Beim Brand des Hotels Schlüssel stieg viel Rauch auf. (Bild: isa)
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Beim Brand des Hotels Schlüssel stieg viel Rauch auf. (Bild: isa)

Brand im Hotel Schlüssel: Soll man Küchenkräuter noch essen?

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In der Luzerner Innenstadt ziehen immer mehr Leute eigene Pflanzen auf dem Balkon oder im Innenhof. Nach dem Brand im Hotel Schlüssel stellt sich die Frage, ob diese noch geniessbar sind. Sollten nach dem Feuer Ablagerungen zu sehen sein, wird von einem Verzehr der Kräuter und Früchte gewarnt.

Carlo Schuler

Letzte Woche brannte das Hotel Schlüssel in Luzern (zentralplus berichtete). Der Rauch hat sich mittlerweile längst verzogen. Eine Frage bleibt: Wie schlimm sind derartige Brände eigentlich für die Gesundheit von Leuten, die in der Nähe wohnen oder sich dort aufhalten? Und wie sieht es für die Umwelt in der Umgebung aus? Balkongärtnern ist gerade auch in Innenstädten angesagt. Können städtische «Veranda-Gärtner» ihren auf der Terrasse selbstgezogenen Basilikum und ihre «seltene Arten»-Tomaten noch problemlos verzehren? Und was ist mit der Erde im Topf oder im kleinen Garten vor dem Haus: Bleiben da vielleicht gar giftige Substanzen zurück?

Nach Auskunft von Markus Portmann von der Feuerwehr der Stadt Luzern kam es letztes Jahr auf Stadtgebiet zu ungefähr 10 bis 20 Bränden, die in Sachen Umweltbelastung als «grössere Fälle» zu bezeichnen sind. Portmann gibt zu bedenken, dass zum Beispiel auch der Vollbrand eines Kleinbusses sehr grosse Rauchwolken nach sich ziehen kann. Grund genug, um mal nach den Umweltauswirkungen solcher Brände zu fragen.

Keine Luftmessungen vor Ort

Peter Bucher von der Dienststelle für Umwelt und Energie des Kantons Luzern stellt auf Anfrage gleich mal klar, dass es beim Brand des Hotels Schlüssel vor Ort keine Luftmessungen gab. Das war etwa beim Brand der Zuger Kantonalbank im Sommer 2014 anders. Zufälligerweise befand sich damals der Brandort in unmittelbarer Nähe zur Messstation beim Zuger Postplatz. Die seinerzeitigen Messergebnisse ergaben, dass vor allem die Feinstaubwerte während den Stunden des Brandes sehr stark angestiegen waren.

Im Fall des Luzerner Hotels Schlüssel wurden bei den in einiger Entfernung liegenden Messstationen an der Moosstrasse und auf dem Sedel zur fraglichen Zeit keine Auffälligkeiten festgestellt. Diese beiden Messungen bezogen sich auf den Ausstoss von Feinstaub und Stickstoffdioxid. 

«Bei Brandfällen kann man eben nicht davon ausgehen, dass nur unbedenkliche Materialien verbrennen.»

Peter Bucher, Dienststelle für Umwelt und Energie

Gemäss Peter Bucher stellt sich die Frage, was genau man denn messen wolle. Solche Messungen seien in einem Fall wie diesem nur sehr bedingt aussagekräftig. Man habe es ja zumeist mit einer heterogenen, ständig wechselnden Rauchfahne zu tun. Zudem stelle sich die Frage der Interpretation: Was genau ergebe sich etwa als Folgerung, wenn ein bestimmter Langzeitwert zum Beispiel während einer Stunde zwanzigfach überschritten werde? «Bei Brandfällen kann man eben nicht davon ausgehen, dass nur unbedenkliche Materialien verbrennen», sagt Bucher.

Husten und Reizungen der Atemwege möglich

Gelblicher Rauch und Russ würden jeweils auf eine «unsaubere» Verbrennung von bedenklichen Materialien hindeuten. Immerhin sei anzunehmen, dass die Risiken in der Regel lokal auf die nähere Umgebung konzentriert und zeitlich begrenzt seien. In der Nachbarschaft zum Brandort sei es durchaus denkbar, dass die Leute mit Husten und Reizungen der Atemwege auf das Ereignis reagieren könnten. Aufgrund der relativ kurzen Einwirkungszeit sollten diese Belastungen normalerweise aber nicht zu bleibenden Gesundheitsschäden führen. 

Und welche Folgen hat ein solches Ereignis für die Umwelt in der näheren oder weiteren Umgebung? Falls in der näheren Umgebung Staub- und Russablagerungen sichtbar seien, so müsse man davon ausgehen, dass in diesen tatsächlich Spuren von toxischen Substanzen vorhanden seien, meint Peter Bucher. Da stelle sich natürlich die Frage, wieviel davon via Pflanzen in die Nahrungsmittel gelangen können. Personen, die in der näheren Umgebung Küchenkräuter auf dem Balkon ziehen, wären in diesem Falle wohl tatsächlich gut beraten, diese nicht zu verwenden.

Das Feuer brach in einer Dachwohnung der Liegenschaft aus.
Das Feuer brach in einer Dachwohnung der Liegenschaft aus. (Bild: Luzerner Polizei)

Abschliessend verweist Peter Bucher auf ein grundsätzliches Problem. Zu klären, wo genau und in welchen Mengen nach einem solchen Ereignis Ablagerungen von Schadstoffen vorhanden seien, wäre jeweils nur mit extremem Aufwand realisierbar. Das Gleiche gelte auch für die Frage, was für konkrete Massnahmen in Sachen Sanierung vorzunehmen seien. Einfacher sei das Ganze in Bezug auf belastetes Löschwasser und die möglicherweise toxischen Reste der Brandruine. Derartige Abfälle seien als Sondermüll zu entsorgen.

Gemüse zumindest gründlich waschen

Rolf Krebs, Leiter des Institutes für Umwelt und natürliche Ressourcen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erklärt, dass beispielsweise bei der unvollständigen Verbrennung von Kunststoffen unerwünschte Schadstoffe, wie polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder Dioxine und Furane entstehen können. Dioxine sind Umweltgifte und können entstehen, wenn chlorhaltiges Material (zum Beispiel PVC) verbrannt wird.

Umweltwissenschafter Krebs rät Personen, die in der Umgebung eines Brandobjektes wohnen, dort gezogenes Gemüse oder sonstige Pflanzen vor dem Essen zumindest gut zu waschen. «Damit sollte nach meiner Einschätzung eine direkte Gefährdung für die meisten Fälle ausgeschlossen werden können.»

Falls aber eine grössere Menge an Asche oder Brandrückständen auf die für das Gärtnern verwendete Erde gelangte, so seien die dort gewachsenen Nahrungsmittel zu entsorgen und ein Austausch der betroffenen Erde zu empfehlen. Für eine detaillierte Abschätzung und für die Vornahme von differenzierteren Massnahmen müsste dann eine genauere Abklärung des jeweils betroffenen Standortes vorgenommen werden.

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