Dieses Haus an der Ecke Baarer- und Göblistrasse wird abgerissen und durch ein Holzhochhaus ersetzt. (Bild: wia)
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Dieses Haus an der Ecke Baarer- und Göblistrasse wird abgerissen und durch ein Holzhochhaus ersetzt. (Bild: wia)

Jetzt setzt auch die V-Zug auf Holzhochhäuser

5min Lesezeit

Das klingt doch vielversprechend. In der Stadt Zug soll mit dem Projekt «Legno» ein erstes, 80 Meter hohes Holzhochhaus entstehen. Eines, in dem Zuger kostengünstig wohnen sollen. Und zwar nicht «preisgünstig à la Zug». Sondern richtig günstig.

Langsam erwacht sie, die Baarerstrasse. Wird nicht mehr wie Niemandsland behandelt, eine nötige Strasse, um die beiden Orte Zug und Baar zu verbinden. Sondern beginnt städtebaulichen Ansprüchen zu folgen, wird hübscher, etwas aufregender, hier und da ragen Hochhäuser aus dem Boden.

Und der nächste Streich folgt derzeit (zentralplus berichtete). Denn auch das Geviert Baarer-, Göbli, Industrie- und Mattenstrasse will mithalten mit der Aufwertung und hat einen entsprechenden Studienauftrag vergeben. Das ist nicht selbstverständlich, sind es doch gleich vier Grundeigentümer, welche auf dem ganzen Areal Immobilien besitzen.

Zum einen der Kanton Zug, der mit dem Gewerblich-Industriellen Bildungszentrum wohl am deutlichsten Präsenz markiert. Daneben teilen sich die Vaudoise Versicherungen und die Stockwerkeigentümerschaft Baarerstrasse 94 ein markantes rotes Haus. An der nordwestlichen Ecke steht überdies ein Wohnblock der V-Zug Immobilien AG, welcher seinen Zenit deutlich überschritten hat.

Ein 80-Meter-Holzhaus ist geplant

Und auf dieses Gebäude sind aktuell alle Augen der Grundeigentümer gerichtet. Der Wohnblock soll nämlich abgerissen und von der V-Zug durch ein Holzhochhaus ersetzt werden. Halbe Sachen scheint die Firma nicht machen zu wollen. 80 Meter hoch soll der Bau werden und auf 17’000 Quadratmetern Wohnraum bieten. Es ist ein selbstbewusstes Projekt, hat die Stadt Zug doch bislang – im Gegensatz zu Rotkreuz – noch keine Erfahrung mit Holzhochhäusern.

Wie Beat Weiss, der Geschäftsführer der V-Zug Immobilien AG, sagt: «In Bezug auf den zu entstehenden Technologiecluster haben wir uns gefragt: Wie findet Industrie künftig statt?» Und man habe Antworten gefunden: Um zukunftsfähig zu sein, müsse energieeffizient gebaut werden. Mobilität sei wichtig, die Nähe von Arbeits- und Wohnort. Und last but not least müssen die Wohnungen günstig sein.

«Wir glauben daran, dass das aufgeht.»

Beat Weiss, Geschäftsführer V-Zug Immobilien AG

«Wenn Mitarbeiter der Metall Zug AG in diesem Bau wohnen, dann müssen diese Wohnungen zahlbar sein. Und zwar nicht kostengünstig à la Zug, sondern wirklich günstig», erklärt Weiss. Er spricht beim Holzprojekt «Legno» von einer grossen Innovation. «Wir glauben daran, dass das aufgeht», sagt Weiss. «Und wir glauben, dass wir tiefe Mietpreise verlangen können, ohne von der Wohnraumförderung abhängig zu sein.» Wie diese ungefähr aussehen werden, sei noch nicht klar.

Nicht nur günstig, sondern auch schön

Ausserdem, so der Geschäftsführer, soll es sich um einen Bau handeln, «bei dem die Wohnqualität schon von aussen sichtbar ist». Konkret ist noch wenig. Etwa, wie viel Holz beim Bau überhaupt möglich und letztlich sichtbar sei. Denn ähnlich wie beim HSLU-Gebäude, das derzeit in Rotkreuz gebaut wird, werden die zentralen Elemente – etwa das Treppenhaus – aus Beton gebaut werden. «Auch inwiefern wir die tragenden Elemente, die Wände und die Decken, aus Holz bauen können, ist noch nicht klar.»

Ebensowenig, ob womöglich die Schule Guthirt Räume sowie eine Turnhalle im Neubau erhalten soll. Dies, da die Schule heute bereits mehr Raum braucht.

«Jede Veränderung hier soll eine Verbesserung sein.»

Christian Schnieper, Zuger Stadtarchitekt

Klar jedoch sei, so Weiss: «Wenn man industrialisiert baut, dann wird das häufig eintönig. Doch dieser Ort ist zu wichtig. Er muss architektonisch gut besetzt werden.» Und der Zuger Stadtarchitekt Christian Schnieper ergänzt: «Jede Veränderung hier soll eine Verbesserung sein.» Die «Veränderung», welche die V-Zug Immobilien AG anstrebt, hat ihren Preis. Um die 80 Millionen Franken will die Firma in das Gebäude stecken.

So sieht die Überbauung im Quartier Guthirt heute aus.
So sieht die Überbauung im Quartier Guthirt heute aus. (Bild: zVg)

Nun laufen erst mal das Studienverfahren zum städtebaulichen Gesamtkonzept sowie der Projektwettbewerb. Beides soll Mitte 2019 abgeschlossen sein. Später erfolge die anschliessende Ausarbeitung des Bebauungsplans, der 2021 rechtskräftig werden soll.

Für günstigen Wohnraum muss ebensolcher verschwinden

Im Wohnblock, der heute noch an der Ecke Göbli- und Baarerstrasse steht, herrscht heute noch viel Betrieb. Hier wohnen einige Mitarbeiter der Metall Zug AG, bestätigt Weiss. «Uns ist bewusst, dass wir damit bereits bestehenden preisgünstigen Wohnraum abbrechen», sagt er. Tatsächlich sind es aktuell 48 Wohnungen, die mit dem Abriss verschwinden.

Doch, so relativiert Weiss, müsse das Haus aus Altersgründen sowieso bald abgerissen werden. «Mit dem neuen Projekt wird die Anzahl preisgünstiger Wohnungen mehr als verdoppelt», so der Geschäftsführer. «Falls die Schule einzieht, werden es etwa 100 Wohnungen werden, falls nicht, etwa das Doppelte.»

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