Plötzlich ohne fixe Radarüberwachung: der Zebrastreifen in Cham an der Sinserstrasse, den täglich Hunderte von Schülern aus dem Röhrliberg überqueren. (Bild: woz)
Gesellschaft Verkehr

Plötzlich ohne fixe Radarüberwachung: der Zebrastreifen in Cham an der Sinserstrasse, den täglich Hunderte von Schülern aus dem Röhrliberg überqueren. (Bild: woz)

Nun sind sie alle weg: die Radarkästen im Kanton Zug

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Die Zuger Polizei hat – wie angekündigt – jüngst sämtliche fest installierten Radargeräte in Zug entfernt. Grund: Die Ordnungshüter verfügen nun bekanntlich über drei semistationäre Blitzer, die jede Woche irgendwo anders im Kanton aufgestellt werden, um die Geschwindigkeit der Autofahrer zu kontrollieren. Aber wie ist es jetzt um die Sicherheit der plötzlich blitzerfreien Standorte bestellt?

Wolfgang Holz

«Das ist eine Sauerei, dass der Blitzkasten an der Sinserstrasse abgebaut wurde», ärgert sich ein Chamer gegenüber zentralplus. Denn an diesem Standort befinde sich ein Zebrastreifen, über den viele Schüler täglich Richtung Röhrliberg gehen.

«Ich weiss nicht, ob ich an den Kanton einen Brief schreiben soll. Denn mich interessiert schon, wie jetzt die Sicherheit der Schüler beim Fussgängerübergang in Zukunft garantiert wird», fragt sich der Anwohner der Sinserstrasse.

«Da geben die Autofahrer dann wieder richtig Gas.»

Chamer Anwohner

Sagt’s und versichert, dass an seinem Haus an der Sinserstrasse, das nur rund zweihundert Meter vom bislang radarüberwachten Zebrastreifen entfernt liegt, Autos oft mit 70 bis 80 Stundenkilometern Richtung Bärenkreisel brausen würden. «Da geben die Autofahrer dann wieder richtig Gas. Vielleicht sollte man über Schwellen nachdenken, um die Sicherheit zu erhöhen.»

Plötzlich kein Hotspot mehr?!

Auch andere Anwohner an der Sinserstrasse sind nicht «amused» über das Abmontieren der fixen Radaranlage in Cham. «Das wird jetzt sicher nicht besser mit der Sicherheit an diesem Ort», sagt eine Frau. Vor allem sei nicht zu begreifen, warum dieser Ort, an dem man jahrelang zum Schutz der Schüler einen Blitzer aufgestellt habe, nun plötzlich kein «Hotspot» mehr sein soll. «Denn es ist klar: Man kann hier nicht täglich eine mobile Anlage aufstellen.»

Auch einem älteren Herrn, der gerade seinen Briefkasten leert, wäre es lieber gewesen, man hätte den Blitzer stehen lassen. «Ich habe noch gar nicht bemerkt, dass er nicht mehr da ist», sagt er und schaut verwundert gen Zebrastreifen.

Steinhausen, Cham, Buonas – alle fixen Blitzer sind weg

Fakt ist: Was vor längerer Zeit von der Zuger Sicherheitsdirektion angekündigt wurde, ist nun endgültig umgesetzt worden. Die festen Radarkästen, die noch im Kanton Zug gestanden haben, sind alle abmontiert worden. Das betrifft, wie angesprochen, etwa die Sinserstrasse in Cham. Ebenso wie die Holzhäusernstrasse in Buonas – wo ebenfalls ein Zebrastreifen durch einen fixen Blitzer geschützt wurde. Auch in der Blickensdorferstrasse in Steinhausen fällt die stationäre Radaranlage weg.

Solche oder ähnliche fixen Radaranlagen gibt es jetzt nicht mehr im Kanton Zug.
Solche oder ähnliche fixe Radaranlagen gibt es jetzt nicht mehr im Kanton Zug. (Bild: wia/ Fotolia)

Sandra Peier, Sachbearbeiterin Kommunikation der Zuger Polizei, bestätigt: «Letzte Woche sind diese letzten drei Festanlagen abgebaut worden. Die abgebauten Radaranlagen werden nicht mehr in Betrieb genommen – auch nicht an neuen Standorten. Diese werden durch die drei semistationären Anlagen ersetzt.»

«Ziel der Geschwindigkeitskontrollen der Zuger Polizei ist die Verkehrssicherheit.»

Sandra Peier, Sachbearbeiterin Kommunikation der Zuger Polizei

Aber wie will die Zuger Polizei nun die Sicherheit an diesen blitzerfreien Standorten garantieren? Wie die Erfahrung zeigt, sind viele Zuger Autofahrer an diesen Standorten automatisch langsam gefahren, weil sie von der Blitzergefahr wussten – selbst wenn gar nicht alle Radaranlagen immer «scharf» waren. Zumeist wurden nur auswärtige Autofahrer mit zu hohem Tempo erwischt, weil sie nicht ortskundig waren. Kontrolliert also die Zuger Polizei nun vermehrt mit den drei mobilen Anlagen, um zu schnelle Autofahrer zur Räson zu bringen?

