Noch ein Stündchen schlafen? Der Sonntag machts möglich. (Bild: flickr.com)
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Noch ein Stündchen schlafen? Der Sonntag machts möglich. (Bild: flickr.com)

«Zwischen Tag und Traum die gewonnene Zeit verbringen»

6min Lesezeit
Am Sonntag Früh werden die Uhrzeiger wieder um eine Stunde zurückgestellt – auf die Winterzeit. zentralplus fragte bekannte Zuger Politiker, was sie mit diesem 60-minütigen Zeitgewinn anfangen. Und was sie von der ganzen Diskussion um die Abschaffung der Zeitumstellung halten.
Wolfgang Holz

Am Sonntag ist es endlich wieder so weit – man bekommt die im März geklaute Stunde Schlaf zurück. Die Uhren werden um drei in der Früh wieder um eine Stunde zurückgestellt. Ab sofort ist wirklich Winter. Sprich: Um fünf am Abend ist es künftig wieder dunkel. Das süsse Leben draussen an der Wärme ist Vergangenheit. Die Sommerzeit ist vorbei.

Dieser Sonntag hat 25 Stunden

Fakt ist: Dieser Sonntag, der 28. Oktober 2018, verfügt über 25 Stunden. Was machen bekannte Zuger mit dieser geschenkten Stunde?

«Ich freue mich sehr über eine Stunde mehr», sagt Manuela Weichelt. Für die scheidende linke Regierungsrätin ist diese Zeitumstellung definitiv die letzte als Frau Landammann. Ihre Motivation für den XXL-Sonntag klingt sympathisch. «Ich werde eine Stunde länger schlafen. Persönlich bin ich ein Nachtmensch und liebe es nicht, im Dunkeln aufzustehen.»

«Ich liebe es nicht, im Dunkeln aufzustehen.»

Manuela Weichelt, Frau Landammann

Sie lebe nun schon seit Anfang 1981 mit den Zeitumstellungen. «Politisch gesehen, macht es keinen Sinn, die Diskussion um die Beibehaltung oder Abschaffung der Zeitumstellungen im Kanton Zug oder in der Schweiz im Alleingang zu führen», sagt Weichelt. Es mache keinen Sinn, zu einer Zeitinsel zu werden.

Lust auf eine Biketour

Auch André Wicki, Vize-Stadtpräsident und SVP-Bauchef, freut der längere Sonntag. Er gehört eher zur Fraktion der Aktiven. «Ich hoffe, dass das Wetter gut wird und man somit die Stunde auch gut im Freien verbringen kann.» Zum Beispiel mit einer Biketour. Für ihn ist das Leben mit und ohne Zeitumstellung gleich schön.

Am Sonntag wird die Uhr auf die Winterzeit umgestellt. Das zeitigt verschiedene Reaktionen unter befragten Zugern.
Am Sonntag wird die Uhr auf die Winterzeit umgestellt. Das zeitigt verschiedene Reaktionen unter befragten Zugern. (Bild: flickr.com)

«Für mich ist beides in Ordnung», sagt Wicki. «Ich freue mich jeweils auf der einen Seite auf eine Stunde mehr Schlaf. Auf der anderen Seite gefällt es mir auch, wenn die Tage wieder heller und sonniger werden.»

«Früher, als ich noch Nachtwache machte, beobachtete ich fasziniert die Uhr.»

Vroni Straub, CSP-Stadträtin

Ein spezielles Verhältnis zur Zeitumstellung hat CSP-Stadträtin Vroni Straub. «Früher, als ich noch Nachtwache machte, beobachtete ich fasziniert die Uhr, welche um 2 Uhr entweder eine Stunde nach vorne spickte oder um 3 auf 2 Uhr zurückkehrte», erzählt die einstige Hebamme. «So musste ich eine Stunde länger oder eben weniger lang arbeiten.»

Kaffee und Zopf

Jetzt als Stadtzuger Bildungschefin geht sie die Sache ruhiger an. «Ich bin ein Sonnenkind und freue mich immer auf die Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit. Die Umstellung bereitet mir keine Probleme.» Die gewonnene Stunde am nächsten Sonntag werde sie am Morgen beim Frühstück «einlösen»: «Ich werde etwas länger bei Kaffee und Zopf sitzen bleiben.»
 
