«Rüüdiger» geht’s kaum: Die Zunftmeister, Weibel und Fähndriche stossen auf eine hoffentlich «verreckte» Fasnacht an. (Bild: bic)
Gesellschaft Fasnacht

«Rüüdiger» geht’s kaum: Die Zunftmeister, Weibel und Fähndriche stossen auf eine hoffentlich «verreckte» Fasnacht an. (Bild: bic)

Eintrinken im Schalander: Alle sind bereit für die Fasnacht

8min Lesezeit

Einige der wichtigsten Fasnachtsorganisationen versammelten sich am Montagabend im Schalander der Brauerei Eichhof. Es war der offizielle Auftakt zur Fasnacht 2018 für die Luzerner Zünfte und das Fasnachtskomitee. Neben den eher blassen Zunftmeistern stach vor allem ein Zürcher Komiker hervor. Aber auch die Politik kam nicht ungeschoren davon.

Der sogenannte Schalander, die Firmenkantine der Brauerei Eichhof, ist festlich dekoriert. Unzählige Schweizerfähnchen und die Wimpel der Luzerner Zünfte zieren die gedeckten Festbänke. Bald schon werden sie von Herren in schwarzen Anzügen in Beschlag genommen.

Ein Tisch steht leicht erhöht auf einem Podest. Die exklusive Tafel ist den wichtigsten Herren des Abends vorbehalten: den frischgebackenen Zunftmeistern der Luzerner Zunft zu Safran und der Weyzunft, dem Dominus der Fidelitas Lucernensis und den Gesellschaftspräsidenten der Maskenliebhaber Gesellschaft.

Ein Saal voller «Huerenaffe»

Zu Gast ist auch der Gallivater der Krienser Gallizunft. Zu ihnen gesellt sich Erik Jan Hamel, Chef von Heineken Schweiz und somit Gastgeber des gestrigen Abends. Die Eichhof-Brauerei lädt seit Jahrzehnten zur Begrüssung der neuen Zunftmeister und der Fasnachtsgewaltigen – wie sie sich nennen – in den Schalander ein.

Organisator des jährlich stattfindenden Anlasses ist das Luzerner Fasnachtskomitee (LFK) mit Präsident Marcel Manetsch. Die Mehrheit der Anwesenden setzt sich aus Vertretern der verschiedenen Teilkomitees des LFK zusammen.

Natürlich darf auch die Guggenmusig nicht fehlen: die Alte Garde der Noteheuer sorgte für die nötige Kakaphonie.
Natürlich darf auch die Guuggenmusig nicht fehlen: Die Alte Garde der Noteheuer sorgte für die nötige Kakophonie. (Bild: bic)

Diese organisieren beispielsweise den Fasnachtsmärt unter der Egg oder sind für einen reibungslosen Ablauf der grossen Umzüge am Schmutzigen Donnerstag und Güdismontag zuständig.

«Die Stadt hat uns hier Verkehrsinseln hingestellt, die sie fast wie Denkmäler behandelt.»

 Daniel Abächerli, Umzugschef

In der Sprache der Versammelten handelt es sich bei ihnen um sogenannte «Huereaffe». Ihnen gilt der Abend. Weiter sind einige Altherren der Zünfte sowie Vorstände und Delegierte anwesend. Der Schalander ist bis auf den letzten Platz gefüllt.

Man soll sich kennenlernen

Die meisten von ihnen sind das erste Mal dabei. «Es geht bei diesem Anlass darum, dass sich die verschiedenen Beteiligten kennenlernen und ‹Duzis› machen können», sagt LFK-Präsident Marcel Manetsch. Denn sie müssten vor und vor allem während der Fasnacht eng zusammenarbeiten. Gemeinsam sollen sie sich bei Bier und einem Nachtessen auf die «rüüdigen Tage» einstimmen.

Die Huereaffe sind Mitglieder der vier Zünfte. Jede von ihnen stellt ein Kontingent von zehn Personen, die anschliessend Einsitz in den Komitees nehmen, erklärt LFK-Präsi Manetsch.

Umzüge mit neuer Route …

Neben den traditionellen gegenseitigen Ehrbekundungen der neuen Zunftmeister, die sich gegenseitig hochnehmen, werden am traditionellen Schalander jeweils die wichtigsten Änderungen und Neuerungen während der Fasnacht vorgestellt.

Zwei nennenswerte Neuerungen gibt es während der Ausgabe 2018. Eine davon ist die geänderte Umzugsroute. Sie führt dieses Jahr das erste Mal anstatt über die Hirschmattstrasse durch die Winkelriedstrasse zum Helvetiagärtli.

«Luzern hat ein neues offizielles Fasnachtsbier.»

Erik Jan Hamel, Chef Heineken Schweiz

«Die Stadt hat uns hier Verkehrsinseln hingestellt, die sie fast wie Denkmäler behandelt», stichelt Umzugschef Daniel Abächerli gegen die städtische Verkehrspolitik. Deshalb wurde eine Änderung der Route notwendig.

