So könnte der neue Seetalplatz aussehen: Rechts ein Wohnhaus auf der Parzelle des Kantons, hinten das Geschäftshaus neben dem Busbahnhof und links die Erweiterung des Kino Maxx. (Visualisierung: Gebietsmanagement LuzernNord)
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So könnte der neue Seetalplatz aussehen: Rechts ein Wohnhaus auf der Parzelle des Kantons, hinten das Geschäftshaus neben dem Busbahnhof und links die Erweiterung des Kino Maxx. (Visualisierung: Gebietsmanagement LuzernNord)

Boom am Seetalplatz: Dem Riesenrad folgen die Baukräne

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Nach fünf Jahren Bauzeit gleicht der Seetalplatz wieder einem verkehrlichen Bienenstock. Doch bald kehren die Kräne und Bagger zurück: Bereits in rund einem Jahr soll das Kino Maxx aufgestockt werden. Und danach geht's erst richtig los. Wir zeigen die Puzzleteile der Milliardenbaustelle.

Der Verkehr rollt, das Wasser fliesst, die Reussinsel floriert: Nach fünfjähriger Bauzeit sind die Arbeiten auf der Grossbaustelle Seetalplatz abgeschlossen. Nun wird gefeiert (siehe Box).

Doch die Pause währt nur kurz: In rund einem Jahr sollen wieder die Baukräne auffahren – und so bald werden sie nicht mehr verschwinden. Und danach wird der Seetalplatz wohl nicht mehr wiederzuerkennen sein. Das zeigen ein paar Zahlen: 3'300 zusätzliche Einwohner werden dereinst im Gebiet wohnen, das entspricht 1'500 neuen Wohnungen. Dazu kommen 4'000 neue Arbeitsplätze, und ganz in der Nähe, bei der Viscosistadt, 850 Studienplätze der Hochschule Design & Kunst.

Dass mächtig etwas geht, macht auch folgender Vergleich deutlich: Die nun abgeschlossenen Verkehrs- und Hochwasserprojekte haben insgesamt 190 Millionen Franken gekostet. Was in den nächsten Jahren in die Höhe gebaut wird, umfasse etwa das Vier- oder gar Fünffache dieser Summe, sagt Ulrich Freyenmuth, Gebietsmanager Luzern Nord. Ohne zu übertreiben, kann man also festhalten: Das wird eine Milliardenbaustelle.

Urbanes Zentrum statt Verkehrsschlauch

«Wir reden von einem neuen, peripheren Stadtzentrum», sagt Freyenmuth. Ein Projekt dieser Grösse kann auch Ängste auslösen oder die Sorge um Identitätsverlust. Doch Ulrich Freyenmuth nimmt in Emmen und Reussbühl vielmehr eine Aufbruchstimmung wahr. «Ich mache diese Arbeit seit fünf Jahren und die Stimmung hat sich in dieser Zeit sehr ins Positive gewandelt.» Waren in den ersten Jahren noch kritische Stimmen zu hören, besonders zu den befürchteten Verkehrsbehinderungen während den Strassenarbeiten, nimmt er heute vorwiegend zustimmende Echos war.

Ein Überblick über die geplanten Bauprojekte (mehr Infos durch Klicken auf die Piktogramme):

 

Ausgelöst wurde dieses mitunter durch die Viscosistadt, die mittlerweile geöffnete «verbotene Stadt«, die einen Vorgeschmack liefert auf das neue urbane Zentrum, das aus dem einst unattraktiven Verkehrsknoten entstehen soll. In Reussbühl habe man zudem seit den 60er-Jahren auf die Umfahrung gewartet, sagt Freyenmuth. Nun endlich sei sie da, und das Quartier könne sich neu entwickeln. «Der Seetalplatz erhält ein komplett neues Gesicht. Das ganze Gebiet wird zu neuem Leben erweckt.»

Wie das aussehen soll, wann es losgeht und wo es noch dauert – ein Überblick in fünf Kapiteln:

1. Kinos, Bowling und mehr (Baufelder A4 und A5, vgl. Grafik unten)

Das Projekt, das am frühesten starten dürfte, ist der Anbau für das Centrum Seetalplatz. Mit dem Projek Metropolis wird das Kino Maxx von heute acht auf 14 Kinosäle aufgestockt. Dazu kommt ein Bowling-Center und ein grösseres Gastronomieangebot. Wie das aussehen wird, haben die Verantwortlichen bereits vorgestellt, nun wird das Bauprojekt erarbeitet. Noch in diesem Jahr soll die Baueingabe gemacht werden, sodass Mitte 2019 die Kräne auffahren können.

Das Gebäude soll den industriellen Charakter der Viscosistadt an den Seetalplatz bringen. Hinunter zur Kleinen Emme entsteht zudem ein weiteres Gebäude mit Wohnungen.

