Kim Joachim Un und Jürg W. Besser: So sieht der «Knallfrosch» das Traum-Duo. (Bild: zentralplus)
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Kim Joachim Un und Jürg W. Besser: So sieht der «Knallfrosch» das Traum-Duo. (Bild: zentralplus)

Eine Anklage im Deckmantel der Satire

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Es dürfte eines der Tratsch-Themen der Fasnacht sein: Die Abreibung des «Knallfrosch» an die Adresse des «Radio Pilatus»- und «Tele 1»-Chefs. Die Ton ist scharf, die Kritik happig. Ist das überhaupt noch Satire, wenn hier Interna verbreitet werden? Der Experte zweifelt.

Der «Knallfrosch» teilt nach allen Seiten aus, das weiss man und erwartet man von der jährlichen fasnächtlichen Satire-Postille. Heuer kam auch zentralplus mehrmals unter die Räder (zentralplus berichtete).

Nicht besser ergeht es der «Luzerner Zeitung», respektive dem «grossen Helden im LZ-Medienhaus». Auf einer Seite zieht der «Knallfrosch» über den «heimlichen Herrscher der Maihofstrasse 76» her: Führer Kim Joachim Un.

Der Text kommt einer persönlichen Abreibung gleich – mit einer Schärfe, die selbst für den «Knallfrosch» überrascht. Da wird in allen Details das Bild gezeichnet eines selbstverliebten Herrschers mit harter Hand: «Wer nicht loyal ist, fliegt oder verschwindet», er wünsche seinem Volk «Durchfall und Erbrechen» und «wehe jemand vertritt eine andere Meinung».

Ein Text im «Knallfrosch» gibt zu Reden.
Ein Text im «Knallfrosch» gibt zu Reden. (Bild: zentralplus)

Man braucht nicht viel Fantasie, um herauszufinden, wer gemeint ist: Joachim Freiberg, Leiter von «Radio Pilatus» und «Tele 1». Seit letztem Sommer besetzt er den neu geschaffenen Chefsessel der zusammengerückten Redaktionen (zentralplus berichtete).

Die Familie schrumpft

Der Leiter elektronische Medien Zentralschweiz wird in besagtem Text «König des bewegten Bildes» genannt. Ihm werden Inkompetenz vorgeworfen sowie eine 20-Stunden-Woche bei 100 Prozent Lohn. Sein Büro brauche er «nur bei Kündigungen langjähriger Mitarbeiter».

«Es wäre wohl nicht im fasnächtlichen Sinne, wenn wir dazu ernsthaft Stellung nehmen würden.»

NZZ-Gruppe

Zudem wehre er sich gegen Frauen in Führungspositionen. «Die Familie schrumpft. Das Traum-Duo hält sich wacker», heisst es weiter. Der zweite Genannte im Duo ist Jürg W. Besser – in Wirklichkeit Jürg Weber, Leiter Regionalmedien bei der NZZ. Zusammen hätten sie alle eliminiert, die ihnen zu gefährlich wurden, so der «Knallfrosch».

Ist das noch Satire?

Man kann trefflich streiten darüber, was Satire darf und wie lustig sie in diesem Fall ist. Doch ist es noch Satire, wenn der Text nicht von der Übertreibung lebt, sondern Tatsachen verbreitet?

Denn das Interessante an der ganzen Geschichte ist der Umstand, dass die Vorwürfe angeblich stimmen. Das bestätigen jedenfalls verschiedene Quellen, welche die Redaktion von «Radio Pilatus» kennen, aber nicht genannt werden wollen. «Die Infos stimmen, leider», sagt eine Person – inklusive der Fäkalsprache.

Joachim Freiberg (links) und Jürg Weber – Leiter elektronische Medien der Zentralschweiz und der Leiter Regionalmedien bei der NZZ.
Joachim Freiberg (links) und Jürg Weber – Leiter elektronische Medien der Zentralschweiz und der Leiter Regionalmedien bei der NZZ. (Bild: zvg)

Eine Quelle bestätigt die Vorwürfe im «Satire»-Artikel und fragt sich: «Es versteht niemand, wie sich jemand so lange als Chef halten kann, der sich gegenüber Mitarbeitenden immer wieder total respektlos verhält.»

