Die Staatsanwaltschaft präsentierte an der Medienkonferenz sichergestellte Waffen. (Bild: les)
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Die Staatsanwaltschaft präsentierte an der Medienkonferenz sichergestellte Waffen. (Bild: les)

Immer mehr Luzerner bestellen illegale Waffen im Internet

3min Lesezeit

Die Luzerner Staatsanwaltschaft hat wegen grossen und komplexen Strafverfahren immer mehr Arbeit. Zudem legt sie in der kommenden Zeit einen stärkeren Fokus auf die Cyberkriminalität. «Ohne schnelles Handeln wird uns diese überrollen», befürchtet Oberstaatsanwalt Daniel Burri.

Die Arbeit bei der Staatsanwaltschaft Luzern hat im letzten Jahr nochmals zugenommen. Oberstaatsanwalt Daniel Burri präsentierte diesen Dienstag die Jahresstatistik 2018. Zwar war ein Rückgang der Falleingänge um sieben Prozent zu verzeichnen. Dies insbesondere, weil kleine Übertretungen im Massengeschäft zurückgingen.

Grosse und komplexe Strafverfahren sind dagegen angestiegen. Dies zeige sich in den Gerichtsfällen, die im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent zunahmen. Zudem weist die Staatsanwaltschaft in bedeutenden Deliktskategorien einen Fallanstieg aus: Bei den Gewaltdelikten (Leib und Leben) eine Zunahme um elf Prozent, bei den Vermögensdelikten eine Zunahme um 17,5 Prozent und bei den Drogendelikten eine Zunahme um 21 Prozent.

Waffenimport ist risikoreich

Im Jahr 2018 hatte sich die Staatsanwaltschaft Luzern mit 58 Fällen von illegalem Waffenimport zu beschäftigen. In diesen Fällen wurden ohne notwendige Bewilligung Waffen, Waffenbestandteile, Munition oder Munitionsbestandteile in die Schweiz eingeführt. Meistens handelt es sich hierbei um die Einfuhr von Softair-Guns, Schreckschusswaffen oder Spring- und Schmetterlingsmesser. 

Oberstaatsanwalt Daniel Burri präsentierte die Jahresstatistik 2018.
Oberstaatsanwalt Daniel Burri präsentierte die Jahresstatistik 2018. (Bild: les)

Die Waffen wurden beim Zoll sichergestellt. Gegen die Beschuldigten werden Strafuntersuchungen eröffnet, die in der Regel mit einem Strafbefehl abgeschlossen werden. Nebst hohen Kosten (Bussen, Geldstrafen und Gebühren) führen solche Verfahren bei einem Schuldspruch zu einem Eintrag ins Strafregister.

Die jüngste beschuldigte Person ist 12-jährig. Der älteste Besteller hat ein Alter von 70 Jahren. Das durchschnittliche Alter der fast ausschliesslich männlichen Täterschaft (56 von 58) liegt bei 33 Jahren. Insgesamt neun Personen mussten sich vor der Jugendanwaltschaft antraben. Rund 75 Prozent dieser Straftaten werden von Schweizern verübt.

Burri erklärt: «Das sind selten Personen, die kriminelle Absichten verfolgen.» Deshalb wolle er für dieses Thema sensibilisieren. Man müsse sich bewusst sein, dass es für den Waffenimport eine Bewilligung des Bundesamt für Polizei (Fedpol) braucht. 

Staatsanwaltschaft benötigt mehr Ressourcen

Die Staatsanwaltschaft beobachtet im Jahr 2018 eine besorgniserregende Entwicklung im Bereich der Cyberkriminalität. Insgesamt wurden 469 Fälle erfasst, in welchen mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien Delikte verübt wurden. Die Deliktsformen sind sehr unterschiedlich und reichen von Kinderpornografie, Handel mit Drogen und Waffen bis zu professionell organisierten Anlage- und Bestellungsbetrügen.

Die Staatsanwaltschaft Luzern will zeitnah die notwendigen Ressourcen aufbauen um gegen die virtuelle Kriminalität anzukämpfen. «Ohne schnelles Handeln wird uns die Cyberkriminalität überrollen», befürchtet Oberstaatsanwalt Daniel Burri.

Von den 469 Fällen musste ein Grossteil (310 Fälle) eingestellt werden, weil die Täterschaft nicht eruiert werden konnte. «Das ist unbefriedigend», konstatierte Burri. 

Um dagegen wirksam anzukämpfen, müssen nicht nur bei der Polizei, sondern auch bei der Staatsanwaltschaft die nötigen Ressourcen aufgebaut und bereitgestellt werden. Nötig sind vor allem spezialisierte Staatsanwälte und eine zeitgemässe Infrastruktur, wozu geeignete Arbeitsplätze und Arbeitsinstrumente zählen.

In einem neu lancierten Projekt Cyberkriminalität will die Staatsanwaltschaft in Zusammenarbeit mit der Luzerner Polizei diese Thematik aktiv angehen und den Handlungsbedarf gegenüber den politischen Behörden aufzeigen.

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