2. Büro für 1'100 Kantonsangestellte (A1)

Ebenfalls in den Startlöchern steht der Bürokomplex, die neue Heimat für 1'100 Kantonsangestellte. Ende dieses Jahres wird ein Wettbewerb lanciert, aus dem das Projekt hervorgehen soll. Doch bis gebaut wird, dürfte noch eine Weile verstreichen. Denn aufgrund der Kosten – geschätzt 160 Millionen Franken – braucht es noch eine Volksabstimmung dazu.

Der Baubeginn ist gemäss Luzern Nord nicht vor dem Jahr 2022 möglich, bezogen werden sollen die Büros voraussichtlich Anfang 2025.

 

So sehen die Pläne am Seetalplatz aus.
So sehen die Pläne am Seetalplatz aus.

3. Noch mehr Büros (A2)

Gleich hinter dem neuen Bahnhofplatz von Emmenbrücke entstehen weitere Büro- und Gewerbeflächen. Dort ist ein Neubau geplant. Das Bauunternehmen Losinger Marazzi will ab kommendem Herbst zusammen mit der Luzerner Kantonalbank einen Architekturwettbewerb durchführen. Über den Baustart und die geschätzten Kosten könne man zurzeit noch keine Auskunft geben, heisst es bei Losinger und Marazzi.

4. Wohnen am Fluss (B1–B3)

Wer am Fluss wohnen will, hat mehrere Optionen zur Auswahl. Denn auch mitten auf dem Seetalplatz entstehen mehrere Gebäude mit vorwiegend Wohnungen. Dem Kanton gehören dort drei Baufelder, die er im Baurecht abgeben will. Die Ausschreibung soll ebenfalls bereits dieses Jahr erfolgen, in der zweiten Jahreshälfte. Bis Ende Jahr sollte also klar sein, wer dort baut. Die Bagger sollen in rund zwei Jahren auffahren.

Es geht hoch hinaus

Der Kanton Luzern, die Gemeinde Emmen, die Stadt Luzern sowie der regionale Entwicklungsträger LuzernPlus laden die Bevölkerung zur Einweihungsfeier am Samstag, 16. Juni 2018, ein. Von 11 bis 17 Uhr erhält das Publikum auf einem Rundgang rund um den Seetalplatz Einblick in die umgesetzten Massnahmen. 

Hauptattraktion des Festes ist ein 34 Meter hohes Riesenrad. Aus der Höhe erhält man einen einmaligen Überblick über den gesamten Seetalplatz. Das Riesenrad läuft am Samstag, 16. Juni, von 11 bis 22 Uhr und am Sonntag, 17. Juni, von 11 bis 18 Uhr. Wer am Rundgang teilnimmt, erhält einen Gratiseintritt für das Riesenrad.

Vorgesehen ist, dass mindestens ein Baufeld für gemeinnützigen Wohnungsbau, also günstige Wohnungen, genutzt wird. Bei allen drei Parzellen müssen mindestens zwischen 50 und 80 Prozent Wohnungen gebaut werden.

Aktuell ist allerdings noch ein Vorstoss im Kantonsrat hängig. Jürg Meyer (CVP) will, dass auch Eigentumswohnungen entstehen. Er argumentiert, dass bereits heute knapp jede fünfte Wohnung in Emmen gemeinnützig sei, also tendenziell günstig. Für die soziale Durchmischung sei es darum besser, wenn Interessierte auch Wohnungen kaufen könnten, sprich: auch Gutbetuchte zum Zuge kämen.

5. Wohnen und Arbeiten in Reussbühl

Am südlichen Rand des Seetalplatzes, auf der anderen Flussseite, wird ebenfalls bald gebaut. Für 47 Millionen Franken entstehen in Reussbühl rund 80 Wohnungen und 1300 Quadratmeter Gewerbefläche (zentralplus berichtete). Baubeginn ist auf Anfang 2020 vorgesehen.

Doch das ist noch nicht alles. Auch die weiteren Parzellen in Reussbühl, etwa rund um die Shedhalle, stehen vor grossen Veränderungen (zentralplus berichtete). Doch die entsprechenden zwei Bearbeitungspläne Reussbühl Ost und Reussbühl West auf dem Gebiet der Stadt Luzern sind noch in Bearbeitung. Bis Ende 2019 sollen sie zur Genehmigung vorliegen. Bis es dort tatsächlich vorwärts geht, dürfte noch viel Wasser die kleine Emme ab fliessen.

Visualisierung: So wird das neue Quartier Reusszopf mit dem fünfgeschossigen Bau aussehen.
Visualisierung: So wird das neue Quartier Reusszopf mit dem fünfgeschossigen Bau aussehen.

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