Jungunternehmer können sich am «Innovatis Day» mit Experten austauschen.
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Jungunternehmer können sich am «Innovatis Day» mit Experten austauschen.

Kann ein Tattoo-Entfernungs-Pflaster in 3 Minuten Investoren überzeugen?

7min Lesezeit

An der Industriestrasse fand diesen Freitag das erste Mal der «Innovatis Day» statt. Der Anlass soll Jungunternehmer fördern und zum Austausch untereinander und zur Vernetzung mit Experten beitragen. In einem Start-up Pitch-Contest präsentierten Jungunternehmer ihre Projekte – nicht ohne Hintergedanken.

Sara Hensler

Diesen Freitag startete die erste Runde des «Innovatis Day». Jungunternehmer, denen es an Vernetzung, einer Plattform oder auch nur Startkapital fehlt, trafen bei diesem Event aufeinander und vor allem auf Experten. Auf dem Programm standen verschiedene Talks, Präsentationen der Jungunternehmer selbst, Podiumsdiskussionen, aber auch genügend Zeit, um sich auszutauschen.

Während beim Eingang noch die braunen Blätter weggewischt wurden, waren drinnen bereits die Getränke kühlgestellt und die Stände mit dazugehörigen Flyern ausgestattet. Zu Beginn hat man sich vor allem kollegial ausgetauscht und vorgestellt, kurz darauf folgte eine kurze Begrüssung. Erst da zeigte sich, wie viele tatsächlich gekommen waren. Zwar nicht alle der aufgestellten Stühle, aber die meisten der Plätze waren besetzt.

«Wir brauchen noch einige 10’000 Kunden und nach der ersten Phase streben wir einen sechsstelligen Kundenbereich an.»

Michael Noorlander, einer der Jungunternehmer am «Innovatis Day» in Luzern

Doch von nun an waren besonders die Jungunternehmer gefragt. Sie hatten jeweils nur drei Minuten Zeit, um auf der Bühne das Publikum und die darin sitzende Jury von ihrem Projekt zu überzeugen. Die Jury bestand dabei aus Investoren aus verschiedenen Bereichen. Dem Gewinner winken vielversprechende Preise. Von einem Preisgeld in der Höhe von 1’000 Franken über verschiedene Coachings und Beratungen von Experten kann für ein halbes Jahr ein kostenloser Coworking-Space im Hirschengraben benutzt werden.  

Die Jungunternehmer präsentieren ihre Start-ups

Es startete Michael Noorlander, Mitentwickler der Konto-App «neon», mit der man kosten- und papierlos ein Bankkonto eröffnen und seine Zahlungen verwalten kann. Sein Team hat bereits eine erfolgreiche Finanzierungsrunde hinter sich, womit sie ihre App entwickeln und verfeinern konnten. Und dennoch stehen sie erst noch in der Startphase: «Wir brauchen noch einige 10’000 Kunden und nach der ersten Phase streben wir einen sechsstelligen Kundenbereich an», sagt Noorlander zuversichtlich und beantwortete nach seiner Kurzpräsentation souverän die anschliessenden Fragen aus der Jury. 

 

Der erste «innovatis day»
Der erste «Innovatis Day» ging diesen Freitag in die erste Runde.

Sowohl stilistisch als auch thematisch ging es nach rund fünf Minuten in die zweite von insgesamt sieben Runden. Locker und «easy going», dafür mit vielen Powerpoint-Slides präsentierte Joel Mauch sein Projekt «neardoo». Zusammen mit zwei Kollegen entwickelt er eine Website, anhand derer man gefiltert Partys, Konzerte, Kulturveranstaltungen und anderes in seiner Nähe und auf einen zugeschnitten ganz einfach finden kann. 

«Zwar gibt es bereits andere Websites wie Facebook, die einem Veranstaltungen vorschlagen, aber eine Suche mit Filternavigation gibt es noch nicht. Ausserdem wird der Algorithmus die eigenen Daten und Koordinaten erfassen und so Veranstaltungen in seiner Nähe vorschlagen», so Mauch. Um die anfallenden Kosten decken zu können, würden zwischen 100’000 und 150’000 Franken benötigt. 

Joel Mauch stand als einer der Jungunternehmer auf der Bühne und präsentierte seine Website «neardoo».
Joel Mauch stand als einer der Jungunternehmer auf der Bühne und präsentierte seine Website «neardoo».

Erstaunlich untätowiert betrat etwas später Robertino Engel die Bühne. Erstaunlich deshalb, weil er die erste seiner drei zur Verfügung stehenden Minuten der Präsentation über Tätowierungen referiert. Doch bald wird klar: Es geht nicht um Tattoos selbst, sondern um deren Entfernung. Der gelernte Sportwissenschaftler ist an der Entwicklung eines Pflasters beteiligt, das die Körperkunst zum Verschwinden bringen soll. «Fast jeder Vierte, der sich hat tätowieren lassen, leidet unter sogenanntem Tattoo-Regret, sie bereuen also ihr Tattoo», sagte Engel und präsentiert danach das Konzept eines Pflasters, das mit Mikronadeln ausgestattet ist, um dadurch die Farbpartikel aus der Haut zu saugen. Was schmerzhaft klingt, soll laut Engel absolut schmerzfrei sein: «Die Nadeln am Pflaster sind viel zu dünn, um gespürt zu werden.»

«Mit einem neuen System erobern wir den Kunstmarkt.»

Florian Rieder, Jungunternehmer

Künstlerisch geht es in eine weitere Runde. «Mit einem neuen System erobern wir den Kunstmarkt», startete Florian Rieder seine dreiminütige Präsentation. Das Start-up «Network of Arts» (NoA) bringt Unternehmen mit meist jungen Künstlern zusammen. So können fürs eigene Geschäft für einige Monate die Werke von Künstlern gemietet und in den eigenen Räumlichkeiten aufgehängt werden (zentralplus berichtete). «Rund 200’000 Franken werden gebraucht, wovon rund 50’000 bereits aufgetrieben werden konnten. Investoren in diesem Umfeld sind jedoch schwer zu finden», meint Rieder. 

Wichtige Plattform für Jungunternehmer

Für ihn und auch die anderen Start-ups scheinen deshalb Anlässe wie der «Innovatis Day» eine gute und wichtige Plattform, um an Geldgeber zu gelangen und weitere Kontakte zu knüpfen. Das bestätigt auch Andreas Seeholzer, einer der Veranstalter des Anlasses. «Für Jungunternehmer gibt es mit Ausnahme des Smart-up der HSLU nichts, das eine Plattform und Austauschmöglichkeit bietet.» Deshalb stellte er, als Teil des «Innovatis Club», dieses Event auf die Beine. «Ausserdem treffen wir uns einmal im Monat zum Networken oder gehen zusammen Firmen anschauen. Das letzte Mal waren wir zum Beispiel beim Luzerner Bier zu Besuch.» Der «Innovatis Day» soll von nun an jährlich stattfinden und zur weiteren Vernetzung beitragen. 

Sie stehen als «innovatis club» hinter dem «innovatis day» (von links): Patrick Breiter, Daniel Hofmann, Marvin Felder, Andreas Seeholzer, Simon Funk, Valentina Wetter, Pascal Arnold, Michael Breiter. (Foto: sah)
Sie stehen als «Innovatis Club» hinter dem «Innovatis Day» (von links): Patrick Breiter, Daniel Hofmann, Marvin Felder, Andreas Seeholzer, Simon Funk, Valentina Wetter, Pascal Arnold, Michael Breiter. (Foto: sah)

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