Erregen Aufsehen: geräucherte Cocktails in der Gütsch-Bar. (Bild: jwy)
Gesellschaft Essen und Trinken

Erregen Aufsehen: geräucherte Cocktails in der Gütsch-Bar. (Bild: jwy)

Wenn Drinks «KO-Süppchen» heissen, kommt man besser zu Fuss

6min Lesezeit

In Luzern findet zurzeit die erste Cocktail-Week statt. Wir haben uns deshalb nach Feierabend durch fünf Bars getrunken und dabei rauchende Drinks, Vorspeisen im Glas und botanische Cocktails probiert. 🍸🍹

Mit der Cocktail-Week steht Luzern plötzlich auf einer Stufe mit Paris, New York und London. Dort gibt es bereits solche Anlässe. Nun haben sich auch Luzerner Gastronomen zusammengetan und die erste Cocktail-Woche ins Leben gerufen (siehe Box). Von Mittwoch bis Freitag kann man sich durch die Kreationen der «Mixologen» – so werden die Barkeepers genannt – trinken.

Mit dabei sind in Luzern fünf Bars: Capitol, Gütsch, Karel Korner, Kaspar und Nachbar – alles praktischerweise in Fussdistanz. Das Angebot wechselt von Abend zu Abend, es gibt mal geräucherte Drinks, mal eine Negroni-Nacht, Gast-Bartenders oder Vintage-Drinks.

Also haben wir uns am Mittwoch nach Feierabend zu einer Bartour aufgemacht, erste Station: die Gütsch-Bar, die sonst eher nicht auf unserem Radar liegt. Nebst vielen anderen Köpfen auf den Ölgemälden schaut auch Michael Jackson auf uns herab. Der Bartender empfiehlt uns seine Kreationen «Up in Smoke», die an diesem Abend auf der Karte stehen.

Der «Triple Coffee Cask» und der «Smoky Old Fashioned», beide mit Whiskey, präsentieren sich instagramtauglich unter einer qualmenden Kuppel. Mutig, mit diesen charakterstarken Getränken in den Abend zu starten. Als Kontrast bietet sich ein Marshmallow an, das man selber mit einem Gasbrenner caramellisieren kann.

Ein Marshmallow zum Drink? Das gibt's in der Gütsch-Bar.
Ein Marshmallow zum Drink? Das gibt’s in der Gütsch-Bar. (Bild: jwy)

Vorspeise im Glas

«Schmeckt’s?» – dass man beim Nippen am Cocktail wie bei einem Nachtessen nach dem Befinden gefragt wird, mag überraschen. Aber erstens sind das auch kulinarische Kreationen und zweitens bewegen wir uns ja preislich auf Vorspeiseniveau.

Cocktail-Week

Die Lucerne Cocktail-Week geht am Donnerstag, 8. und Freitag, 9. November ab 17 Uhr weiter. Jede der fünf Bars – Capitol, Gütsch, Karel Korner, Kaspar und Nachbar – serviert Drinks zu einem speziellen Thema. Die Cocktailszene in Luzern sei zwar noch klein, aber stetig am Wachsen, so die Organisatoren. «Das Niveau ist im Vergleich zu früheren Jahren erheblich gestiegen.» Es werde weniger, dafür bewusster konsumiert – auf diesen Trend will die Cocktail-Week aufspringen.

Zur Vorspeise passt die zweite Station: Kaspar an der Hirschmattstrasse, wo eine «Liquid Kitchen» auf der Karte steht. Sozusagen ein flüssiger Dreigänger. Am Mittwoch wird das Entrée serviert, wer den Hauptgang probieren möchte, kann das am Donnerstag tun. Am Freitag wartet das Dessert.

Wir entscheiden uns für «Roter Alarm» (Psst: Geheimtipp!), «KO-Süppchen» und «Fashioned3». Ersterer begeistert mit seinem Wasabischaum, Zweiterer mit allerlei Gemüse und der Dritte ist quasi ein dreiteiliges Do-it-yourself-Kit, was den Spieltrieb unseres Redaktors befeuerte und ihn zu einer weiteren Bestellung verlockte. Nichts da, wir haben noch viel vor.

Zum selber mixen: Im Kaspar gibt's eine «Liquid Kitchen».
Zum Selbermixen: Im Kaspar gibt’s eine «Liquid Kitchen». (Bild: jwy)

«Whoop Whoop»

Für den dritten Cocktail wollen wir Weltklasse schnuppern, mit dem Österreicher Andy Walch steht der Barkeeper-Weltmeister von 2015 hinter dem Tresen der Capitol-Bar. Seine Kreationen heissen «Whoop Whoop», «Mexico meets Lucerne», «Verbena Paloma» oder «Talisker Spiced Apple». Auch hier: eine Pracht fürs Auge, eine Ode an den Gaumen, auch wenn der Lebkuchensirup im Drink schon recht gewöhnungsbedürftig ist.

Aber erstens wollen wir heute mutig und offen sein und zweitens senkt es die Hemmschwelle, auch künftig mal etwas Ungewohntes zu bestellen. Die Stimmung: Weltklasse, Zustand: leicht beschwipst, unser Ziel: in Griffweite.

Der ehemalige Weltmeister hinter der Bar:

 

Klassisch und anspruchsvoll

Mut beweisen wir auch in der Nachbar, wo es als Nächstes hingeht und «Old School vs. New School» auf dem Programm steht. Old Fashioned steht auf der Karte, der Klassiker, der dank Don Draper aus der TV-Serie «Mad Men» ein Revival erlebt.

Und in der Nachbar auch ein Redesign. Den Drink gibt es nicht nur mit Whiskey, sondern in Varianten mit Tequila, Rum oder Vodka. Der «Mariachi» mit einem Tequila-Gelée bietet ein anspruchsvolles Trinkvergnügen, das eine Einführung des Barkeepers beinhaltet, dessen Wertschätzung man aber auf sicher hat.

Weiter stehen ein «Monkey» (mit Rum und Kirschenholzrauch) und ein «Little Italy» (Vodka, Kaffee und Amarettoschaum) auf unserem Tisch. Harte Geschmäcker, scharfe Kontraste – hier geht’s an den anderen Tagen übrigens mit Negroni und Sours weiter.

Old Fashioned: Unsere Cocktails in der Nachbar.
Old Fashioned: Unsere Cocktails in der Nachbar. (Bild: jwy)

Es grünt

Apropos weiter: Wir zielen die letzte Station an, den Karel Korner, der zur späten Stunde noch erstaunlich gut gefüllt ist. Das «Botanical Experience» wollen wir uns nicht entgehen lassen. Allerlei Grünzeugs dekoriert den Raum und die Karte steckt in einem Buch.

Was im Gütschwald begonnen hat, endet hier im Gestrüpp. Wir bestellen «Aviation» (Veilchenlikör!), «Gin Gin Mule», «Sage Old Buck» (u.a. mit Birnenlikör und Salbei) und «Brudermord» (u.a. Agavendicksaft und Eiweiss).

Eine gute Wahl zum Abschluss, finden wir und stossen nicht ohne Stolz auf unsere Bilanz an: 5 Stunden, 5 Bars, 1 prächtige Stimmung. 🍸🍹

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