Der Samichlaus blickt zurück auf das Jahr 2017.  (Bild: Alexander Raths / Fotalia)
Gesellschaft

Der Samichlaus blickt zurück auf das Jahr 2017. (Bild: Alexander Raths / Fotalia)

Hohoho: Der zentralplus-Samichlaus sagt hui und pfui

12min Lesezeit

Zum 6. Dezember blickt der zentralplus-Samichlaus zurück auf die Sternstunden und Ablöscher des Jahres 2017 im Kanton Luzern. Er verteilt Mandarinen für die inspirierenden Taten und übt Tadel bei den Unholden.

Schweren Ganges bewegen die Chläuse sich heuer wieder mit roten Mänteln und grosser Kutte durch die Luzerner Quartiere und reden dem Luzerner Nachwuchs ins Gewissen (zentralplus berichtete).

Wir finden, auch die Erwachsenen haben Lob und Tadel verdient. Deshalb haben wir die Geschehnisse des turbulenten Jahres Revue passieren lassen und eifrig Notizen gemacht.

Wir verteilen Ruten 🏏 und Mandarinen 🍊 an Politik, Wirtschaftsleute, Sportler und Kulturschaffende. Hohohoho – los geht’s!

Politik

🏏: Die Regierung für schlechte Kommunikation

Die erste und dickste Rute geht an die Luzerner Regierung. Sie sparte auf Kosten von Familien mit tiefen und mittleren Einkommen bei der Prämienverbilligung (zentralplus berichtete). Rund 7’700 Haushalte erhielten dafür nachträglich eine zuweilen saftige Rechnung gegen Ende Jahr (zentralplus berichtete). Die Betroffenen fielen aus allen Wolken. Da ist die Regierung ordentlich ins Fettnäpfchen getreten.

Viele weitere Luzerner litten unter den Sparmassnahmen. Doch gegenüber den Betroffenen zeigte die Regierung wenig Sensibilität. «Der Lohn eines Künstlers ist der Applaus», verkündete Regierungsrat Reto Wyss im Luzerner Theater – während draussen die Bevölkerung gegen die Kulturkürzungen protestierte. Und nur wenige Wochen später klopften sich die Herren im Rahmen der Legislatur-Halbzeitbilanz auf die Schultern. Ob der unschönen Tadelliste fallen dem Samichlaus glatt die Barthaare aus.

Die Luzerner Regierung (von links: Guido Graf, Reto Wyss, Marcel Schwerzmann, Robert Küng und Paul Winiker) an der Dezembersession im Kantonsrat.
Die Luzerner Regierung (von links: Guido Graf, Reto Wyss, Marcel Schwerzmann, Robert Küng und Paul Winiker) im Kantonsrat. (Bild: pze)

🏏: Die Öko-Allianz in der Causa Musegg-Parking

Das schlagkräftige Bündnis von Grünen, GLP und SP in der Stadt Luzern sorgt bei den Bürgerlichen für rote Köpfe. Der Einsatz für den öV ist legitim – doch der Furor der Öko-Allianz gegen das Musegg-Parkhaus nimmt zuweilen bizarre Züge an. Jüngstes Beispiel: das Bauverbot unter der Museggmauer, das gegen den Willen von Stadtrat und den Parteien CVP, SVP sowie FDP durchgedrückt wurde.

Das fadenscheinige Argument, dass dieses Gesetz primär dem Schutz der historischen Mauer dient, ist wenig glaubwürdig. Vielmehr ging es der Öko-Allianz wohl darum, das umstrittene Musegg-Parking zu verunmöglichen (zentralplus berichtete). Die grünen Parteien und die Sozialdemokraten sind euphorisiert von den neuen Machtverhältnissen. Dass das politische Trio dabei nicht auf die kommende Volksabstimmung vertraut, sondern unnötige Paragrafen produziert, wirkt übereifrig.