Die Interna müssen direkt aus dem Umfeld des Senders kommen. Der Text im «Knallfrosch» sorgte im Umfeld von Radio Pilatus und Tele 1 für Erstaunen und einige Aufregung.

Autor bleibt geheim

Es drängen sich ein paar Fragen auf: Wer hat dem Knallfrosch die Geschichten gesteckt – oder den Text gar selber geschrieben? Wie steht es tatsächlich um die Führungsqualitäten des kürzlich beförderten Joachim Freiberg? Was sagt er zu den Vorwürfen? Und wie kommt der «Knallfrosch» zu diesen Interna und was bezweckt die Wey-Zunft als Herausgeberin damit?

«Der Text erscheint als anklagender Bericht im Deckmantel der Satire.»

Dominique Strebel, Studienleiter MAZ

Wer den Beitrag geschrieben hat, ist im «Knallfrosch» nicht ersichtlich – die Redaktion und die Autoren bleiben geheim. «Niemand darf und soll wissen, wer was schreibt», so die Losung. Der «Knallfrosch» hat sich selber auf die Fahnen geschrieben, Klatsch, Tratsch und Satire zu liefern, «spannend geschrieben – aber ohne üble Nachreden». Mehr wollen die Verantwortlichen dazu nicht sagen. Auch nicht, ob man hier allenfalls zu weit gegangen ist.

Joachim Freiberg selbst hat eine Anfrage an die Medienstelle der NZZ weitergeleitet. Dort heisst es lediglich: «Es wäre wohl nicht im fasnächtlichen Sinne, wenn wir dazu ernsthaft Stellung nehmen würden.» Es sei schliesslich das Privileg der Satire und der Zweck des «Knallfroschs», Personen oder Ereignisse auf die Schippe zu nehmen.

Keine A-Promis

Fragen wir noch bei zwei Experten nach – Medienjournalist Nick Lüthi sagt mit einem Augenzwinkern: «Wenn die Fakten in der Satire stimmen – vielleicht sogar recherchiert wurden –, umso besser.»

Er sieht grundsätzlich kein Problem mit dem Beitrag. Weil nur der Vorname genannt werde und die Figur kein A-Promi sei, sei ein gewisser Schutz geboten. «Ausserdem wiegen die Vorwürfe nicht allzu schwer, sondern liegen eigentlich alle im arbeitsrechtlichen Bereich. Kommt dazu, dass der Text praktisch nur für Insider verständlich ist», so Lüthi.

Im Deckmantel der Satire?

Gemäss Dominique Strebel, Studienleiter an der Luzerner Journalistenschule MAZ, muss auch bei einer Satire der Kern der Geschichte wahr sein: «Dass die Tatsachen, die einer Satire zu Grunde liegen, stimmen, schliesst Satire somit nicht aus.»

Er fragt sich aber, ob der genannte Text tatsächlich Satire ist, auch wenn er im Kontext einer satirischen Fasnachtszeitung erscheine. «Eher dagegen spricht der Text selbst», so Strebel. Weil er wenig satirisch-überhöht und vielmehr als «anklagender Bericht im Deckmantel der Satire» erscheine.

Der Betroffene könnte theoretisch wegen übler Nachrede (strafrechtlich) Strafanzeige erstatten oder wegen Persönlichkeitsverletzung (Zivilrecht) Klage einreichen. Doch wahrscheinlich wäre ein Erfolg nicht, so Dominique Strebel. Weil das Spöttische und Polemische gerade zu ihrer Natur gehöre, könne eine Satire auch «nur unter ganz erschwerten Voraussetzungen eine widerrechtliche Persönlichkeitsverletzung sein – nämlich dann, wenn sie die ihrem Wesen eigenen Grenzen in unerträglichem Masse überschreitet», zitiert er aus einem Bundesgerichtsurteil von 1994.  

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