Achtung, gefährlich: Augenkontakt meiden und nur langsam bewegen. Ja nicht wegspringen! (Bild: Fotolia)
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Achtung, gefährlich: Augenkontakt meiden und nur langsam bewegen. Ja nicht wegspringen! (Bild: Fotolia)

Wenn Fido Zähne zeigt: Täglich beisst in Luzern ein Hund zu

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Pro Tag wird im Kanton Luzern ein Vorfall mit Hund gemeldet. Auch wenn die meisten der 20’000 Vierbeiner Schosshunde sind: Menschen werden von aggressiven Hunden öfters angegriffen als Tiere. Dabei zeigen sich vor allem bestimmte Rassen als bissig.

Mathias Haehl

«Drama in Hannover: Kampfhund beisst Mutter und Sohn tot» – dies die letzte Schlagzeile, die aufgrund eines gefährlichen Hundes um die Welt ging. Trauer, Kopfschütteln, Groll herrschen nach solchen Unfällen. Den «besten Freund des Menschen» sofort «abknallen», fordern da wutentbrannte Bürger schnell.

Nicht so bei uns. Einen Todesfall durch aggressive Hunde gab es im Kanton Luzern noch nie, national ist das nur ganz selten passiert. Der letzte tödliche Beissvorfall in der Schweiz dürfte derjenige von 2005 gewesen sein, bei welchem in Zürich ein Junge von mehreren Hunden totgebissen wurde.

362 Meldungen in Luzern …

Zwar gab es im letzten Jahr 362 Meldungen beim Veterinärdienst Luzern über Hundebisse und übermässig aggressive Hunde, doch zumeist waren die Schäden laut Kantonsstatistik vergleichsweise harmlos. Diese Statistik entspricht dem Rahmen der Vorjahre.

«Bei den im Jahr 2017 eingegangenen Meldungen zu Vorfällen mit Hunden handelt es sich in 79 Fällen um Hundebissverletzungen an anderen Tieren», sagt Otto Ineichen (63), Leiter Veterinärdienst des Kantons Luzern.

… davon 224 Attacken gegen Menschen

Neustes Beispiel von Hundeaggression gegen andere Haustiere ereignete sich Anfang Monat in Kriens (zentralplus berichtete), als ein Malteser Hund von einem Pitbull gebissen wurde. In weiteren 33 Fällen waren es Meldungen über übermässig aggressive Hunde, 26 sonstige Meldungen gab es zum Beispiel über herumstreunende Hunde.

Wie oft aber sind Menschen bedroht? Otto Ineichen erklärt: «In 224 Fällen handelte es sich 2017 um Hundebissverletzungen an Menschen.» Tipps, um einer Konfrontation mit solchen Tieren aus dem Weg zu gehen, gibt eine Broschüre (siehe Box).

Angst vor Hund? Ignorieren hilft!

Wenn Sie keinen Kontakt mit einem entgegenkommenden Hund aufnehmen wollen, ignorieren Sie ihn, und er wird Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls ignorieren.
 Das hilft: Machen Sie ruhige Bewegungen. Bleiben Sie still.
 Wenden Sie den Blick ab.
 Gehen Sie langsam weiter. Kommt der Hund zu Ihnen, lassen Sie ihn an Ihrer Hand schnuppern. Falls Sie ihn streicheln: nie mit der Hand von oben! Besser: seitlich oder von unten kommen, am Kinn oder der Wange streicheln.

Nach Aussage von Experten sind die meisten Attacken auf ein Abwehrbeissen des Hundes – die sogenannte defensive Aggression – zurückzuführen. Die Tiere greifen zu, weil sie Angst haben, erschreckt oder beim Fressen gestört werden. 

Opfer kennen Täterhunde meist

Werden Menschen angegriffen, kennen in 90 Prozent der Fälle die Opfer den Hund, weil er der Familie, Verwandten oder Nachbarn gehört. Attacken durch fremde Hunde beim Joggen oder Spazierengehen sind eher selten. 

Bei 70 bis 80 Prozent der Hundeattacken gegen Menschen werden Arme und Beine, in 10 bis 30 Prozent der Kopf und Hals verletzt. Dieser Bereich wird bei Kindern im Alter bis vier Jahre am häufigsten verletzt. Grössere Hunde können gar den Kopf eines Säuglings in die Schnauze nehmen und zubeissen. 

Eher Opfer statt Täter: Schosshündchen sucht Aufmerksamkeit.
Eher Opfer statt Täter: Schosshündchen sucht Aufmerksamkeit. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Über Details in unserer Region gibt der Veterinärdienst des Kantons Luzern keine Auskunft. Bekannt ist allerdings aus europaweiten Statistiken, dass die Verletzungen von Schürf-, Riss- und Quetschwunden über Abrissverletzungen bis hin zu schweren Gefässverletzungen und Schädel-Hirn-Trauma reichen. 

Aber auch leichte Bisse können gefährlich sein, weil über die Zähne und den Speichel der Hunde Krankheitskeime wie Staphylokokken, Streptokokken und Pasteurellen-Bakterien in die Wunde gelangen. In 10 bis 25 Prozent der Bisse kommt es danach zu Infektionen.

Beisser-Statistik 

Schäferhunde, Dobermänner, Rottweiler und grosse Mischlingshunde beissen am häufigsten und schwersten zu. Das liegt auch daran, dass diese schweren Hunde sehr beliebt und zahlreich vertreten sind. Aber auch kleinere Rassen wie Spitz, Schnauzer, Pekinese oder Dackel attackieren immer wieder Menschen. 

Ist’s der Killerinstinkt, der vor allem Kampfhunden in den Genen liegt? Der Grund für Hundeattacken sei vielmehr ein anderer: Viele Menschen, darunter auch Halter, hätten keine Ahnung von Hunden. Deshalb hatte man in der Schweiz einen Hundeführerschein eingeführt: National war ein Hundeführerschein Pflicht für alle ab dem 1. September 2008 neu angeschafften Hunde. 

Hundeführerschein von 2008 bis 2016

Ab 2010 war das Hundebrevet schon vor dem Kauf eines Hundes zu absolvieren, doch bereits 2016 schaffte das Parlament die Verordnung wieder ab; es konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Pflichtkurse zu einem Rückgang von Hundeangriffen geführt hatten. 

Sensibilisierung und Erziehung sind wichtig. Deshalb verweist Otto Ineichen auf die kantonale Hundeverordnung: Diese definiert in Luzern die Pflicht der Hundehalter, ihre Hunde zu warten und zu beaufsichtigen. Zudem legt sie Orte mit Betretverbot und solche mit Leinenzwang fest. 

Wer also einen Hund hält, hat Vorkehrungen zu treffen, damit dieser Menschen und Tiere nicht gefährdet. Hunde sind so zu halten, dass der Schutz der Öffentlichkeit gewährleistet ist. Damit nicht gefordert wird, den «besten Freund des Menschen» sofort «abzuknallen».

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