Der wichtigste Denker unserer Region: Hans Küng, 89-jähriger Theologe, Priester und Autor aus Sursee. (Bild: zvg)
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Der wichtigste Denker unserer Region: Hans Küng, 89-jähriger Theologe, Priester und Autor aus Sursee. (Bild: zvg)

Küng, Hürlimann, Dobelli – auf diese Denker können wir stolz sein

5min Lesezeit

Luzern, die Leuchtenstadt? Nicht wirklich, was die einflussreichsten Menschen der Welt betrifft. In die neue Liste der wichtigsten Menschen schafft es aus unserer Region lediglich der Theologe Hans Küng. Der Priester und Autor aus Sursee ist Nummer 97, weit hinter dem Papst, dem Dalai Lama oder Bill Gates. Wie wichtig dabei wohl sein Twitter-Einfluss war?

Mathias Haehl

Obama schlägt Trump — zumindest in der Wikipedia-Bedeutung. Dies ist eines der Ergebnisse einer Big-Data-Analyse, die das von der Migros unterhaltene Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) gemeinsam mit dem MIT-Forscher Peter Gloor (MIT: Massachusetts Institute of Technology) durchgeführt hat. Die Resultate werden in Zusammenarbeit mit «The WorldPost»/«Washington Post» sowie der «HuffPost Arabi» präsentiert.

Die einflussreichsten Menschen derzeit sind Papst Franziskus, Linguist und «Messias der Linken» Noam Chomsky sowie Physiker Stephen Hawkins – genau: der mit den schwarzen Löchern. Wie in den Vorjahren dominieren spirituelle Menschen mit Sendungsbewusstsein: nebst dem Papst der Dalai Lama oder der «Chef-Atheist» Richard Dawkins. Wichtigster Unternehmer ist Bill Gates (Rang 7).

Sechste Liste

Bereits zum sechsten Mal in Folge hat das Zürcher GDI in einer Netzwerkanalyse die weltweit einflussreichsten Menschen ermittelt. Mit einer auf künstlicher Intelligenz basierenden Software wurden Twitter, Blogs und die Wikipediaeinträge analysiert. Die Untersuchung umfasst Vordenker sowie Menschen aus Politik und Showbusiness.

Die Daten der 2018er-Liste wurden laut GDI-Sprecher Alain Egli im September 2017 erhoben, aber erst jetzt just vor dem WEF-Forum in Davos veröffentlicht. «Es ist also eigentlich die 2017er-Liste», so Egli zu zentralplus.

Die letzte Schweizer Bestenliste wurde Ende 2016 gemacht. «Ein Update gibt es nicht, weil wir zu wenige Daten haben und Twitter zu wenig verbreitet ist bei uns», erklärt Egli. In der Schweiz bleibt Jean Ziegler am umtriebigsten, der Denker und Lenker. Architekten sind weiterhin wichtig: Jacques Herzog, Mario Botta und der spanischstämmige Doppelbürger Santiago Calatrava (weltweit ist er die Nummer 110) belegen die Plätze zwei bis vier. Die erste und damit wichtigste Schweizerin ist Künstlerin Pippilotti Rist auf Rang 6; weltweit ist es die für ihre Harry-Potter-Romane berühmte britische Autorin J. K. Rowling auf Platz 10.

Nur drei Zentralschweizer unter den Top 103

Der Wichtigste aus unserer Region ist der Surseer Theologe Hans Küng, der gleich hinter Christoph Blocher auf Rang 12 im Schweizer Ranking und im weltweiten auf Rang 97 (2012: Platz 48) steht. Gefolgt wird er vom Zuger Autoren Thomas Hürlimann (Nummer 29) und dem Luzerner GetAbstract-Gründer sowie Sachbuch-Autoren Rolf Dobelli (Nummer 73, zentralplus berichtete). Damit finden sich nur drei Zentralschweizer unter den Top 103 unseres Landes.

Nummer 29 der Schweiz: Der Zuger Autor Thomas Hürlimann, hier bei einer Lesung in Zürich.
Nummer 29 der Schweiz: der Zuger Autor Thomas Hürlimann, hier bei einer Lesung in Zürich. (Bild: Facebook: Zürich liest)

Doch Genugtuung bleibt, denn Luzern ist doch die Leuchtenstadt, oder? Genau: Der Kanton Luzern steht schweizweit an siebter Stelle in Sachen Humankapital, der Anteil der Personen mit Uni- oder Fachhochschulabschluss ist laut einer UBS-Studie weit über dem Durchschnitt. Damit besteht Hoffnung, dass der Nachwuchs in die Liste vordringen wird …

«Twitter kann Personen dabei helfen, ihre Ideen zu verbreiten, wird aber niemanden davon überzeugen, diese Ideen auch zu akzeptieren.»

Forscher Peter Gloor

Noch ein Wort zum mächtigsten Mann der Welt: Wer glaubt, US-Präsident Donald Trump habe seine Präsidentschaft ertwittert, irrt. Eine Datenanalyse des MIT-Forschers Peter Gloor zeigt: Egal, wie viele Tweets man absetzt, es verhilft einem nicht zu mehr Einfluss. «Twitter kann Personen dabei helfen, ihre Ideen zu verbreiten, wird aber niemanden davon überzeugen, diese Ideen auch zu akzeptieren», folgert Gloor.

Ruhm zählt auf Twitter mehr als Macht

Meinungen würden beim Konsum anderer Medien gebildet, zum Beispiel von YouTube-Videos oder Zeitungsartikeln. Bezeichnenderweise laufen Schauspieler, Musiker, Athleten und Sänger den Politikern denn auch den Rang ab, wenn es um die Zahl der Follower geht. Ruhm zählt auf Twitter mehr als Macht.

Rolf Dobelli ist ein Mann der Wirtschaft, der Philosophie und der praktischen Ratgeber.
Rolf Dobelli ist ein Mann der Wirtschaft, der Philosophie und der praktischen Ratgeber. (Bild: zvg/Luca Senoner)

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