Toni Bucher, Verwaltungsratspräsident der Pilatus Arena AG, zeigt auf das Hochhaus. (Bild: jal)
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Toni Bucher, Verwaltungsratspräsident der Pilatus Arena AG, zeigt auf das Hochhaus. (Bild: jal)

Pilatus-Arena: 104-Meter-Turm schon heute umstritten

10min Lesezeit

In Kriens soll eine neue Sport- und Eventhalle entstehen. Gebaut von privaten Investoren, mitfinanziert durch 350 Wohnungen. Teil des Projektes ist ein 104-Meter-Turm. Für die Investoren besteht hier kein Spielraum. Doch genau darauf hofft der Krienser Gemeindepräsident Cyrill Wiget – denn das Hochhaus in dieser Höhe wird auf Opposition stossen.

In Kriens nimmt das nächste Megaprojekt konkrete Züge an. Diesen Montag präsentierten die Verantwortlichen das Siegerprojekt für die Pilatus Arena. Die Sport- und Eventhalle soll die neue Spielstätte des HC Kriens werden, aber zugleich auch Trainingsplatz für zahlreiche Vereine aus dem Breitensport sowie für Schulen sein (zentralplus berichtete).

Damit die Halle mehrheitlich ohne Steuergeld finanziert und betrieben werden kann, planen die Verantwortlichen eine «Quersubventionierung». In zwei Hochhäusern entstehen insgesamt 350 Wohnungen. Während der eine Turm beim Mattenplatz gut 50 Meter in die Höhe ragt, wird der Turm beim Mattenhof-Bahnhof mit knapp 104 Metern zum grössten Wohnhaus der Zentralschweiz.

Bevölkerung entscheidet wohl mit

Das dürfte für Gesprächsstoff sorgen, sind doch Hochhäuser bekanntlich oft ein heisses Eisen. Bis die Bagger auffahren, dürfte es aber sowieso noch rund zwei Jahre dauern. Zunächst braucht es einen Bebauungsplan sowie eine Anpassung des Zonenplanes, worüber der Krienser Einwohnerrat und bei einem allfälligen Referendum auch die Bevölkerung entscheiden wird.

Toni Bucher ist Verwaltungsratspräsident der Pilatus Arena AG, die extra für dieses Projekt gegründet wurde. Der langjährige Chef des Bau- und Immobilienunternehmens Eberli Sarnen AG hat seinerzeit bereits die Realisierung der Swissporarena begleitet. Im Interview spricht er über die Unterschiede zur Pilatus Arena, mögliche Stolpersteine in Kriens und die Sorge vor leerstehenden Wohnungen.

zentralplus: Herr Bucher, Herzstück der geplanten Pilatus-Arena ist eine neue Sport- und Eventhalle. Welches Konzert möchten Sie dereinst hier besuchen?

Toni Bucher: Wir müssen versuchen, Konzerte mittlerer Grösse nach Luzern zu bringen. Deshalb würde mir persönlich nicht ein riesiges Rock- oder Popkonzert, sondern ein Konzert im kleinen Rahmen schampar gut gefallen. Eine bestimmte Band habe ich aber spontan nicht im Kopf.

Die geplanten drei Bauten sowie der Boulevard, vom Mattenhof-Bahnhof aus gesehen. (Visualisierung: Raumgleiter AG, Zürich)
Die geplanten drei Bauten sowie der Boulevard, vom Mattenhof-Bahnhof aus gesehen. (Visualisierung: Raumgleiter AG, Zürich)

zentralplus: Was überzeugt Sie am Siegerprojekt am meisten?

Bucher: Das ist der städtebauliche Aspekt. Die Ansprüche an dieses kleine Grundstück waren sehr gross, denn es muss viel darauf Platz haben. Das Siegerprojekt hat dies am besten erfüllt. Es sieht sehr gut aus und passt ins Quartier.

«Man muss nicht erschrecken, die 104 Meter, das ist einfach eine Zahl.»

zentralplus: Ursprünglich war die Rede von einem 80-Meter-Turm. Nun wird das Hochhaus über 100 Meter hoch – da ist sogar der Gemeindepräsident etwas erschrocken (siehe Box unten). Schiesst man übers Ziel hinaus?

