Astra-Direktor Jürg Röthlisberger will beim Bypass aufs Gaspedal drücken. (Bild: bic)
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Astra-Direktor Jürg Röthlisberger will beim Bypass aufs Gaspedal drücken. (Bild: bic)

Bund macht beim Bypass-Luzern vorwärts – auch ohne Spange Nord

6min Lesezeit

Der Bund will beim Bypass Luzern vorwärtsmachen. Die nächsten Schritte und neue Details präsentiert er am Donnerstagabend in Emmenbrücke. Interessant: Der Fahrplan wird eingehalten, egal ob die Spange Nord je gebaut wird. In Bern ist man sich jedoch sicher, dass sie dereinst kommt. 

Bundesbern tritt beim Gesamtsystem Bypass Luzern aufs Gaspedal. Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamtes für Strassen, informiert am Donnerstagabend im Beisein des Luzerner Baudirektors Robert Küng (FDP) in Emmenbrücke Vertreter aus Behörden, Politik, Verbänden und Quartiervereinen über die nächsten Schritte beim Jahrhundertprojekt.

Zentral ist dabei auch die Frage, inwiefern das weitere Vorgehen mit dem Teilprojekt Spange Nord zusammenhängt. Über die möglichen Varianten von deren Streckenführung wurden die Anwohner der geplanten Achse letzten Donnerstag in Kenntnis gesetzt (zentralplus berichtete). 

Kein Warten auf die Spange

Das Astra macht klar, dass es an seinem Fahrplan festhält. Egal, wie schnell eine allfällige Realisierung der Spange möglich ist. Denn das Bypass-Projekt sei aufwärts kompatibel aufgegleist, was auch eine spätere Realisierung der Spange Nord möglich mache.

Sollte dieser Fall eintreten und der Bypass ohne die Spange in Betrieb gehen, käme es während der Spitzenzeiten jedoch zu Kapazitätsproblemen bei den Autobahnanschlüssen Luzern-Zentrum und Luzern-Kriens, so das Bundesamt.

Die volle Wirkung des Gesamtsystems Bypass könne also nur erreicht werden, wenn gleichzeitig zu dessen Eröffnung auch die Spange Nord in Betrieb genommen werden kann, hält das Astra fest. «Der Bund geht derzeit davon aus, dass die Spange in irgendeiner Form realisiert werden wird», heisst es aus Bern. Sollte dies aber nicht der Fall sein, wäre das zwar sehr bedauerlich, man müsste sich aber halt damit abfinden.

«Die Spange muss letzlich vor der Demokratie bestehen», sagt Röthlisberger. Eine kleine Entlastung im Raum Luzern würde es aber auch ohne den Zubringer geben. Dies aber hauptsächlich auf der Autobahn und nicht wie angestrebt auf den regionalen Strassen. «Dies hätte Auswirkungen auf die Erreichbarkeit der Region, die sich auch für den öV verschlechtern könnte», führte Röthlisberger aus.

«Es ist bei allen Projekten dieser Art so, dass es auch auf Ebene Kanton Teilprojekte umgesetzt werden müssen, damit ein Gesamtsystem funktioniert», erklärte Astra-Direktor Röthlisberger. Es komme deshalb vor, dass nicht immer alles gleichzeitig bereit sei. Damit bekräftigt Röthlisberger wiederholt, dass er wenig von der ablehnenden Haltung der Stadt Luzern gegenüber der Spange hält (zentralplus berichtete).

Ständig wechselnde Verkehrsführung

Aktuell beschäftigt sich das Astra mit dem sogenannten Ausführungsprojekt. In dieser Phase geht es auch darum, Einsprachen zum Bauvorhaben zu bereinigen. «Zurzeit gehen wir davon aus, dass es ein paar Einsprachen werden gibt», so Röthlisberger. Weiter ist das Bundesamt dabei, die benötigten Flächen und deren Nutzungsrechte dauerhaft und temporär zu erwerben. Diese Projektphase soll 2023 abgeschlossen sein.

