Dominic Deville wollte DJ Bobo (links) seit der ersten Sendung als Gast. (Bild: SRF/Mirco Rederlechner)
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Dominic Deville wollte DJ Bobo (links) seit der ersten Sendung als Gast. (Bild: SRF/Mirco Rederlechner)

Wenn DJ Bobo kommt, wird selbst Deville nervös

8min Lesezeit

Die SRF-Late-Night-Sendung «Deville» startet in die sechste Saison. Mit viel Luzerner Beteiligung von DJ Bobo bis Johnny Burn. Dominic Deville scheint definitiv bereit, um den Sendeplatz von «Giacobbo/Müller» am Sonntagabend zu übernehmen.

«Ja, ich will Nachfolger von ‹Giacobbo/Müller› werden!» Dominic Deville sagt’s selbstbewusst und mit einem süffisanten Lächeln zum jubelnden Publikum. Er nimmt damit die lahme Bundesratskandidatur der Ständerätin Karin Keller-Sutter aufs Korn – und macht vor, wie so eine Ankündigung richtig geht.

Und tatsächlich ist ja jetzt Deville, was er offiziell nie sein wollte. Ab 2019 erhält er neben dem Zuger Michael Elsener den Sonntagabend beim SRF. Er tritt mit seiner kleinen Show aus dem Nischendasein des späten Freitagabends auf die sonntägliche Prime-Time-Bühne.

Mit dem Auftakt zur bereits sechsten Staffel am Freitag zeigt Dominic Deville: Er ist parat für diesen Aufstieg. Er und sein Team haben am Late-Night-Format nochmals geschraubt und Deville fühlt sich in der Rolle des Hosts offensichtlich pudelwohl.

Gedränge im Mascotte

Bei der Aufzeichnung am Donnerstag ist das Zürcher Mascotte rappelvoll, was sicher auch am Gast liegt, dem Schweizer Musikstar DJ Bobo. Neben dem Exil-Luzerner Deville, dem in Kastanienbaum wohnhaften René Baumann gesellt sich mit Johnny Burn sogar noch ein dritter Lokaler zur Runde.

«Deville» im TV

Dominic Deville und sein Late-Night-Team starten in die sechste Staffel: Freitag, 12. Oktober, 23.40 Uhr, auf SRF 1.

Beste Laune im dicht gedrängten Mascotte also und Deville lässt bereits vor der Sendung nichts anbrennen: Aus der letzten Staffel blendet er einen Zuschauer ein, der gelangweilt in der Gegend umherblickt und kaum klatscht. «Wehe, ihr lacht nicht!», so Deville. Das Publikum wird gnadenlos von zwei Kameras eingefangen.

Ob’s an der erzieherischen Einleitung liegt, an Bobo oder Burn – die neuste Sendung entlockt regelrechte Lachattacken aus den Publikumsreihen. Neu erfunden hat das Team die Sendung nicht, zum Glück nicht. Der bewährte Sidekick Ágota Dimén setzt Akzente, die Pointen sitzen, bissige Einspieler zu aktuellen Geschehnissen sind gelungen. Etwa zum auf dem Trottoir sitzenden Bundesrat Alain Berset (als Pappfigur auf der Bühne anwesend) oder zur Kandidatur von Keller-Sutter.

Das grosse Highlight bleiben die Einspielfilme. Mit ihrem feinsinnigen Humor, ihren Darstellern und der ganz eigenen Ästhetik sind sie etwas vom Besten im SRF-Land. Diesmal über einen absurden neuen Lügendetektor, der eine Fair-Politik-Initiative ermöglichen soll – herrlich.

Du! Nein du! DJ Bobo (links) und Dominic Deville beim Gespräch.
Du! Nein du! DJ Bobo (links) und Dominic Deville beim Gespräch. (Bild: zvg SRF )

Tante Wong und ein Thurgauer Klimaaktivist

Auch Johnny Burn hat das Publikum als Tante Wong im Sack (am 31. Oktober startet er übrigens sein neues Programm «Wok-uhila» im Luzerner Kleintheater). Eine Neuerung ist die Aufwertung des Comedian Gabriel Vetter, der in der vergangenen Staffel zum Team stiess. Er ist in der neuen Sendung als fingierter Experte zu Gast. Ein Format, das man etwa aus der deutschen «Heute Show» kennt.

Bei Deville gibt Vetter den Klimaaktivisten Wolfgang Imhof, der im Detail aufzeigt, wieso eine Zwiebel aus Ägypten ökologischer ist als eine aus dem Thurgau. Mehr Vetter tut Deville unbedingt gut, auch wenn dieser seine Mühe hat, nicht selbst loszulachen – verständlicherweise.

Nervös wie nie zuvor

Und dann eben der Grund, wieso Deville so nervös war wie nie zuvor: DJ Bobo. Dieser war übrigens das letzte Mal 1986 im Mascotte, damals noch als unbekannter DJ an einem Contest. Ein Einspieler zeigte ihn, wie er mit langen Haaren Discosounds zum Besten gibt und als «Bubu» anmoderiert wird.

Deville wollte den Bobo seit der ersten Sendung, nun hat’s geklappt. «Ich wollte zuerst schauen, was für ein Vogel du bist», erklärte Bobo die lange Wartezeit.

Das Gespräch selbst ist knapp und gelingt kurzweilig, Bobo entpuppt sich als durchaus selbstironischer Gast. Es geht um die kommende 2019er-Tour, auf der sich neben dem üblichen Brimborium drehende Pianos und ein Eisfeld auf der Bühne stehen werden. «Was kifft ihr, um auf diese Ideen zu kommen?», fragt Deville. Und als Bobo Fans, die mit dem Pferd an ein Konzert in der Mongolei kamen, als «herzig» betitelt, entgegnet Deville: «Was herzig, affengeil!» Aber solches Vokabular hört man vom inzwischen 50-jährigen Baumann nicht.

Traute Runde: Bobo, Deville und Gabriel Vetter:

 

Tränen um ein T-Shirt

Auch Bobo leidet übrigens unter den wegbrechenden Musikverkäufen, weshalb er keine eigentlichen Alben mehr veröffentliche, sondern Soundtracks zu den Tourneen. «Das war ein weiser Entscheid.» Was der Punk Dominic Deville in jungen Jahren vor Bobos Villa in Kastanienbaum anstellte, will er leider in der Sendung trotz Insistierens von Bobo nicht verraten.

Am Schluss gibt es (gespielte) Tränen und Schluchzer, als Bobo-Fan Gabriel Vetter eine herzzerreissende Episode von einem traumatischen Konzertbesuch als Kind erzählt. Dafür erhält dieser ein T-Shirt, denn um ein T-Shirt geht’s bei der Episode. Und eine A-cappella-Rap-Einlage von Bobo obendrauf. Danach wird die Bühne für Selfies gestürmt.

 

 

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