Auch der geplante Doppelspurausbau der SBB in Walchwil schreckt jetzt so manchen Expat im Schlaf auf – aus Furcht vor mehr Lärm und quietschenden Zügen.
  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
Gesellschaft Pendler Verkehr

Auch der geplante Doppelspurausbau der SBB in Walchwil schreckt jetzt so manchen Expat im Schlaf auf – aus Furcht vor mehr Lärm und quietschenden Zügen.   (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Luzern: Ab Dezember dauert's länger zum Flughafen Zürich

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Gute Neuigkeiten: Ab Dezember gibt es einen direkten Zug von Luzern nach Konstanz. Doch aufgepasst. Aufgrund der Fahrplanänderung wird sich die Reise zum Flughafen Zürich verlängern und für Reisende aus unserer Region umständlicher werden. Nun sei Handeln angesagt, sagen Passagiervertreter.

Diese Woche gaben die SBB erste Details zum Fahrplan 2019 bekannt. Die geplanten Anpassungen und Veränderungen gegenüber dem aktuellen Fahrplan lassen insbesondere in der Innerschweiz und Luzern aufhorchen.

Die Neuigkeiten sind wenig erfreulich. Die Zentralschweiz muss während zwei Jahren Abstriche bei einer der Hauptverbindungen im Fernverkehr machen. Betroffen ist der Interregio nach Zürich und danach weiter zum Flughafen.

Schlecht für ländliche Regionen

Momentan verkehrt jeweils um x:10 Uhr ein direkter Zug zu diesen Destinationen. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember soll der Zug jedoch um x:35 Uhr zum Flughafen fahren. Dieser Zug wird dafür schon bald bis nach Konstanz weitergeleitet. Gut zu wissen: der Halt in Oerlikon entfällt.

Tönt eigentlich nicht so dramatisch. Doch für Reisende aus der Innerschweiz hat dies negative Auswirkungen, wie die «Interessengemeinschaft öV Innerschweiz» schreibt.

Der neue Fahrplan hat auch Auswirkungen auf die Reisezeit von Luzern zum Flughafen. Aktuell benötigt man für die Strecke 63 Minuten. Gemäss Berechnungen der IG öV Zentralschweiz wird die Reisezeit zum Flughafen um rund zehn Minuten verlängert.

Heftige Kritik

Wenig überraschend wurde bereits harsche Kritik laut. «Wir wehren uns vehement gegen diesen Leistungsabbau zulasten der Zentralschweiz», sagt Frank Zimmermann von der IG öV Zentralschweiz.

«Zusammen mit deutlich verlängerten Umsteigezeiten in Luzern werden Anschlussreisende aus Gemeinden südlich und westlich von Luzern noch deutlich höhere Reisezeitverlängerungen erfahren müssen», moniert er.

Das Entlebuch und Sursee haben Pech

Konkret heisst dies folgendes: Wer von Wolhusen kommt, trifft um x:43 Uhr in Luzern ein. Da der Anschluss um x:10 Uhr nicht mehr direkt an den Flughafen fährt, muss man einmal zusätzlich umsteigen, oder fast eine Stunde in Luzern warten. Hinzu kämen längere Aufenthaltszeiten in Zürich, die von heute vier auf bis 14 Minuten steigen könnten, schreibt die Vereinigung «Pro Bahn Zentralschweiz».

«Die Gemeinde Baar hat pro Stunde drei direkte Verbindungen zum Flughafen. Und Luzern?»

Karin Blättler, Pro Bahn Zentralschweiz

Unglücklich sei die Situation insbesondere für Reisende aus Obwalden und der Boom-Region Luzern Süd: Kommt man von Luzern Süd rund um den Bahnhof Kriens Mattenhof, dauert die Reise an den Flughafen künftig 20 Minuten länger. Ebenfalls länger brauchen Reisende aus Sursee an den Flughafen.

Die SBB erachten die Anpassungen sowie den wegfallenden Halt in Oerlikon für die Innerschweiz als verkraftbar, wie sie gegenüber verschiedenen Medien ausführten. Denn durch die Verbindung nach Konstanz würde das Angebot insgesamt verbessert. Zudem sei die Situation ja nur vorübergehend – ab Dezember 2020 soll alles wieder beim Alten sein. 

Luzern zieht wieder den Kürzeren

Grund für die geplanten Fahrplananpassungen sind laut den SBB Anpassungen bei der S-Bahn Zürich, die zu einer stärkeren Beanspruchung der Perrons führen. Die Züge müssen deshalb direkt in die Ostschweiz weitergeleitet werden. 

Davon zeigt man sich bei «Pro Bahn Zentralschweiz» sehr befremdet, wie Sprecherin Karin Blättler sagt. Die Organisation vertritt die Interessen der Bahnkunden. Luzern werde nicht das erste Mal benachteiligt. «Dass man selbst die stündliche, stark nachgefragte Verbindung um x.10 ab Luzern nach Zürich-Flughafen nicht verschont, auch wenn angeblich nur während zwei Jahren, ist für die Region Luzern sehr stossend», sagt Blättler.

«Nicht nachvollziehen können wir, dass diese massive Verschlechterung gemäss SBB unter dem Strich aber eine Bereicherung sei», sagt sie. «Die Bevölkerung in Luzern und Umgebung sieht das aber ganz anders», so Blättler. Dies würden erste Reaktionen zeigen.

Planen die SBB an der Realität vorbei?

Denn die entsprechenden Reiseziele wie Konstanz würden von den Zentralschweizern kaum nachgefragt. Erschwerend hinzu komme, dass der Halt in Oerlikon entfällt. «Weshalb Luzern schon wieder das Nachsehen hat, ist für uns unverständlich», sagt sie.

Doch kann man nicht davon ausgehen, dass die SBB ihre Planung nach bestem Wissen und Gewissen durchführen? Muss man die Änderungen deshalb nicht einfach akzeptieren? Vor allem, wenn es sich nur um zwei Jahre handelt?

Darauf hat «Pro Bahn» eine klare Antwort: «Die Gemeinde Baar hat pro Stunde drei direkte Verbindungen nach Zürich-Flughafen. Und Luzern und die umliegenden Gemeinden? Neu eine unattraktive Verbindung pro Stunde», so Sprecherin Karin Blättler.

Zusammenstehen ist angesagt

Wird man vonseiten des Verbandes also etwas unternehmen? Blättler richtet sich direkt an die Betroffenen: «Die Zentralschweiz muss geschlossen auf die ‹Hinterbeine› stehen und ihre Ansprüche geltend machen.»

Stete Rücksichtnahme und strategische Absprachen brächten die Region nicht zwingend weiter. «Aktuell laufen die Drähte jedenfalls heiss. Die Politik, die Regierungen der Zentralschweizer Kantone, der Verkehrsverbund sowie Luzern Tourismus müssen sich gemeinsam stark machen», fordert Blättler.

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