In einer nächsten Phase wird sich das Astra an die Ausarbeitung des Detailprojektes machen. Dazu gehört auch die Planung von verschiedenen Verkehrsregimen, die jeweils an die entsprechenden Bauarbeiten angepasst werden. Nicht weniger als siebenmal werden sich die Autofahrerinnen während der Bauzeit an eine neue Situation gewöhnen müssen.

Über 4 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial

Wenn diese Projektphase spätestens 2026 abgeschlossen sein soll, werden die einzelnen Ausbauschritte ausgeschrieben und die Verträge mit den Baufirmen ausgehandelt. Bis maximal 2028 soll dies dauern.

Danach können endlich die Baumaschinen auffahren. Das Astra rechnet mit einer Bauzeit von rund 12,5 Jahren.Ziel ist eine Eröffnung um 2035. Für die Spange, sollte sie tatsächlich realisiert werden, geht man beim Bund je nach Variante von gut dreieinhalb Jahren Bauzeit aus.

Insgesamt werden für die neuen Tunnel bei Rathausen und den Bypass rund 4,45 Millionen Tonnen Gestein ausgebrochen. Davon werden 0,57 Millionen Tonnen direkt innerhalb des Projektes wiederverwendet. 3,88 Millionen Tonnen werden per Bahn und LKW abtransportiert.

Drei Teilprojekte in und um Luzern

Das Gesamtsystem Bypass basiert auf vier Teilprojekten. Eines davon ist der Ausbau Nord. Dabei ist eine dritte Röhre beim Rathausentunnel vorgesehen. Dazu gehört auch eine Aufwertung der Landschaft im Bereich des Portals auf der Seite Ibach (siehe Bild).

Das zweite Teilstück ist ein neuer Tunnel vom Gebiet Ibach bis zum Grosshof in Kriens. Es ist das eigentliche Herzstück des Projektes. Der Transitverkehr wird unterhalb der Kehrichtverbrennungsanlage in zwei richtungsgetrennte, je zweispurige Tunnels geführt, während der Nahverkehr wie gehabt den Weg durch den Reussportunnel nimmt und so auch auch die Ausfahrt Luzern-Zentrum benutzen kann. Insgesamt wird die Strassenfläche in Richtung Kehrichtverbrennungsanlage verbreitert.

Im Gebiet Ibach wird der Transitverkehr in den unterirdischen Tunnel geleitet. Der Nahverkehr verkehrt weiterhin oberirdisch durch den Reussporttunnel.
Im Gebiet Ibach wird der Transitverkehr in den unterirdischen Tunnel geleitet. Der Nahverkehr verkehrt weiterhin oberirdisch durch den Reussporttunnel. (Bild: Visualisierung Astra)

Das dritte Kernstück sind die geplanten Grosshofbrücken beim Südportal des Sonnenbergtunnels. Damit soll die Autobahn im Gebiet Kupferhammer/Grosshof auf rund 70 Metern gedeckt werden. Auf dem Dach soll eine Naherholungszone entstehen, die eine Direktverbindung von der Stadtebene ins Sonnenbergquartier schaffen soll. Zudem könnte eine 200 Meter lange Überdachung im Bereich der Arsenalbrücke entstehen (zentralplus berichtete).

Dies soll dazu beitragen, den aufgrund des Spurausbaus entstehenden zusätzlichen Lärm zu reduzieren. Zudem wird zwischen den Verzweigungen Lopper und Rotsee künftig Tempo 80 gelten. «Dies geschieht aber in erster Linie aus Sicherheitsgründen, wird aber sicher auch den Lärm verringern», erklärte Projektleiter Thomas Kloth.

Unter der Brücke sollen neue Nutzungsmöglichkeiten wie beispielsweise eine Skate-Anlage entstehen. Die Stadt Kriens sei nun aufgefordert, verschiedene Nutzungsmöglichkeiten vorzuschlagen und zu prüfen, so das Astra.

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