Das alte Haus kommt weg und wird zusammen mit der Brache überbaut. (Bild: jwy)
Gesellschaft Wohnen

Das alte Haus kommt weg und wird zusammen mit der Brache überbaut. (Bild: jwy)

Für 50 Millionen entsteht in Reussbühl ein neues Quartier

7min Lesezeit

Beim Reusszopf, wo die Kleine Emme und die Reuss zusammenfliessen, fällt der Startschuss für das neue Reussbühl. Damit will man nicht Familien ansprechen, sondern flexible, urbane Leute, welche die Nähe zur Boomregion Luzern Nord suchen.

Wo heute noch ein mit Gras überwachsener Kiesplatz brachliegt, werden bis in vier Jahren die Bagger auffahren: Rund 80 neue Mietwohnungen und 1300 Quadratmeter Gewerbeflächen werden hier in nächster Nähe zum Fluss und zum Seetalplatz gebaut. Hauptsächlich die Baugenossenschaft Reussbühl und drei weitere Grundeigentümer investieren 47 Millionen Franken in das neue Quartier Reussbühl Ost.

Die Verkehrs- und Infrastrukturbauten rund um das Gebiet Seetalplatz sind abgeschlossen, die Überbauung Reusszopf ist der Startschuss für das neue Gesicht Reussbühls. Denn erst der Hochwasserschutz und die verkehrsberuhigte Hauptstrasse durch den nördlichsten Stadtteil machten es überhaupt möglich, dass hier ein neues Wohnquartier entsteht.

Attraktive Wohnungen zu fairen Mietpreisen will die Genossenschaft hier bauen, ein «identitätsstiftendes Zentrum», das Leben ins Quartier bringt und mit der Umgebung vernetzt ist.

Die Gegend ist geprägt durch die Lage der zwei Flüsse, die hier zusammenkommen, und durch ihre industrielle Vergangenheit an der Grenze von Luzern und Emmen. Nun wird das «Eingangstor zur Stadt», wie es die Initianten nennen, aus seinem Dornröschenschlaf erweckt.

Visualisierung: So wird das neue Quartier Reusszopf mit dem fünfgeschossigen Bau aussehen.
Visualisierung: So wird das neue Quartier Reusszopf mit dem fünfgeschossigen Bau aussehen.

Fünfstöckiger Bau schirmt Strasse ab

Marcel Zosso, Präsident Baugenossenschaft Reussbühl, ist überzeugt: «Das ist eine fantastische Lage, ein optimal vernetzter Lebensraum.» Er spricht einerseits von der optimalen Anbindung an den Verkehrsknotenpunkt Seetalplatz, aber auch ans ÖV- und Velonetz. Zudem sind in Fussdistanz die Reuss, der Bahnhof Emmen, die neue Sommerbar Nordpol oder das Kino Maxx zu erreichen.

Marcel Zosso über das Projekt:

 

Das Bauprojekt des Luzerner Architektenteams von Lütolf und Scheuner hat sich im Wettbewerb gegen vier Konkurrenten durchgesetzt. Es beinhaltet im Kern einen fünfstöckigen Längsbau. Dieser schirmt als Blockrandbebauung das Wohnquartier gegen die Flussseite und damit gegen den Lärm der neuen dicht befahrenen Umfahrung Reusszopfstrasse ab.

Daneben ist ein vierstöckiges Einzelhaus in Richtung der ruhigen Hauptstrasse vorgesehen, das eher dörflichen Charakter hat. Dort bildet sich der Kern des neuen, verkehrsberuhigten Quartiers Reussbühl. Vis-à-vis der bestehenden alten Shedhalle der CKW werden die neuen Gebäude und Grüninseln so angeordnet, dass sie eine «hofartige Atmosphäre» bilden und sich zum bestehenden Wohnquartier öffnen.