🍊: Inseli-Initianten

Den Kampf für ein carfreies Inseli führten sie beherzt und mit Erfolg: Die Jungsozialisten unter ihrem zurückgetretenen Präsidenten Yannick Gauch errangen in der Stadt Luzern mit ihrer Initiative einen Sieg an der Urne (zentralplus berichtete). Gegen den Widerstand aus Wirtschaft, Tourismus und Teilen der Politik entsteht nun zusätzliche Grünfläche im Stadtzentrum. Wohl zum ersten Mal vermochten die Jusos eine mehrheitsfähige Lösung zu präsentieren. Und dabei kämpfte die Jungpartei ohne Provokation, sondern mit der Kraft des Arguments für ihr Anliegen.

Für ihre Abstimmungskampagne vermochte die Jungpartei unter anderem alt Stapi Urs W. Studer und Ex-Stadtrat Ruedi Meier einzuspannen. Keine schlechte Leistung – dafür darf herzhaft eine Mandarine gegessen werden.

Wirtschaft

🍊: Montana-Direktor Fritz Erni

Kaum ein Wirtschaftszweig verspürt in Luzern einen derartigen Aufschwung wie der Tourismus. Und besonders hervorgetan hat sich in diesem Jahr der Montana-Hoteldirektor Fritz Erni. Der innovative Chef des Art Deco Hotel arbeitet seit über 20 Jahren im gleichen Haus. Ob weibliche Polterabende oder hochmoderne Küche: Erni bleibt am Ball.

Fritz Erni holt in Basel seine Auszeichnung ab.
Fritz Erni holt in Basel seine Auszeichnung ab. (Bild: zvg)
 

Für seine erfolgreiche Arbeit wurde er gleich doppelt ausgezeichnet: Unter seiner Warte wurde das Montana dieses Jahr zum besten Viersternehotel der Welt gekürt und Ende November wurde Erni zum Hotelier des Jahres gewählt (zentralplus berichtete).

🏏: Villen-Besitzer Jørgen Bodum

Er ist ein ganz schlimmer Schingel: Der norwegische Unternehmer Jørgen Bodum lässt die zwei wunderschönen Villen in seiner Wahlheimat seit Jahren einfach verlottern (zentralplus berichtete). Stur und mit dem Gewicht seines Geldes tanzt er der Öffentlichkeit und der Stadtregierung auf der Nase herum.

Trotz zweimaliger Intervention aus der Besetzerszene, aber auch von Architekten, einem Denkmalpfleger und Stadtpolitikern bewegt sich Bodum kein Jota. Es hat sich seit vergangenem Frühling nichts getan – noch immer siechen die Häuser einsam dahin (zentralplus berichtete). Und Bodum zeigt sich kaum bereit für den Dialog mit den Medien und der Öffentlichkeit. Vielleicht braucht es wieder einmal einen Schmutzli, der sich der Sache annimmt?

Sport

🍊: Eishockey-Star Lara Stalder

Sie sorgt mit ihren Toren im Mekka des Eishockeys für Furore: Die 23-jährige Luzernerin Lara Stalder spielt die schwedische Frauenliga (SDHL) schwindlig und ist auch in der Schweizer Nationalmannschaft zur Teamleaderin gereift. «Unsere Top-Stürmerin», adelte sie der «Blick» Ende November. Zuvor spielte sie in den USA für die UMD Bulldogs (zentralplus berichtete).

Ein wunderbarer Penalty-Treffer von Lara Stalder:

 

Seit sie diese Saison bei Linköping HC spielt, hat sie in 22 Partien 26 Treffer erzielt. Sie ist damit die beste Torschützin der SDHL. Ende November schauten im Stadion stolze 5’000 Zuschauer zu, als Stalder einen fulminanten Auftritt hinlegte. Weiter so!

 🏏: FCL-Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu

Es passierte in der 86. Spielminute – der FCL-Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu foulte Gegenspieler Raoul Petretta zu Hause gegen Basel und kassierte Rot. Sein sinnlos brutales Einsteigen beim Spielstand von 3:1 für die Basler wurde von der Disziplinarkommission mit drei Pflichtspielsperren belegt. Der Mittelfeldspieler mit kosovarischen Wurzeln fällt just in einem sportlich kritischen Moment aus – die letzten beiden Saisonspiele bleibt er auf der Tribüne und noch immer droht dem FCL die rote Laterne.