… und alt-neuem Konzept

Neben der geänderten Route will man dieses Jahr am Umzug zudem wieder freie Gruppen mitmachen lassen. Dies, nachdem solchen im letzten Jahr die Teilnahme verweigert wurde.

«Die Fasnacht ist offen und für alle da», so Umzugschef Abächerli in seiner kurzen Laudatio. Im Gegensatz zu anderen Orten sei man in Luzern sehr tolerant, was freie Gruppen betrifft.

«Wir werden aber ein Auge auf Gruppen haben, welche nicht in den Umzug passen und keinen Mehrwert liefern», ergänzte er. Mit ihnen werde man allenfalls vor Ort das Gespräch suchen.

Eine für alle Fasnächtler wichtige Änderung stellte der Niederländer und Heineken-Schweiz-Chef Erik Jan Hamel gleich zu Beginn des Abends vor. «Wir werden das beliebte Retro-Bier dieses Jahr extra für die Fasnacht in Dosen abfüllen. Luzern hat nun ein neues offizielles Fasnachtsbier», sagt er vor den begeisterten «Huereaffe» und den anderen Gästen.

Kantonsfinanzen auch an Fasnacht ein Thema

Aufs Korn nahm der neue Weyzunftmeister und Grossstadtrat Jörg Krähenbühl (SVP) auch die kantonale Finanzpolitik. «Im Grossen Stadtrat arbeiten wir sehr effizient und müssen nicht ständig übers Geld diskutieren. Das gefällt mir an dieser Aufgabe», ruft er zum Vergnügen der Anwesenden ins Mikrofon.

«Würde man von den Kantonsparlamentariern für die vergeudeten Stunden der ewig dauernden Budgetdebatten eine Strafsteuer einziehen, wären die finanziellen Probleme des Kantons wohl gelöst», so Krähenbühl närrisch.

Fussball-WM als Rahmenprogramm

«Tätschmeischter» und Moderator Mike Hauser war die Ehre zuteil, komödiantisch durch den Abend zu führen. Neben den offiziellen Rednern wurde so, passend zum «rüüdigen Anlass», auch für die Lachmuskeln etwas geboten.

Zusammen mit den beiden Luzerner Fussballlegenden Kudi Müller und dem FCL-Meisterspieler und amtierenden U21-Nati-Trainer Heinz Moser analysierte Hauser die drei Gegner der Schweiz an der kommenden Fussball-WM: Brasilien, Costa Rica und Serbien.

Unterstützt wurde Hauser dabei von Komiker und Moderator René Rindlisbacher. Dies war auch notwendig. Rindlisbacher brachte neben den doch etwas blass und reserviert wirkenden Experten deutlich Pfeffer in die Bude.

Kudi Müller konnte einem fast leid tun

Nicht ohne dabei regelmässig auf den Mann zu spielen. Kudi Müller konnte einem fast ein wenig leid tun. Denn irgendwie hatte sich Rindlisbacher auf ihn eingeschossen. «Das würde man ihm nicht geben. Eher 80», gab er, angesprochen auf Müllers baldigen 70. Geburtstag, zur Antwort. Johlendes Gelächter im Saal.

Geballte Fussballkompetenz: René Rindlisbacher, Kudi Müller, Mike Hauser und Heinz Moser (v.l.n.r)
Geballte Fussballkompetenz: René Rindlisbacher, Kudi Müller, Mike Hauser und Heinz Moser (v.l.n.r) (Bild: bic)

Auch wenn die beiden Ex-Fussballer immer wieder versuchten, das Thema auf die Gruppengegner zu lenken, schaffte es Rindlisbacher, andere Aspekte ins Zentrum zu rücken.

Wie zum Beispiel Mike Hausers – in Rindlisbachers Augen – eher unglückliche Vergangenheit als Präsident des FC Luzern. Dies brachte den sonst ziemlich redegewandten Hauser ein ums andere Mal doch etwas in Verlegenheit.

Ruhig und gesittet

Trotz der grossen Menge Bier blieb die Stimmung im Saal bis zum Schluss gesittet. Sie war fröhlich, aber keineswegs überschwänglich.

Die Zunftmeister und die «Huereaffe» vereint im Schalander.
Die Zunftmeister und die «Huereaffe» vereint im Schalander. (Bild: bic)

Ist es einfach dem Montagabend geschuldet? Oder schlicht und einfach die Ruhe vor dem grossen Sturm? Etwas wird im Bierkeller trotzdem rasch klar: Die Anwesenden sind bereit für die Fasnacht. Die Vorfreude war jedenfalls mit den Händen greifbar.

Denn in Luzern geht’s schon sehr bald los. Der Schmutzige Donnerstag fällt dieses Jahr bereits auf den 8. Februar.

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