Mit dem traditionellen «Fötzeliräge» wurde die Fasnacht am vergangenen Donnerstag eingeläutet. (Bild: Emanuel Ammon, AURA Foto)
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Mit dem traditionellen «Fötzeliräge» wurde die Fasnacht am vergangenen Donnerstag eingeläutet. (Bild: Emanuel Ammon, AURA Foto)

Luzerner Fasnacht 2018: kein Jahr der Rekorde

6min Lesezeit

Die Drohungen auf weltpolitischer Bühne gingen auch an der Luzerner Fasnacht nicht spurlos vorbei. Neben deftigen Spitzen blieb es jedoch ruhig – zuweilen gar zu ruhig. So machte das schlechte Wetter der Wey-Tagwache einen Strich durch die Rechnung, stattdessen waren am Samstag- und Montagabend mehr Feiernde unterwegs.

Mit dem letzten Fasnachts-Highlight, dem Monschter-Korso der «Vereinigte» am Güdisdienstagabend, enden Luzerns rüüdige Tag für dieses Jahr. Wie immer liessen sich die Luzerner etwas einfallen – zu sehen gab es allerhand. Ghostbusters, Appenzeller, Kreuzritter, Putzteufel, Stormtrooper und Darth-Vader, Vampire, Trolle bis hin zu lebenden Senftuben (zentralplus berichtete).

Das knallbunte Treiben war durchaus auch politisch in diesem Jahr – zuweilen mit giftigen Spitzen. So zeigten sich wenig überraschend diverse Trumps auf den hiesigen Strassen. Die Wey-Zunft stellte mit ihrem aufsehenerregenden Wagen inklusive riesigem Raketenglacé die nicht ganz ernste Frage: «Wird die Welt von Affen regiert?» Die Zünftler thematisierten das laufende Kräftemessen zwischen Nordkoreas Diktator Kim Jong Un und dem amerikanischen Präsidenten. Mit dem Spruch «Sie pöbled met ihrne Waffe ond benämed sech wie die dumme Affe» machten sie sich über die beiden Politiker lustig.

Knallfrosch mit derben Spässen

Nicht nur die grosse Welt, auch National- und Lokalpolitik kamen zur Sprache. Die Rotsee-Husaren machten mit einer aufwendigen Wagenkomposition inklusive riesiger Bundesverfassung die Gründung des Schweizerischen Bundesstaates 1848 zu ihrem Motto. Das Fasnachts-Satire-Magazin Knallfrosch thematisierte die Car-Debatte in der Stadt. Sie verteilte unter dem Label «No Cars Parking in Lozärn» kurzerhand Parkschilder in der Innenstadt. Den Medienschaffenden im Maihof wurde ebenfalls wenig zimperlich an den Karren gefahren (zentralplus berichtete) – und auch zentralplus bekam sein Fett weg.

Der Knallfrosch ermöglicht neue Car-Parkplätze in der Luzerner Innenstadt.
Der Knallfrosch ermöglicht neue Car-Parkplätze in der Luzerner Innenstadt. (Bild: zvg)

Die Wilden ganz ordentlich

Nicht immer sonnige und zuweilen kalte Tage begleiteten die diesjährige Fasnacht. Richtig garstig war das Wetter am Montagmorgen mit intensivem Schneefall. Knapp 1’500 Personen besuchten am Güdismontag die Wey-Tagwache – im vergangenen Jahr waren es 4'000 rüüdige Fasnächtler. Der Besucheraufmarsch war dieses Jahr auch an den Umzügen bescheidener als 2017. Der Wey-Umzug am Montagnachmittag verzeichnete einen deutlichen Zuschauereinbruch – trotz Sonnenschein. Die Polizei zählte 36’000 Personen, 8’000 weniger als im Vorjahr.

Gleiches gilt für den Fritschi-Umzug: 25’000 bestaunten die vorbeiziehenden Highlights – das sind 11’000 weniger als 2017. Am Schmudo-Urknall waren gegen 15’000 Personen auf der Gasse. Peti Federer, Mediensprecher des Lozärner Fasnachtskomitee (LFK), betont jedoch, dass 2017 ein Rekordjahr mit Frühlingstemperaturen war. «Das war ein Allzeit-Hoch, die beiden Jahre kann man nicht miteinander vergleichen.»

Während die Fasnachtshöhepunkte der Zünfte geringer besucht waren, strömten laut der Polizei gegenüber 2017 leicht mehr Fasnachtsbegeisterte am Samstag- und Montagabend auf Luzerns Gassen. Trotz durchschnittlichem Wetter und Besucheraufmarsch zieht LFK-Sprecher Federer eine positive Bilanz.

«Nach dem katastrophalen Wetter an der Wey-Tagwache werden wir zum Abschluss mit strahlendem Wetter belohnt.»

Peti Federer, Mediensprecher LFK

Das LFK bat vor der Fasnacht sogenannte «Wilde Gruppen», welche nicht Teil des offiziellen Programms sind, zu Rücksichtnahme und Fairness bei den Umzügen. Der Aufruf hat offenbar Wirkung gezeigt: «Die Umzüge verliefen alle reibungslos und sehr diszipliniert.»

Hohe Verkleidungsdisziplin

Claudio Birnstiel, der mit der Formation «Chrööschpöntler» besonders die Beizenfasnacht bespielt, konnte in den warmen Stuben keinen abnehmenden Trend beobachten. Am verschneiten Güdismontag seien die Strassen am Vormittag jedoch tatsächlich beinahe menschenleer gewesen. Der Redaktionsmitarbeiter von zentralplus schätzt, dass die Luzerner Fasnächtler in den vergangenen Jahren wettertechnisch etwas gar verwöhnt wurden. «Es gibt viele Schönwetterfasnächtler, die nicht um jeden Preis gehen, wenn es etwas feuchter wird.» Aufgefallen ist Birnstiel, dass dieses Jahr wieder mehr Leute, insbesonderes auch Familien, verkleidet unterwegs waren. «Kaum jemand kam ohne Kostüm.»

Strahlend blauer Himmel zum Fasnachtsabschluss 2018.
Strahlend blauer Himmel zum Fasnachtsabschluss 2018. (Bild: ida)

Aus polizeilicher Sicht verlief die diesjährige Fasnacht sehr friedlich. Nur ein kritischer Vorfall gab es zu vermelden: Gegen Umzugsende kam es am SchmuDo bei der Seebrücke zu einem Unfall. Eine Frau wurde von einem Fasnachtswagen angefahren und kam zu Fall. Dabei verletzte sie sich und musste ins Spital gefahren werden.

Laut Sprecher Urs Wigger war auch die Nacht von Güdismontag auf Güdisdienstag mehrheitlich ruhig. «Es kam jedoch zu vereinzelten Festnahmen wegen Verdacht auf Taschendiebstahl.»

LFK-Medienchef Federer freut sich während den letzten Stunden besonders auf den Aufmarsch der Guuggen am Monster-Korso. «Nach dem katastrophalen Wetter an der Wey-Tagwache werden wir zum Abschluss mit strahlendem Wetter belohnt.» Bevor danach wieder der Alltag einkehrt in Luzerns Gassen, müssen nochmals die orangen Helden ran. Denn die Fasnacht wäre kaum zu bewerkstelligen ohne die Arbeit der fleissigen Putzmänner in der Stadt (zentralplus berichtete).

Eindrücke von Fotograf Emanuel Ammon vom SchmuDo:

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