Studenten feiern den Semesterabschluss an der HSLU in Rotkreuz. (Bild: stair.ch)
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Studenten feiern den Semesterabschluss an der HSLU in Rotkreuz. (Bild: stair.ch)

Was dem Hochschulcampus Rotkreuz noch fehlt

8min Lesezeit

Der Campus Zug-Rotkreuz der Hochschule Luzern ist noch jung. Dementsprechend mangelt es an Angeboten, die den Standort attraktiver machen würden, finden einige Studenten. In Kürze entstehen auf dem Suurstoffi-Areal aber neue Verpflegungs-, Sport- und Wohnmöglichkeiten. Doch reicht das?

Leonard Flach

Eine Studentenstadt braucht eine Hochschule. Das ist klar. Ein paar Wohnheime gehören auch dazu. Aber reicht das schon, damit aus einem Dorf eine Studentenstadt wird?

Im September 2016 startete das Departement Informatik der Hochschule Luzern auf dem Suurstoffi-Areal im Kanton Zug. Im Juli 2017 nahmen die ersten 99 Absolventen in Rotkreuz ihr Diplom entgegen. Bis im Spätsommer 2019 sollen gegen 2'000 Studenten auf dem Campus unterrichtet werden. Der Hochschulstandort Rotkreuz wächst also rasant.

Der Direktor des Departements Informatik René Hüsler erklärt: «Ausschlaggebend für die Wahl des Standorts war neben der zentralen Lage auch die Dynamik, mit der sich das Suurstoffi-Quartier und Rotkreuz generell entwickeln.» Die Hochschule Luzern möchte sich an dieser Entwicklung selber beteiligen.

Gleich beim Bahnhof Rotkreuz entsteht der neue Campus. (Visualisierung: zvg)
Gleich beim Bahnhof Rotkreuz entsteht der neue Campus. (Bild: zvg)

«Im August 2019 zieht das Departement Informatik wie geplant in den Neubau um, der derzeit auf dem Suurstoffi-Areal direkt beim Bahnhof entsteht», sagt Hüsler. Ebenfalls im August wird das Institut für Finanzdienstleistungen von Zug nach Rotkreuz übersiedeln. Somit entstehe ein einzigartiger Finanz- und Informatik-Campus, meint Hüsler.

Wie studiert es sich in Rotkreuz?

Beda Diggelmann studiert Wirtschaftsinformatik in Rotkreuz und wohnt in einem Wohnheim auf dem Suurstoffi-Areal in dem aktuell rund 50 Studenten hausen. «Die Wohnungen sind sehr modern, bestens ausgerüstet und bezahlbar», sagt Diggelmann. Er könne sich nicht über seine Wohnsituation beklagen. «Ein Vorteil ist, dass man schnell in der Natur ist, um zum Beispiel joggen zu gehen.»

«Es ist leider eher langweilig.»

Beda Diggelmann, Student Wirtschaftsinformatik

Das Studentenleben in Rotkreuz beschreibt er jedoch weniger positiv: «Es ist leider eher langweilig. Es gibt keinen Ausgang für Studenten beziehungsweise nur in den nächstgrösseren Städten», meint Diggelmann. Ausserdem seien die Zugverbindungen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag schlecht. Der Informatikstudent wünscht sich auch ein grösseres Freizeitangebot für die E-Sports-Community.

Hochschule Luzern in Rotkreuz
Die Studentenvereinigung «Stair» organisierte zum vergangenen Semesterabschluss ein Bierpong-Turnier. (Bild: stair.ch)

«Heimeliger und ruhiger als in Luzern»

Die Informatikstudentin Ramona Betschart meint: «Ich finde, dass der Campus in Rotkreuz für mich heimeliger und ruhiger ist als der Standort direkt am Bahnhof Luzern.» Dafür würde es «leider» weniger Verpflegungs- und Einkaufsmöglichkeiten geben als in der Stadt.

Da sie selbst in Luzern wohnhaft ist, nehme sie auch hauptsächlich dort an den Sportangeboten teil. «Für mich fehlt es aber an keinem Freizeitangebot auf dem Campus in Rotkreuz», sagt Betschart. Für gelegentliche Lernpausen gäbe es mit Wohnzimmer, Töggelikästen, Pingpongtisch und benachbartem Fitnesscenter genügend Möglichkeiten.

«Ich würde zum Beispiel Yoga-Stunden sehr schätzen.»

