Ein 40-Jähriger, der in Emmenbrücke wohnhaft war, warf Türstehern vom Luzerner «Penthouse» Duftbäumchen an. Doch er griff auch zu härteren Massnahmen. (Bild: ida)
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Ein 40-Jähriger, der in Emmenbrücke wohnhaft war, warf Türstehern vom Luzerner «Penthouse» Duftbäumchen an. Doch er griff auch zu härteren Massnahmen. (Bild: ida)

Streithahn bewirft Türsteher mit Duftbäumchen – und zückt das Messer

5min Lesezeit

Ein 40-jähriger Schweizer aus Emmenbrücke tyrannisierte seine früheren Nachbarn, indem er sie wiederholt zuparkte. Auch mit Türstehern einer Luzerner Bar legte er sich an. Dabei bildete der Angriff mit Duftbäumchen allerdings nur den Auftakt.

Er ist ein Tyrann, ein ewiger Streithahn, der einen starken Drang zu Groll verspürt. Dazu griff er nicht nur auf Duftbäumchen zurück. Bei der Luzerner Polizei ist er längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bei den Akten mit dem Titel «Gefährdungsmeldungen» stapeln sich die Fälle über den 40-jährigen Schweizer.

Besonders fatal sind die Ereignisse mit einem 80-jährigen Ehepaar – das er mehrfach bedrohte und tyrannisierte. Nun muss sich der 40-Jährige vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten.

Rentnerpaar zugeparkt

Im Februar 2016 fährt der Beschuldigte hinter dem Fahrzeug seiner ehemaligen Nachbarn in die Tiefgarage einer Wohnüberbauung in Emmenbrücke. Bevor diese – ein 80-jähriges Ehepaar – aussteigen können, sehen sie im Rückspiegel das schwarze Fahrzeug mit dem ihnen bestens bekannten Nummernschild. Just in diesem Moment fährt der Beschuldigte in seitlicher Länge hinter das Fahrzeug.

Und dies ist keineswegs das erste Mal. Bereits seit dem Tag des Einzugs des Beschuldigten in den Wohnblock, in dem auch die beiden Ehegatten wohnen, kam es zu Reibereien. Nächtliche Ruhestörungen, verbale und gar tätliche Auseinandersetzungen führten zu einer ersten Meldung an die Polizei. Es sind Nachbarn, die sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. Denn in den Augen des Beschuldigten habe der 80-Jährige versucht, ihn einmal mit dem Auto umzufahren.

Die beiden Ehegatten haben panische Angst vor dem Beschuldigten. Sie getrauen sich weder auszusteigen noch die Polizei zu rufen. Wegfahren können sie nicht. Gefühlte zehn Minuten lang hupt der 80-Jährige, den Pfefferspray hält er fest in seinen Händen. Als der Beschuldigte losfährt, atmet das Paar auf. Es fährt aus der Tiefgarage, bis zu einem Parkplatz.

Die Frau nimmt das Handy zur Hand, um die Polizei zu informieren. Doch der Beschuldigte kreuzt erneut auf, fährt erneut nahe an ihr Auto heran. «Wahrscheinlich will er wieder etwas meinem Mann antun, er sagt ja schon lange, dass er meinen Mann umbringen wolle», sagt sie mit zittriger Stimme ins Telefon.

Mit dem Klappmesser vor die Bar

Doch der Streitsüchtige suchte weiter nach Opfern, die er provozieren konnte. Zahlreiche nächtliche Ausflüge zur «Penthouse»-Bar an der Pilatusstrasse führten zu angeregten Diskussionen mit den Türstehern.

Er fuhr am Abend zum Teil mehrfach mit seinem Fahrzeug bei den Türstehern vorbei, um ein Duftbäumchen in ihre Richtung zu werfen. Eine geheime Botschaft?

Am 15. April 2016 parkt der Beschuldigte beim «Café Nizza». Mittlerweile hat er wohl selbst realisiert, dass sich die Türsteher eher über die Duftbäumchen belustigt haben, als dass diese eine abschreckende Wirkung erzielt hätten.

Aus dem Handschuhfach entnimmt der 40-Jährige nun ein Schiebemesser der Marke Wenger. Er klappt es auf, schiebt es sich unter den rechten Pulloverärmel. Gut versteckt. Er steigt aus seinem Fahrzeug, um sich seelenruhig eine Zigarette anzuzünden.

Gedroht, alle Türsteher umzubringen

Auf der gegenüberliegenden Strassenseite stehen die Türsteher breitbeinig vor dem Eingang zum «Penthouse». Der Beschuldigte möchte ins Innern – doch der Türsteher verweigert ihm den Eintritt. Das Gesicht des unerwünschten Gasts hat er sich bestens eingeprägt. Es kommt zu einer verbalen Auseinandersetzung. Schliesslich droht der Beschuldigte dem Türsteher, dass er ihn und die anderen Türsteher des Hotels Astoria umbringen würde.

Der Türsteher scheint davon wenig beeindruckt zu sein, kontaktiert den Eventmanager. Dieser involviert die Polizei. Zeitgleich läuft der Cheftürsteher im Laufschritt über die Strasse in Richtung «Café Nizza».

Der Beschuldigte, der nun im Auto sitzt, zögert nicht und zückt sein bereits geöffnetes Messer. Die Duftbäumchen dürften alle sein – spätestens jetzt dürfte dem Türsteher der Ernst der Lage ersichtlich sein. Und durch die zuvor geäusserte Drohung läuft ihm ein kalter Schauer über den Rücken.

Skrupellos mit dem Auto auf den Türsteher losgefahren

Der Beschuldigte lässt seinen Motor hörbar aufheulen. Blindlings betätigt er das Gaspedal, rast nach vorne, bremst stark ab. Ohne einen Blick in den Rückspiegel zu werfen, legt er den Rückwärtsgang ein. Er ist sich bewusst, dass sich der Türsteher nun hinter seinem Auto befindet und er diesen skrupellos über den Haufen fahren könnte. Nur dank einem grossen Schritt in Richtung Hausfassade kann sich der Türsteher in Sicherheit bringen. Passanten, die vorbeilaufen, schreien erschrocken auf.

Der Beschuldigte flüchtet in Richtung Bundesplatz. Er ruft selbst die Polizei an. Aber nicht etwa, um sich zu stellen. Er sagt, er wolle Anzeige erstatten, da er von den drei Türstehern vom Hotel Astoria angegriffen worden sei. Doch dumm gelaufen: Nur fünf Minuten später kann der Beschuldigte an der Sempacherstrasse von der Luzerner Polizei festgenommen werden. 

Die Staatsanwaltschaft fordert aufgrund Gefährdung des Lebens, Drohung und der mehrfachen Nötigung eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren, wovon sechs Monate unbedingt vollzogen werden müssen. Dies bei einer Probezeit von vier Jahren, wie aus der Anklageschrift des Luzerner Kriminalgerichts hervorgeht.

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