Karl Kobelt, Zuger Finanzchef und der Dritte im Bunde um den Kampf ums Zuger Stadtpräsidium, gönnt sich vor der Abstimmungsschlacht in Gestalt der Zeitumstellung noch etwas Ruhe. «Ja, darauf freue ich mich! Und verdränge dabei jeden Gedanken auf das verkürzte Wochenende, das uns bei der Umstellung auf die nächste Sommerzeit erwarten wird.»
«Da gönne ich mir am Sonntagmorgen eine Stunde mehr Schlaf.»
 
Karl Kobelt, Zuger Finanzchef
Auch er kuschelt sich länger ins Kissen. Kobelt: «Die Umstellung erfolgt ja in der Nacht. Da gönne ich mir am Sonntagmorgen eine Stunde mehr Schlaf.» Mit der Zeitumstellung hat der Freisinnige kein Problem. Von einer Abschaffung der Sommerzeit sei abzusehen – «nicht zuletzt vermeiden wir damit eine unnötige Differenz zu unseren Nachbarländern.»
 
Wers mag, kommt in der Winterzeit voll auf seien Kosten: Vermicelles.
Wers mag, kommt in der Winterzeit voll auf seien Kosten: Vermicelles. (Bild: flickr.com)
 
Das sieht auch Martin Pfister so, Zugs Gesundheitsdirektor und Stimmenkönig bei den vergangenen Wahlen. «Mich stört die Umstellung nicht. Wichtig ist einfach, dass diese Umstellung relativ harmonisiert mit den andern Ländern erfolgt.» Bei ihm zuhause wird am Sonntag infolge der Stunde mehr «das Frühstück auch gesprächiger».
«Das ist die Zeit der Blut- und Leberwürste mit Vermicelles zum Dessert.»
 
Dolfi Müller, scheidender Zuger Stadtpräsident
Dolfi Müller, Zugs scheidender Stadtpräsident, ist schon voll in Wintervorfreude. Mit allen Konsequenzen. «Ich mag den November, weil es früh dunkel wird – dank Zeitumstellung noch früher. Das ist die Zeit der Blut- und Leberwürste mit Vermicelles zum Dessert.» Da gehöre die Zeitumstellung einfach dazu - ebenso wie zwei Kilo mehr auf den Rippen.

Die allerletzte Winterzeit?

Im Sommer hat sich nämlich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker für die Abschaffung der Winter- und Sommerzeit ausgesprochen. «Die ewige Sommerzeit wird kommen. Die Menschen wollen, dass wir das machen», sagte Juncker. Bei einer EU-weiten Online-Umfrage hatte sich die überwältigende Mehrheit der 4,6 Millionen Teilnehmer (mehr als 80 Prozent) dafür ausgesprochen, die Zeitumstellung aufzugeben. Sollte die EU tatsächlich die Zeitumstellung abschaffen, müsste wohl auch die Schweiz nachziehen, um keinen wirtschaftlichen Schaden zu erleiden.

Aufs Alter hin sei Müller von der Eule zur Lerche geworden. «Mittlerweile wache ich auch am Sonntag eisern um 7 Uhr auf. Wenn am Sonntag auf dem Wecker eine 6 steht, werde ich die gewonnene Zeit irgendwie zwischen Tag und Traum verbringen.»

Erneuerbare Energien wichtiger

Während die einen schlemmen und schlafen, mahnt SP-Kantonsrätin Barbara Gysel an die Vernunft. «Die Zeitumstellung wurde in Europa vor über hundert Jahren während des Ersten Weltkrieges eingeführt – und wurde auch mit Energiespareffekten begründet.»

Dieses Thema sei nicht vom Tisch: Den Ressourcenverbrauch zu senken, sei heute wichtiger denn je. «Aber mit erneuerbaren Energien haben wir wirksamere Mittel zur Hand als die Zeitumstellung», ist Gysel überzeugt.

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