Ursulina Kölbener, Studentin Wirtschaftsinformatik

Ursulina Kölbener aus Appenzell Innerrhoden studiert in Rotkreuz Wirtschaftsinformatik. Ihr gefällt die zentrale Lage: «An einem Ort zu wohnen und zu studieren, finde ich sehr praktisch», meint Kölbener.

Jedoch würde sie eine Erweiterung der Freizeitangebote auf dem Campus begrüssen. «Ich würde zum Beispiel Yoga- oder Pilates-Stunden am Morgen oder über den Mittag sehr schätzen», sagt die Studentin.

«Es fehlen bezahlbare Wohnungen»

Kölbener ist zufrieden mit ihrer Wohnsituation in Rotkreuz. «Wir hatten Glück, in unserer WG klappt es wunderbar», sagt die Appenzellerin. Sie höre aber auch von Problemen in anderen WGs.

Unten Dienstleistung, oben Studentenwohnungen: In der Suurstoffi Rotkreuz setzt man auf Durchmischung.
Unten Dienstleistung, oben Studentenwohnungen: In der Suurstoffi Rotkreuz setzt man auf Durchmischung. (Bild: hch)

«Ich denke, es fehlen bezahlbare Wohnungen, die in Eigenregie zu Wohngemeinschaften umfunktioniert werden können», meint Kölbener. Die Wohnungen in der Suurstoffi werden vom Verein Juwo vermietet. Daher hätte man wenig bis keine Einflussmöglichkeiten auf die Mitbewohner.

«Es fehlen Angebote, welche am Abend zum Verweilen einladen.»

René Hüsler, Direktor des Departements Informatik

Beda Diggelmann denkt, dass es in Rotkreuz aktuell nicht an Behausungen fehlt. «Es wäre aber gut, wenn die Anzahl Studentenwohnungen im Verhältnis zu den immatrikulierten Studierenden wächst», meint der Wirtschaftsinformatikstudent.

Die Suurstoffi entwickelt sich weiter

Der Direktor des Departements Informatik René Hüsler weist darauf hin, dass in den kommenden Jahren 48 weitere Wohnplätze auf dem Campus eingerichtet werden. Der von den Studenten genannten Schwächen des Campus Rotkreuz ist sich Hüsler jedoch bewusst: «Es fehlen Angebote, welche den Studierenden am späteren Nachmittag und am Abend zur Verfügung stehen und diese zum Verweilen einladen.»

ochschule Luzern in Rotkreuz
Ein Packhack-Event auf dem Campus der Hochschule Luzern in Rotkreuz. (Bild: stair.ch)

Noch in diesem Jahr werde das Angebot in der Suurstoffi aber ausgebaut: «So ist bereits bekannt, dass ‹Hello World› im Sommer ein Restaurant eröffnet und Coop eine Filiale in der Suurstoffi plant.» Ausserdem werde das interne Verpflegungsangebot mit dem Neubau im Sommer 2019 erweitert. Hüsler meint ebenfalls, dass durch den Umzug die bestehenden Einkaufsmöglichkeiten in Rotkreuz näher zu den Studierenden rücken würden.

Betreffend günstigem Wohnraum abseits Wohngemeinschaften auf dem Campus sei man mit der Gemeinde in Austausch. Hüsler sagt diesbezüglich aber: «Letztlich liegt die Gestaltung der Wohnungspolitik jedoch in kommunalen Händen.»

Sportpark rückt näher an Campus

Der Gemeindeschreiber Ivo Krummenacher stellt fest: «Die Nachfrage nach Wohnungen in Rotkreuz ist nicht nur von Studentinnen und Studenten gross.» Nichtsdestotrotz empfehle die Gemeinde den Studenten, sich bei den Wohnungsvermietern zu melden und vorzusprechen. «Mit etwas Geduld lässt sich auch hier häufig eine Wohnung finden», findet Krummenacher.

So soll die Personenüberführung beim Bahnhof Rotkreuz aussehen. Links das «Suurstoffi»-Areal.
So soll die Personenüberführung beim Bahnhof Rotkreuz aussehen. Links das «Suurstoffi»-Areal, rechts der Sportpark. (Bild: zvg)

Die Zusammenarbeit im Bereich der Sportanlagen der Gemeinde Risch würde schon heute funktionieren. Krummenacher erklärt zudem, dass der Sportpark südlich der Gleise in Zukunft leichter zugänglich werde für die Studenten.

«In einem halben Jahr wird die neue Personenüberführung Ost, welche vom Sportpark zum neuen HSLU-Campus führt, in Betrieb genommen», sagt Krummenacher. «Dadurch werden die Wege zum Sportpark massiv verkürzt.»

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