Nationalrat Michael Töngi glaubt nicht, dass der Interregio in absehbarer Zeit im Halbstundentakt nach Bern fährt. (Bild: bic)
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Nationalrat Michael Töngi glaubt nicht, dass der Interregio in absehbarer Zeit im Halbstundentakt nach Bern fährt. (Bild: bic)

Halbstundentakt von Luzern nach Bern auf der Kippe

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Dank des Ausbauschrittes 2025 sollen die Züge schon bald im Halbstundentakt von Luzern nach Bern fahren. Der Luzerner Nationalrat Michael Töngi glaubt aber nicht, dass dies tatsächlich der Fall sein wird. Vielmehr gehe Luzern im nächsten Ausbauschritt sogar ganz leer aus, da der Bundesrat nicht nach Luzern schaue. 

Mit dem Ausbauschritt 2025 des Bundes und der SBB, wird voraussichtlich während Jahren die Direktverbindung von Luzern nach Basel gekappt, wie der Regierungsrat am Montag in einer Anfrage von CVP-Fraktionschef Ludwig Peyer schreibt. Dies, weil nach dem Ausbau die Züge im Halbstundentakt nach Bern fahren werden (zentralplus berichtete).

Aufgrund des besseren Angebots auf der Strecke Luzern-Bern sei die Verschlechterung bei der Verbindung zum Rhein aber verkraftbar, so die Meinung des Regierungsrates. Für Luzern gibt es also ein lachendes und ein weinendes Auge. 

Geht Luzern komplett leer aus?

Und der nächste Dämpfer folgt sogleich. «Der Halbstundentakt nach Bern kommt wohl nicht 2025, obwohl er in diesem Ausbauschritt enthalten ist», schreibt der Grünen-Parlamentarier in einer Mitteilung. Denn der Bundesrat könne bis dato nicht sagen, wann es soweit ist. «Somit geht Luzern im Ausbauschritt 2025 komplett leer aus», moniert Töngi.

Der Krienser bezieht sich auf die Antwort des Bundesrates auf einen Vorstoss, der von sämtlichen Luzerner Nationalräten unterzeichnet wurde. «Wegen der Verzögerung der Baumassnahmen im Knoten Bern kann der Halbstundentakt zwischen Bern und Luzern erst später als ursprünglich geplant eingeführt werden», so der Bundesrat.

Bauarbeiten in Bern sind das Problem

Zudem verweist die Landesregierung in ihrer Antwort lapidar auch auf die Möglichkeit, von und nach Luzern die Verbindung via Olten zu nutzen. So bestehe bereits heute ein halbstündiger Anschluss nach Bern. «Eine Verbindung mit Umsteigen in Olten führt in jedem Fall zu einer Verlängerung der Fahrzeit», schreibt der Bundesrat.

Das Problem liege dabei nicht einmal in Luzern selber, sondern in der Bundeshauptstadt. «Die Komplexität der Projekte im Raum Bern verunmöglicht eine frühere Einführung des Halbstundentaktes.» Generell würden alle geplanten Angebote verzögert, die den Ausbau des Bahnhofs Bern voraussetzen, nicht nur der Halbstundentakt Bern-Luzern, so der Bundesrat.

Der Kanton beschwichtigt

Auch beim Kanton Luzern ist man sich bewusst, dass die Einführung des Halbstundentakts nach Bern auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird. «Die Einführung des Halbstundentakts Luzern–Bern ist weiterhin im Rahmen des Ausbauschritts 2025 vorgesehen. Die Umsetzung kann jedoch nicht für das Jahr 2025 garantiert werden», schreibt Judith Setz, Sprecherin des Bau- und Umweltdepartements auf Anfrage.

Sie verweist auf die genannten Gründe. Der Regierungsrat bedauere diese Verzögerung, mache sich jedoch weiterhin für einen Taktausbau Luzern–Bern stark.

Dass Luzern beim nächsten Ausbauschritt komplett leer ausgeht, dementiert Setz: «Im Ausbauschritt 2025 sind verschiedene Projekte im Kanton Luzern vorgesehen – mehrere davon werden bereits vor 2025 realisiert.» Die Umsetzung von einzelnen Massnahmen aus einem Ausbauschritt seien nicht an ein bestimmtes Jahr gekoppelt, weshalb die Umsetzung früher oder später erfolgen könne, so Setz. 

Zentralbahn baut aus

Weitere Projekte im Raum Luzern stünden zudem kurz vor der Realisierung: So baue zum Beispiel die Zentralbahn eine neue Doppelspureinfahrt in den Bahnhof Luzern, was die Kapazitäten erhöht und so die Führung einer zusätzlichen S-Bahn zwischen Luzern und Horw zu Hauptverkehrszeiten ermögliche, erklärt Setz.

Und weiter: «Bereits ab Dezember 2019 erhalten Wolhusen und Willisau eine dritte stündliche Verbindung zu den Hauptverkehrszeiten. Die neue S-Bahn fährt während den Stosszeiten morgens und abends zwischen Luzern und Willisau und bringt zusätzliche Kapazitäten fürs Entlebuch und das Luzerner Hinterland.» Weiter seien im Zuge des Ausbauschritts 2025 auch Infrastrukturgelder für den Ausbau des Bahnhofs Menznau bezahlt worden, so Setz.

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