Die Fakten zur Pilatus Arena

  • Projekt: Sport- und Eventhalle für 4’000 Zuschauer, zwei Hochhäuser mit 349 Wohnungen und 2’000 Quadratmetern für Gewerbe und Dienstleistungen sowie ein Parkhaus mit 194 Plätzen
  • Investoren: Helvetia Versicherungen und Eberli Sarnen AG
  • Kosten: Gesamtinvestitionen von über 200 Millionen Franken, davon fliessen 35 Millionen in den Bau der Halle
  • Beiträge: 3 Millionen vom Bund, 4 bis 6 Millionen aus dem Lotteriefonds des Kantons
  • Siegerprojekt: Giuliani Hönger Architekten Zürich
  • Baustart: soll 2019/2020 erfolgen

Bucher: Wir müssen zum einen der Stadt Luzern das Land für das Grundstück bezahlen, zum anderen den Bau der Halle finanzieren. Deshalb ist es nötig, dass wir für die Mantelnutzung eine gewisse Zahl an Wohnungen realisieren. Zudem bin ich überzeugt: Ob das Hochhaus 80 oder 100 Meter hoch ist, das sieht man von unten gar nicht. Wenn man es mit der Allmend vergleicht, wo das höhere Wohnhaus 88 Meter und 27 Stockwerke hoch ist: Hier bei der Pilatus Arena werden es etwa vier Etagen mehr, das spürt man kaum. Deshalb muss man nicht erschrecken, die 104 Meter, das ist einfach eine Zahl.

zentralplus: Sie glauben also nicht, dass dies zum Stolperstein werden könne?

Bucher: Nein, denn betreffend Hochhäuser sind wir in der Zentralschweiz noch sehr fürstlich bedient. In Basel plant man Türme mit bis zu 160 Metern Höhe, in Zürich gibt es auch etliche über 100 Meter. Deshalb glaube ich nicht, dass dies ein Stolperstein wird.

zentralplus: Bei den zwei Wohntürmen auf der Allmend sank die Höhe im Vergleich zum ursprünglichen Plan. Wie viel Spielraum gibt es diesbezüglich bei der Pilatus-Arena?

Bucher: Das geht hier eben nicht. Wir haben eine relativ knappe Kalkulation gemacht.

zentralplus: Also sind keine Kompromisse möglich?

Bucher: Nein, leider nicht. Ich würde gerne etwas runtergehen, aber wir erhalten kein Geld für den Betrieb der Halle, deshalb müssen wir das so machen.

Einblick in eine der geplanten Wohnungen. (Visualisierung: Raumgleiter AG, Zürich)
Einblick in eine der geplanten Wohnungen. (Visualisierung: Raumgleiter AG, Zürich)

zentralplus: Geplant sind 350 Wohnungen, ein Mix aus Miet- und Eigentumswohnungen. In welchem Verhältnis und in welchem Preissegment?

Bucher: Im höheren Turm wird es Eigentumswohnungen geben, beim kleineren wahrscheinlich Mietwohnungen. Aber wir müssen schauen, wie viele Wohnungen auf den Markt kommen.

zentralplus: Sie sprechen es an: Rund um die Kuonimatt werden enorm viele Wohnungen gebaut – manche Experten prophezeien Leerstand und sinkende Mieten (zentralplus berichtete). Gefährdet dieses Überangebot die Finanzierung der Pilatus-Arena?

Bucher: Nein, es ist ein sehr attraktives Wohngebiet. Mit der Nähe zum Naherholungsgebiet Allmend und mit der verkehrlichen Anbindung sind wir in einer sehr guten Lage. Ich glaube nicht, dass wir das Problem haben werden. Zudem machen wir im Unterschied zu den Überbauungen in der Umgebung mehrheitlich Eigentums- und keine Familienwohnungen. Also eher 2- und 3-Zimmerwohnungen. Denn rund 70 Prozent der Wohnungen werden belegt durch Alleinstehende oder Zwei-Personen-Haushalte.

zentralplus: Werden die Wohnungen preislich ähnlich teuer wie jene bei der Swissporarena?

Bucher: Natürlich müssen wir dafür sorgen, dass die Wohnungen nicht zu teuer sind, aber Konkretes kann ich dazu noch nicht sagen.

