Das Thema Spange Nord bewegt und interessiert. Der Seminarraum im Unigebäude war bis auf den letzten Platz gefüllt. (Bild: bic)
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Das Thema Spange Nord bewegt und interessiert. Der Seminarraum im Unigebäude war bis auf den letzten Platz gefüllt. (Bild: bic)

Spange Nord: Experte sieht nur eine Möglichkeit zur Entlastung

5min Lesezeit

Die zweite Phase der Variantenprüfung für die Spange Nord zeigt: Nur eine durchgehende Strasse vom Autobahnanschluss Lochhof bis zum Schlossberg bringt wohl die erhoffte Entlastung. Ein kompletter Verzicht hätte laut aktuellen Prognosen der Experten hingegen einen Verkehrskollaps zur Folge.

Am Freitagabend hat der Kanton in Luzern zur zweiten Infoveranstaltung über den Planungsstand der Spange Nord geladen. Gegen 60 Vertreter von Quartiervereinen, Interessensgruppen, der Stadt sowie von ÖV-Unternehmen drängten sich in den Seminarraum im Unigebäude. 

Der Kanton prüft derzeit mehrere Varianten des Autobahnzubringers, der Teil ist des sogenannten Bypasses (siehe Box). In einem ersten Schritt ging es am Freitag darum, die Machbarkeit der neun im Rennen verbliebenen Vorschläge aufzuzeigen. Dabei kristallisierten sich fünf Optionen heraus, die in die dritte und letzte Prüfphase miteinbezogen werden (zentralplus berichtete).

Welche Auswirkungen hat der Bypass?

Im Zentrum stand jedoch die Frage, welche der Varianten den Mehrverkehr, der durch den «Bypass» entsteht, am besten abfedern kann. Oder etwas weniger schmeichelhaft formuliert: Welche Option bekämpft die auftretenden Symptome am besten? Die Modellberechnungen erlauben eine Prognose für das Jahr 2040.

Schnell wurde klar, dass die Null-Variante, also der komplette Verzicht auf die Spange, nach heutigen Berechnungen die Probleme nicht wird lösen können. Laut dem vom Kanton beigezogenen externen Projektkoordinator Michel Simon würde es so zu massiven Überlastungen im Gebiet Kreuzstutz/Baselstrasse sowie auf der Achse Friedental–Schlossberg kommen. Kurz: Ein Verkehrskollaps wäre die Folge.

Der Kreuzstutz und die Spitalstrasse bis zum Schlossberg würden nicht mehr funktionieren.
Der Kreuzstutz und die Spitalstrasse bis zum Schlossberg würden nicht mehr funktionieren. (Bild: zvg)

Noch drastischer wäre es demnach, wenn gleichzeitig auf mögliche ÖV-Massnahmen wie eine Busspur über die Seebrücke verzichtet würde. Laut Modell käme es so auch beim Bahnhof und am Luzernerhof sowie beim Tunnelportal und der Arsenalstrasse in Kriens zu massiven Überlastungen.

Auf Seiten der Stadt Luzern, die der Spange Nord kritisch gegenübersteht, teilt man diese düsteren Prognosen allerdings nicht. Gemäss Daniel Meier vom Tiefbauamt sei der Autoverkehr im Zentrum in den letzten Jahren vielmehr zurückgegangen. Auch an einem Anlass von Hausbesitzern im Perimeter des Projekts wurden kürzlich Zweifel an den Verkehrsberechnungen des Kantons geäussert (zentralplus berichtete).

Sowohl in Kriens wie auch im Bereich der Seebrücke käme es zu einer Überlastung.
Sowohl in Kriens wie auch im Bereich der Seebrücke käme es zu einer Überlastung. (Bild: zvg)

Weniger gravierend wären die Auswirkungen gemäss Gutachter hingegen mit der Öffnung des Anschlusses Lochhof und dem Bau der Fluhmühlebrücke. Insbesondere wird dadurch eine deutliche Entlastungswirkung zwischen Kriens und der Fluhmühlebrücke vermutet. Zudem bliebe so der Kreisel Kreuzstutz weiterhin funktionstüchtig. Dafür bräuchte es aber bauliche Massnahmen beim Kreisel Schlossberg sowie der Kreuzung Spitalstrasse/Friedentalstrasse. Die Studie betrachtet diese Möglichkeit als machbar. 

Spange mit Tunnel ist weiterhin Favorit

Wenig überraschend stellte der Experte die Varianten mit einer Spange Nord als die besten dar, um laut dem Modell die Auswirkungen des Bypasses einzudämmen. Vorgeschlagen wird dafür die Variante mit einem Tunnel ab der Fluhmühle bis zum Rosenberg. Ab dort soll es bis zum Schlossberg oberirdisch weitergehen. Der durchgehende Tunnel bis zum Schlossberg wird nicht weiter geprüft. Dies aufgrund einer städtebaulichen Analyse, welche der anderen Option ein besseres Zeugnis ausstellte.

Die Spange Nord

Als Spange Nord wird der geplante Autobahnzubringer in der Stadt Luzern bezeichnet. Er soll die Autos von der Innenstadt schnell auf die Autobahn bringen. Dies als Teil des Bypasses Luzern, einem neuen Autobahntunnel zwischen Ibach und dem Gebiet Grosshof in Kriens. Das Megaprojekt soll das Luzerner Stadtzentrum vom Verkehr entlasten. Die Gesamtkosten werden auf 1,9 Milliarden Franken geschätzt.

Gegen die Spange Nord regt sich allerdings breiter Widerstand. Vor einem Jahr hat sich eine Gegenbewegung formiert, die im Mai eine Demonstration plant. Zudem sammelt die städtische SP zurzeit Unterschriften für eine Initiative gegen das Projekt.

Eine weitere Möglichkeit wäre, den Tunnel «bergmännisch» zu bauen. Dann würde er indes nicht unter der Friedbergstrasse verlaufen, wie es bei der anderen Variante der Fall ist, sondern daneben. Gebaut werden müsste relativ knapp unter der Oberfläche, um die Anschlüsse entsprechend anbauen zu können. Diese Option könnte allerdings zur Folge haben, dass das eine oder andere Gebäude weichen müsste.

Auch die eigentlich bereits totgeglaubte Spange lang ist wieder im Rennen. Der Kanton hat diese Variante mit einem zusätzlichen Tunnel vom Schlossberg bis zur Haldenstrasse aufgrund der hohen Kosten als unrealistisch betrachtet. Nachdem das Stadtparlament kürzlich einen Vorstoss dazu überwiesen hat, wird sie nun ebenfalls vertieft geprüft (zentralplus berichtete).

Städtebauliche Massnahmen geplant

In einem weiteren Schritt wird nun untersucht, welche städtebaulichen Massnahmen entlang der Tunnels umgesetzt werden können, um die betroffenen Quartiere nach der Realisierung der Spange wieder entsprechend aufzuwerten. Die Resultate der laufenden Überprüfung werden im Herbst erwartet.

Sollte sich in der nun folgenden dritten Prüfphase herausstellen, dass eine der Tunnelvarianten für das Gesamtsystem am besten ist, soll später die betroffene Bevölkerung bei der Gestaltung der Portale aktiv miteinbezogen werden. Dass es letztlich auf eine Tunnelvariante hinauslaufen wird, dürfte nach der jüngsten Infoveranstaltung erneut klargeworden sein.

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