🍊: FCL-Torhüter Jonas Omlin

Während sich über dem FCL die Wolken verdunkeln und vielleicht schon bald Sturmböen aufziehen, bleiben dennoch sportliche Lichtblicke. Das 23-jährige Eigengewächs Jonas Omlin stieg als neue Nummer 1 erst im vergangenen Frühling in die grossen Fussstapfen von Dave Zibung. Während die Verteidigung wie kürzlich gegen Lausanne einen zerrütteten Eindruck macht, holt Omlin das Beste raus.

Als Jonas Omlin vor zwei Jahren seine Premiere im Luzerner Tor feierte, ging noch alles schief. Andere hätten vielleicht danach den Kopf hängen lassen, er nicht. Omlin kämpfte für seinen Platz im Team unentwegt, darunter ein Jahr als Söldner in Le Mont.

«Bin jedes Mal zu 100 Prozent parat»: FCL-Goalie Jonas Omlin, hier im Spiel gegen die Grasshoppers in Zürich.
«Bin jedes Mal zu 100 Prozent parat»: FCL-Goalie Jonas Omlin, hier im Spiel gegen die Grasshoppers in Zürich. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Und dass er sich trotz der vielen Probleme im Team gegen den zuverlässigen Veteranen Zibung durchsetzen konnte, zeugt ebenfalls von mentaler Stärke (zentralplus berichtete). Für seinen beherzten Einsatz hat sich der Sarner definitiv einen warmen Applaus von den Fans in Blau-Weiss verdient. Und einen grossen Sack Süssigkeiten vom Samichlaus.

Kultur

🍊: Protestierende Kulturschaffende

Es war kein einfaches Jahr für die Luzerner Kulturschaffenden: Nachdem die Träume für ein neues Theaterhaus Ende 2016 zerschlagen wurden, zog neues Ungemach auf: Die Sparwalze aus der Luzerner Politik überfuhr die taumelnden Künstler. Doch die Szene liess sich nicht unterkriegen – im Gegenteil.

Das gesamte zweite Halbjahr hinweg fielen die Künstler mit kreativen Protestaktionen auf. Man erinnere sich an den sehr nassen Protestmarsch (zentralplus berichtete), eine lautstarke Demo oder den bitterbösen Imagefilm für Luzern. Man kann anderer Meinung sein als die Betroffenen – aber fehlendes politisches Engagement ist ihnen nicht abzusprechen. Eine 🏏 gibt es dennoch für die Kulturschaffenden: Denn es bleibt unverständlich, weshalb die Künstler erst einschritten, als die Steuererhöhung vor dem Volk bereits gescheitert war.

Die Protestaktion nutzte den Auftakt des Lucerne Festival, um Aufmerksamkeit für ihr Anliegen zu gewinnen.
Die Protestaktion nutzte den Auftakt des Lucerne Festival, um Aufmerksamkeit für ihr Anliegen zu gewinnen. (Bild: jwy)

 🏏: Das kneifende Lucerne Festival

Damit kommen wir zu den Protestbrechern: Das Lucerne Festival unterstützte grundsätzlich die Aktion, als die Luzerner Kultur baden ging. Sie empfing gar die Protestteilnehmer. Auch am Abend wurden vor dem KKL Flyer verteilt, man stelle sich durchaus auf die Seite der Protestierenden.

Aber die zunächst geplante Protestpause während des Konzerts fand nie statt. Während auf Dutzenden Bühnen eine Protestpause eingelegt wurde, spielte das Royal Philharmonic Orchestra unter Charles Dutoit sein Programm ohne Unterbruch. Man hat sich «aus Rücksicht auf unsere Partner» dazu entschieden, das Konzert nicht zu unterbrechen. Das ist ziemlich feige und wenig konsequent. Der Samichlaus ist «not amused».

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