Geschäftsleiter Martin Mendel im Ausstellungsraum der Firma «Egli Bestattungen AG» am Hallwilerweg in Luzern. Zurzeit ist er auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter. (Bild: bic)
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Geschäftsleiter Martin Mendel im Ausstellungsraum der Firma «Egli Bestattungen AG» am Hallwilerweg in Luzern. Zurzeit ist er auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter. (Bild: bic)

«Die Leute staunen, wie vielseitig der Job als Bestatter ist»

7min Lesezeit

Ein Stelleninserat in der Zeitung macht neugierig: Bestatter gesucht. Ist der Job so spannend wie im TV-Krimi, oder doch eher altbacken? Worauf es dabei wirklich ankommt, weiss Martin Mendel, Geschäftsleiter eines Luzerner Bestattungsunternehmens.

Für welchen Job haben Sie sich als Letztes beworben? Haben Sie sich schon einmal überlegt, Ihrer bisherigen Tätigkeit den Rücken zu kehren und als Quereinsteiger etwas völlig Anderes zu machen?

Dann wäre vielleicht der Beruf des Bestatters das Richtige für Sie. Momentan ist eine Vollzeitstelle bei einem Luzerner Unternehmen ausgeschrieben. Doch wer ergreift diesen nicht alltäglichen Beruf überhaupt? Und wie schwierig ist es, geeignete Personen für die nicht alltägliche Tätigkeit zu finden? 

Ein eher moderner Berufszweig

Einer, der es wissen muss, ist Martin Mendel, Geschäftsleiter des Unternehmens «Egli Bestattungen AG» in Luzern. Seit über 50 Jahren begleitet die Firma Verstorbene und deren Angehörige auf dem letzten Weg.

Der Beruf des Bestatters ist vergleichsweise modern. Tönt irgendwie seltsam. Mendel erklärt: «Früher war die Bestattung vielerorts schlicht und einfach Aufgabe des Dorfschreiners. Dieser kam zu den Verstorbenen nach Hause, nahm Mass und zimmerte anschliessend einen Sarg.»

Heute sei man nicht mehr direkt an der Bestattung von Menschen beteiligt. Die Särge stellt die Firma Egli Sargproduktion heute in ihrer eigenen Fabrik in Beromünster her und liefert die Produkte, auch Urnen und Grabkreuze, in fast jeden Kanton. Sie funktioniert als eigenes Unternehmen, gehört aber ebenfalls dem Firmeninhaber Andreas Egli.

Geschäftsleiter Martin Mendel selbst ist eher durch Zufall Bestatter geworden. Der 44-Jährige arbeitete während 15 Jahren bei der Stadtpolizei Luzern. «Durch meinen Job bin ich zwangsläufig mit dem früheren Geschäftsführer in Kontakt gekommen», erinnert er sich.

Alle sind Quereinsteiger

Martin Mendel wurde angefragt, ob er sich die Arbeit als Bestatter vorstellen könne. Er arbeitete dann eine Zeit lang als stellvertretender Geschäftsleiter, ehe er vor gut zwei Jahren schliesslich den Posten des Chefs übernommen hat.

Mendels beruflicher Werdegang steht symbolisch für die aller seiner Mitarbeiter. «Die Leute, die bei uns arbeiten, sind alles Quereinsteiger. Sie stammen aus unterschiedlichen Branchen», erklärt Mendel. «Bei uns arbeiten Männer und Frauen mitunter aus sozialen Berufen, aus der Autobranche sowie zum Beispiel auch ein ehemaliger Maler.»

Viele Bewerbungen

Auf das jüngste Stelleninserat hätten sich diverse Personen gemeldet, zeigt sich Mendel zufrieden. Ob allerdings die oder der Richtige dabei ist, werde sich weisen müssen. Er ist aber zuversichtlich, schon bald jemanden zu finden.

«Eigentlich kann jeder eine Bestattungsfirma gründen. Dies kommt leider immer wieder vor.» 

Martin Mendel

Der Berufseinstieg als Bestatter sei jedenfalls keineswegs alltäglich und bedürfe einer sehr sorgfältigen Einarbeitung. «Aus Pietätsgründen können wir nicht einfach Leute zum Schnuppern einladen», sagt Martin Mendel. Er müsse also bereits im persönlichen Gespräch eindeutig feststellen können, ob sich eine Person für den Beruf eigne.