Die beiden Quartiere Reussbühl West und Ost – getrennt durch die verkehrsberuhigte Hauptstrasse.
Die beiden Quartiere Reussbühl West und Ost – getrennt durch die verkehrsberuhigte Hauptstrasse. (Bild: zvg)

Welche von den bestehenden Gebäuden in Zukunft stehen bleiben und welche nicht, ist noch nicht im Detail klar. Das hängt auch von weiteren Grundstückeigentümern ab. Zwei Häuser sind geschützt, sicher bleibt auch das Hochhaus stehen. Direkt angrenzend an die neue Überbauung stehen auch das Restaurant Reusszopf und das neu geplante Quartierrestaurant der Sinnvoll Gastro (zentralplus berichtete).

Das neue Quartier Reusszopf will nicht primär Familien anziehen, sondern bietet «flexible Wohnformen für flexible Leute», also hauptsächlich 2,5- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen. Zosso sagt, dass damit aber nicht nur junge Leute gemeint sind, sondern auch solche «im dritten Lebensabschnitt», also ältere Leute, die sich nach der Pensionierung neu orientieren.

Die neue verkehrsberuhigte Hauptstrasse durch Reussbühl.
Die neue verkehrsberuhigte Hauptstrasse durch Reussbühl. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Velogeschäft, Cafés oder …?

Das Projekt biete in «hochwertiger und nachhaltiger Architektur» preisgünstige Mietwohnungen und zudem in den Parterre-Flächen Raum für Gewerbebetriebe und Start-ups sowie Freiräume mit urbanem Charakter, heisst es. Die Dienstleistungsflächen werden je nach Bedürfnissen der zukünftigen Mieter ausgebaut – denkbar ist genauso ein Velogeschäft wie Ateliers.

Zosso brachte es mit einem Seitenhieb gegen die Stadt so auf den Punkt: «Das Gewerbe soll das Minimum abdecken, so viel, wie uns die Stadtplanung aufschiebt.» An einer Gebäudeecke des Längsbaus – zum Seetalplatz und zum Fluss orientiert – soll eine neue Kaffeebar entstehen, die den Ort belebt.

Der grösste Grundeigentümer ist die Baugenossenschaft Reussbühl, sie wird sich mit den drei weiteren Grundeigentümern jetzt zu einer neuen Baugesellschaft zusammenschliessen. Zosso hofft, dass bis 2022 die Bauarbeiten beginnen, und er machte keinen Hehl daraus, dass er sich von der Stadt mehr Tempo erhofft.

Marcel Zosso, Präsident Baugenossenschaft Reussbühl, zeigt, wo bald gebaut wird.
Marcel Zosso, Präsident Baugenossenschaft Reussbühl, zeigt, wo bald gebaut wird. (Bild: jwy)

Startschuss zu etlichen Überbauungen

Die Stadt Luzern stellt momentan den Bebauungsplan Reussbühl Ost fertig und ist dazu mit verschiedenen Grundeigentümern im Gespräch. Ziel ist, bis zu den Sommerferien 2018 den Bebauungsplan zur Vorprüfung beim Kanton einzureichen. Ende 2019 soll er zur Genehmigung eingereicht werden, danach können die Überbauung «Reusszopf», aber auch weitere Bauprojekte umgesetzt werden.

Auch auf der anderen Strassenseite in Reussbühl West ist Grosses geplant, das hat die Stadt Luzern bereits 2016 angekündigt (zentralplus berichtete). Davon ist bis jetzt allerdings nichts zu sehen.

800 Wohnungen soll es in Reussbühl in den nächsten 20 Jahren geben, zudem erhält auch die alte Shedhalle eine neue öffentliche Nutzung. Weiter sind in der nahen Viscosistadt und auf dem Seetalplatz neue Überbauungen geplant, insgesamt erhält Luzern Nord über 3000 neue Bewohner und 4000 neue Arbeitsplätze.

Der Reusszopf hat seinen Namen, durch die beiden Flüsse, die hier zusammenkommen.
Der Reusszopf hat seinen Namen durch die beiden Flüsse, die hier zusammenkommen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

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