume zur Verfügung stehen – und für Besucher zudem gedeckte Abstellplätze im Aussenbereich. Wie viele das im Gesamten sein werden, kann die ABL im Moment noch nicht sagen.

«Matteo» in Kriens: Die Überbauung der Credit Suisse beim Mattenhof will vor allem Mieter ohne Autos anziehen. Deshalb verlangt man auch hier von Velofahrern keine Gebühr, im Gegenteil: Der Gebrauch von Mietvelos, ÖV und Carsharing wird in Form von Mobilitätsgutscheinen mit bis zu 800 Franken jährlich belohnt (zentralplus berichtete).

Hier, im Dreieck von Luzern, Kriens und Horw, scheint man Velofahrer also nicht primär als Kostenfaktor zu sehen, vielmehr werden sie aktiv gefördert: Die total 193 Veloparkplätze für die 146 Matteo-Wohnungen stehen gratis zur Verfügung, heisst es auf Anfrage. Es gibt sogar einen Extralift für die Velofahrer, der zwischen Erdgeschoss und Untergeschoss verkehrt. Zudem stehen 50 E-Bike-Ladeboxen zur Verfügung, die aussehen wie eine grosse Briefkastenanlage.

Hier in der Überbauung «Matteo» wird es sich lohnen, ohne Auto zu wohnen.
Hier in der Überbauung «Matteo» wird es sich lohnen, ohne Auto zu wohnen. (Bild: zvg)

Schweighof in Kriens: In der 2’000-Watt-Siedlung entstehen bis 2024 etappenweise 17 Wohngebäude mit total 600 Mietwohnungen, mehr als die Hälfte steht bereits. Das Projekt wirbt unter anderem mit dem «Radweg vor der Haustüre».

Gesamthaft werden im Schweighof satte 3’500 Veloabstellplätze realisiert. Die Abstellplätze sind im normalen Mietpreis enthalten und werden nicht separat verrechnet, heisst es auf Anfrage.

Himmelrich-Besichtigung

Tag der offenen Tür im Himmelrich 3: 27. April, 10 bis 15 Uhr, Ecke Bundesstrasse–Himmelrichstrasse.

Bei der Überbauung «4Viertel» am Emmer Seetalplatz sieht es ähnlich aus wie in Luzerns Süden: Beim Seetalplatz ums heutige Kino Maxx entstehen in den nächsten Jahren neben Büros, Läden und Gastronomie auch etwa 180 Wohnungen (zentralplus berichtete).

Insgesamt entstehen rund 1’050 Veloparkplätze – davon rund 750 gedeckt – verteilt über das gesamte Areal. Dies entspreche der Bedarfsermittlung der geplanten Nutzung, teilen die Verantwortlichen mit. Ein Kostenmodell sei «kein Bestandteil der aktuellen Projektphase». Will heissen: Auch in Luzern Nord werden Velofahrer nicht zur Kasse gebeten.

Zurück zum Aalto-Hochhaus im Schönbühl: Die sanierten Wohnungen werden auf September bezugsbereit sein. Letztlich werden die Mieter entscheiden müssen, ob sie die Velogebühr goutieren. So oder so: Für Sparfüchse empfiehlt sich als Alternative zum kostenpflichtigen Abstellplatz der eigene Keller – dieser ist in der normalen Miete inbegriffen.

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