Berufstitel ist nicht geschützt

«Beim Bestatterberuf geht es im Vergleich zu anderen Branchen auch stärker um ‹learning by doing›», führt Mendel aus. Der Beruf des Bestatters als solcher wird in der Schweiz nicht als Lehre angeboten.

Es gibt also auch keine entsprechende Schule wie in anderen Branchen. Der Berufstitel des «Bestatters» ist daher rechtlich auch nicht geschützt. Ganz im Gegenteil zu Deutschland, wo es diesen offiziell gebe, wie Martin Mendel erklärt.

«Eigentlich kann jeder ein Bestattungsunternehmen gründen. Dies kommt leider immer wieder vor», sagt er. Das Einzige, was man von Seiten der Behörden benötige, sei eine Zulassung für das Fahren des Bestattungswagens. Viele Betriebe seien jedoch entsprechend rasch wieder verschwunden.

«Es ist eine dankbare Arbeit.»

Mittlerweile gibt es aber einen eidgenössischen Fachausweis, den man sich erarbeiten kann. «Einer unserer Mitarbeiter absolvierte diesen zweijährigen, nebenberuflichen Lehrgang und schloss diesen im Frühling mit Bravour ab», sagt Mendel stolz. Angeboten und anerkannt wird dieser vom Schweizerischen Verband der Bestattungsdienste (SVB). Die Verantwortung für die Ausbildung liegt aber vollends in den Händen der einzelnen Unternehmen.

Hat die Ausbildung zum Bestatter absolviert: David Beeler.
Hat die Ausbildung zum Bestatter absolviert: David Beeler. (Bild: zVg)

Vielseitige Kompetenzen sind wichtig

Auch müsse man vielseitige Kompetenzen mitbringen. Gute IT-Kenntnisse sind ebenso wichtig wie organisatorische Fähigkeiten und das Beherrschen möglichst vieler Sprachen. «Vor allem aber muss jemand Grundanstand, Pietät und Empathie, sowohl den Verstorbenen wie auch den Hinterbliebenen gegenüber, mitbringen», so Mendel.

Die meisten Leute wüssten gar nicht, was man als Bestatter alles machen müsse, und würden immer staunen, wie vielseitig dieser Job sei, so Martin Mendel. Ein Bestatter muss die Verstorbenen waschen, schön und – falls gewünscht mit persönlichen Sachen – einkleiden und anschliessend im Sarg bequem einbetten. Manchmal wird der Sarg auch noch mit Blumen ausgeschmückt. «Deshalb braucht man als Bestatter handwerkliches Geschick und Sinn für Ästhetik», sagt Martin Mendel.

«Man muss anderen Menschen helfen wollen»

Der Bestatter unterstützt die Angehörigen aber auch bei der Organisation der Beisetzung und beim Verfassen von Traueranzeigen, Leidzirkularen oder Danksagungen. Diese kann die Firma Egli Bestattungen AG in ihren Büros an verschiedenen Orten im Kanton Luzern selber professionell drucken. «Man muss also auch organisieren können», ergänzt Mendel.

«Bei Personen, die sich für die Stelle bewerben, muss ich spüren, dass bei ihnen ein Bedürfnis besteht, anderen Menschen zu helfen.» Denn hier liege die Kernaufgabe eines Bestattungsunternehmens, sagt er. «Wir haben das Privileg, dass wir Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten und die Angehörigen in diesem schweren Moment unterstützen können. Es ist eine dankbare Arbeit.»

Drei Bestattungen – pro Tag

Dass Mendel auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter ist, erstaunt nicht. Denn das Unternehmen ist ausgelastet. Durchschnittlich etwa hundert Bestattungen fallen pro Monat allein bei der Firma Egli Bestattungen an. Um die Arbeiten zu erledigen, hat Mendel acht Festangestellte. Hinzu kommen fünf Personen, die je nach Bedarf aufgeboten werden. 

Gibt es auch Erlebnisse, die ihn geprägt haben? «Sehr nahe geht unser Beruf einem immer, wenn es sich um verstorbene Kinder handelt», sagt Mendel. Aber auch, wenn Menschen keine Angehörigen haben, die sich für sie interessieren (lesen sie dazu unseren Beitrag).

«In solchen Fällen wohnt jemand von uns der Beerdigung bei. Es geht nicht, dass gar niemand vor Ort ist. Egal, was dieser Mensch getan oder nicht getan hat in seinem Leben», sagt der Geschäftsleiter mit Nachdruck. Dies komme zum Glück aber nur selten vor. 

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