So soll die Pilatus-Arena aussehen:

 

zentralplus: Sie haben in Ihrer Funktion bei der Eberli Sarnen AG die Swissporarena realisiert. Die Pilatus-Arena nimmt sich dieses Projekt zum Vorbild. Wo bestehen die grössten Unterschiede?

Bucher: Bei der Swissporarena bestand die Mantelnutzung einfach nur aus Mietwohnungen. Das wird bei der Pilatus Arena durch die Gemeinschaftsräume in den unteren Geschossen anders. Dort sollen sich die Menschen begegnen – solche Konzepte sind, so glaube ich, die Zukunft. Es kann durchaus sein, dass da zum Beispiel ein Alterswohnheim entsteht. Wir sind dran, das zu entwickeln.

zentralplus: Was ist auf den 2’000 Metern Gewerbefläche geplant?

Bucher: Wir machen keine Ladenflächen und keinen Shoppingbereich. Diese Gewerberäume sind für Betriebe gedacht, die zu den Häusern gehören, wie beispielsweise ein Restaurant.

zentralplus: Abschliessend: Welches sind die grössten Hürden auf dem Weg zur Pilatus-Arena?

Bucher: Die Bau- und Zonenordnung ist mit Sicherheit die grösste Hürden. Wenn wir diesbezüglich Rechtssicherheit haben, kann nicht mehr viel passieren.

Krienser Gemeindepräsident: «Im ersten Moment bin ich erschrocken»

«Kriens hat sich immer als Sportstadt verstanden», sagte Gemeindepräsident Cyrill Wiget (Grüne) am Montagmorgen bei der Präsentation des Siegerprojekts. Doch gefragt, ob ihm die Halle mit den zwei Hochhäusern gefalle, zögert er einige Sekunden – und sagt dann: «Im ersten Moment bin ich etwas erschrocken, weil wir immer von 80 Metern ausgegangen sind.»

Der 104 Meter hohe Turm dürfte noch für Diskussionen sorgen, das weiss auch Cyrill Wiget. «Es kann dazu führen, dass es gewisse Opposition gibt.» Gerade deshalb brauche es die politische Diskussion und den Einbezug der Bevölkerung. 

Wiget glaubt denn auch nicht, dass betreffend Höhe das letzte Wort bereits gesprochen ist. Der Gemeindepräsident von Kriens verweist auf den Neubau der Swissporarena mit den zwei Wohntürmen. Das dortige Siegerprojekt sah zwei Hochhäuser mit bis zu 134 Metern Höhe vor – am Ende sind die Türme mit 77 und 88 Metern deutlich tiefer ausgefallen. «Man reduzierte auf ein Mass, das in einer Volksabstimmung eine Chance hatte. Ich könnte mir auch für die Pilatus-Arena einen Kompromiss vorstellen.» Dem erteilt Toni Bucher, Verwaltungsratspräsident der Pilatus Arena AG, allerdings bereits im Vorfeld eine Abfuhr (siehe Interview oben). 

Dilemma der Gemeinde und Dach als Platz

Um die wirtschaftlichen Zwänge weiss aber auch Cyrill Wiget. «Das ist ein Stück weit der Preis, den die Politik zahlt, wenn sie eine solche Halle nicht selber finanziert.» Deshalb sei er auch vorsichtig mit der Kritik an den Projektverantwortlichen – und spricht von einem Dilemma. «Entweder wir zahlen das aus dem Hosensack der Steuerzahler oder wir müssen den Investoren einen gewissen Spielraum geben.»

Für ihn ist deshalb entscheidend, wie das Projekt im Detail ausgearbeitet wird – und wo man den Sorgen der Bevölkerung entgegenkomme. Etwa, was die Aussenräume und -plätze betrifft. «Seitens des Gemeinderates bemühen wir uns darum, dass die Atmosphäre und die Wohnlichkeit stimmen.» Konkret kann das heissen, dass Spielplätze, Kitas, Grünflächen, ein Treffpunkt für ältere Menschen oder für Jugendliche entstehen. Womöglich sogar an einem ganz speziellen Ort. Auf dem Dach der Halle sehen die Architekten eine schachbrettartige Grünanlage vor. Cyrill Wiget spinnt den Gedanken weiter: «Mir ist es wichtig, dass man die Dachfläche benutzen kann – und dort vielleicht ein Café oder ein Spielplatz entsteht.»

Weitere Bilder finden Sie in der Galerie:

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