Bürgeranliegen können bei Tempokontrollen berücksichtigt werden

«Ziel der Geschwindigkeitskontrollen der Zuger Polizei ist die Verkehrssicherheit», sagt Sandra Peier. Mit den semistationären Anlagen könne die Polizei Schwerpunkte setzen und flexibler auf dem ganzen Kantonsgebiet agieren. Ziel sei es, nicht darauf zu warten, bis sich ein Unfallschwerpunkt bildet, sondern frühzeitig und präventiv zu reagieren. «So können die Anlagen punktuell bei Unfallhotspots, sensiblen Strassenabschnitten wie Schulwegen und Ähnlichem eingesetzt werden», so Peier weiter.

«Es kam zu keinem Anstieg von Verkehrsunfällen.»

Sandra Peier

Auch können berechtigte Bürgeranliegen von der Zuger Polizei in Sachen Tempokontrollen berücksichtigt werden. «Alles ist jedoch abhängig davon, ob wir gemäss den Vorschriften über die Geschwindigkeitskontrollen überhaupt ein Gerät einsetzen können», erklärt Peier. Auch hängt dies davon ab, ob uns Private ihren Grund und Boden für Kontrollen zur Verfügung stellen.»

In Hünenberg wurde Radaranlage abgesägt – und jetzt?

Gibt es denn Erfahrungswerte in Zug, was an Standorten in puncto Geschwindigkeitsverhalten der Autofahrer und Sicherheit passiert, wo fixe Radaranlagen abgebaut wurden? Am Ortseingang von Hünenberg steht ja schon längere Zeit keine feste Radaranlage mehr. Diese wurde als erste im Kanton abgebaut, nachdem die Zuger Polizei auf semistationäre Blitzer umgestellt hat.

«Es kam zu keinem Anstieg von Verkehrsunfällen», sagt Peier zwar. Aber die Strassenanlage beziehungsweise die Verkehrsführung habe sich durch die heutige Buswendeschleife, die vor der ehemaligen Messstelle liegt, verändert. «Bei Strassenbauprojekten werden die Aspekte der Unfallverhütung immer miteinbezogen.»

Haben die fixen Radaranlagen zu wenig Geld in die Staatskasse gespült?

700’000 Franken: So viel brachte eines der neuen mobilen Radargeräte der Zuger Polizei 2016 an Bussgeldern ein. Was die Autofahrer ärgert, freut die Staatskasse: Mit 1,7 Millionen Franken Mehreinnahmen rechnet man in Zug jährlich. Bis zu sechs Millionen Franken an Verkehrsbussen sind im vergangenen Jahr im Kanton Zug budgetiert worden – wobei ein grosser Teil davon aus den Radarbussen resultiert (zentralplus berichtete). Durch diese Gelder wird die Staatskasse immer wieder kräftig alimentiert.

Nur noch Elektronikschrott

Haben die alten Blitzer womöglich als «Cash-Maschinen» ausgedient, weil sie zu wenig an Bussengeldern abgeworfen haben? Sandra Peier von der Zuger Polizei sagt adzu lediglich: «Wie in der polizeilichen Statistik Sicherheit im Kanton Zug von 2017 ausgewiesen ist, wurden bei Geschwindigkeitskontrollen insgesamt 97'340 Ordnungsbussen ausgestellt.» Es handle sich dabei um die Gesamtzahl der Geschwindigkeitsbussen auf dem ganzen Kantonsgebiet – fixe Anlagen, semistationäre Anlagen, mobile Anlagen. «Eine Statistik für die einzelnen Geräte führen wir nicht», so Peier.

Eine «Geldmaschine»: Eines der modernen semistationären Radargeräte. Der Kanton Zug hat das gleiche Modell.
Eine «Geldmaschine»: eines der modernen semistationären Radargeräte. Der Kanton Zug hat das gleiche Modell. (Bild: hch)

Die nun alten, abmontierten fixen Radaranlagen wandern jedenfalls auf den Schrotthaufen. «Die Masten gehen ins Alteisen», sagt Peier. Die gesamte Radartechnik sei veraltet, werde nicht mehr hergestellt und unterhalten und es gebe keine Ersatzteile mehr. «Deshalb sind diese Anlagen als Elektronikschrott an den Hersteller zurückgegeben worden.» Die Stromzufuhr sei durch die WWZ gekappt und zurückgebaut worden. «Es befinden sich aus Sicherheitsgründen keine Kabel mehr im Boden.»

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