Werden rege genutzt, seit sie gratis sind: Die Leihvelos von Nextbike, hier an der Bruchstrasse. (Bild: jal)
Gesellschaft Verkehr

Werden rege genutzt, seit sie gratis sind: Die Leihvelos von Nextbike, hier an der Bruchstrasse. (Bild: jal)

Wie Zug verhindern will, dass plötzlich alle Mietvelos am Bahnhof stehen

6min Lesezeit

Anstelle des alten Veloverleihs kommen in Zug im Sommer zwei neue Anbieter nach Zug. Nextbike und Smide stellen Fahrräder zur Verfügung, die man abstellen kann, wo man will. Aber wie gelangen sie dorthin, wo man sie braucht?

Markus Mathis

«Wir freuen uns, den Sprung nach Zug zu machen – auch wenn uns ein System mit festen Stationen mehr entgegenkommen würde», sagt Urs Odermatt. Er ist Sprecher der Caritas, welche als Franchisenehmerin den Veloverleih von Nextbike in der Schweiz betreibt. Feste Abstellplätze bedeuten weniger Aufwand beim Unterhalt der Velos. Die Verleiher brauchen die Fahrzeuge nicht aus den entferntesten Ecken der Stadt zusammenzusuchen.  

In Luzern etwa, wo Nextbike derzeit ebenfalls Mietvelos anbietet, setzt man auf ein solches Stationensystem. Weil die Stadt Luzern Chaos verhindern will. Weil beim sogenanntes Freefloating die Radler nämlich ihre Mietvelos abstellen können, wo sie wollen. Und am Ende mehr oder weniger alle Drahtesel an einzelnen Brennpunkten, wie etwa dem Bahnhof, stehen.

Dieses System hatte in Zürich für Ärger gesorgt, als der chinesische Anbieter O-Bike die Stadt vorübergehend mit Leihvelos überschwemmte. 

Abstellen, wo immer man Lust hat

In der Stadt Zug indes ist die Möglichkeit zum Freefloating sogar Voraussetzung dafür, dass die beiden Anbieter Nextbike und Smide die Bewilligung erhalten, ab kommendem Sommer jeweils bis zu 200 Mietvelos zu platzieren (zentralplus berichtete).

Die Frage bleibt indes, wie man die Velos vom Bahnhof weg bringt und über das Stadtgebiet verteilen kann, damit überall genügend Velos zur Verfügung stehen. «Wir wenden mit Nextbike ein Mischsystem an», sagt Urs Odermatt. Dafür müsse die Caritas ihre Velos für Zug extra mit anderen Schlössern ausstatten. 

Menschen arbeiten für Nextbike

Befinden sich zu viele Velos in einem Areal, müssen einzelne umplatziert werden. Nun setzt die Caritas beim Veloverleih neben der Nextbike-Technologie vor allem auf Reintegration von Menschen. Der Unterhalt der vorerst 100 Siebengänger wird durch Erwerbslose in Beschäftigungsprogrammen erledigt und somit sinnstiftende Arbeit vermittelt.

In Zug will sie die Arbeit vor Ort durch eine Einrichtung der Gemeinnützigen Gesellschaft, nämlich GGZ@Work erledigen lassen. Sie hatte schon beim Veloverleih des Vereins für Arbeitsmarktmassnahmen (VAM), der bis 2018 in Zug und Baar existierte, den Unterhalt der Fahrzeuge übernommen. Dies bestätigte auch Barbara Lang, Marketingleiterin bei GGZ@Work. Man führe noch Gespräche über den genauen Inhalt und den Umfang der Zusammenarbeit.

Feste Ausleihpunkte für Aussengemeinden

Anders als in Zug will die Caritas die Nextbikes in den umliegenden Gemeinden dereinst nicht im Freefloating-System anbieten. «Wir setzen dort vermutlich eher auf virtuelle Ausleihstationen», sagt Odermatt. Die Gemeinden der Lorzenebene und des Ennetsees haben nämlich Nextbike und Smide ebenfalls Bewilligungen in Aussicht gestellt, sodass man mit dem Mietvelo beispielsweise von Baar nach Rotkreuz fahren kann. 

Stehen die Nextbikes in Steinhausen oder Cham an festen Ausleihpunkten, entfällt für Nextbike die Notwendigkeit zum Umplatzieren der Fahrräder. 

Technologische Anreize bei Smide

Anders löst die Herausforderung der andere Anbieter, Smide. Er will im Sommer mit vorerst 50 bis 100 E-Bikes in Zug an den Start. Man sei 2016 als erster Freefloater gestartet und habe in Zürich und Bern, wo man bereits vertreten ist, nie ein Problem damit gehabt, sagt Tom Lehmann, Leiter für den Schweizer Markt. Denn Smide setzt auf Anreize. Möchte ein Unternehmen beispielsweise immer Miet-E-Bikes in der Nähe haben, platziert man dort Ladestationen. 

Und wie gelangen die Bikes dorthin – oder in Gegenden, wo es zu wenig Bikes gibt? «Wir unterhalten ein Bonussystem», sagt Lehmann.  «In Zürich und Bern gibt es Studenten, die sich die Benützung unserer E-Bikes finanzieren, indem sie Bikes dorthin fahren, wo es zu wenige gibt.» Sie erhalten dafür Zeitguthaben gutgeschrieben. 

Regelmässige Wartung und Kontrolle 

«Rebalancing», wie das Umparkieren der Velos genannt wird, sei bei Smide nicht mötig, sagt Lehmann. «Dank den intelligenten Algorithmen und dem Anreizsystem sorgten die Kunden dafür, dass die Bikes dort stehen, wo die Nachfrage hoch ist.» Hingegen würden die E-Bikes regelmässig von einem Bewirtschaftungsteam gewartet, welche die Bikes aufspürt und Reifen oder etwa den Akku überprüft. Auch dafür werden offenbar Gespräche mit der GGZ@Work geführt. Man prüft, ob nützliche Synergien bestehen. 

Kein Gratis-Verleih mehr

Eine offene Frage sind noch die Kosten des Veloverleihs. Während der alte VAM-Veloverleih in Zug und Baar für die Mieter kostenlos war, verlangen Nextbike und Smide für Veloausleihen im Prinzip Gebühren, welche auf ihren Homepages einsehbar sind.

Ausser eben, sie können einen Deal mit den Gemeinden machen, in denen sie Mietvelos anbieten. Gemeinden mit dem Label Energiestadt beispielsweise offerieren den Dienst ihren Einwohnern gratis, indem sie den Nextbike-Betreibern Beiträge überweisen.

Zug ist zu klein

«Dank dieses Mechanismus und dem Label Energiestadt konnten wir zuletzt etwa im Engelbergeraatal Fuss fassen», erzählt Odermatt. Nextbike ist neben Nidwalden bisher in den Kantonen Luzern, Obwalden und Schwyz vertreten. 

Bei Smide mit seinen bis 45 Stundenkilometern schnellen E-Bikes ist man aus einem anderen Grund zu Verhandlungen gezwungen. «Zug ist eigentlich zu klein, um ein Freefloating-System rentabel zu betreiben», sagt Tom Lehmann. Damit das Geschäft funktioniere, brauche die Stadt eine gewisse Grösse und die Siedlungen eine gewisse Dichte, welche die kleine Agglomeration aber nicht aufweist.  «Deswegen streben auch wir analog wie Nextbike an, dass wir von den Energiestädten mit einem Beitrag unterstützt werden. Zusätzlich suchen wir das Gespräch mit lokalen privaten Unternehmen für Kooperationen oder Sponsoring.»

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