Wie viele dürfen’s sein? Touristen am Schwanenplatz. (Bild: Aura)
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Wie viele dürfen’s sein? Touristen am Schwanenplatz. (Bild: Aura)

Tourismus in Luzern: Wie stark soll die Stadt steuern?

7min Lesezeit

Der Tourismus in Luzern floriert. Man meckert zwar gern über Asiaten, profitiert aber von ihrem Geld. Nun fordern die Grünen eine Vision und bringen eine Begrenzung des Tourismus ins Spiel. Auch der Experte sieht Handlungsbedarf – und der Tourismusdirektor befürchtet eine Planwirtschaft.

«Die Folgeprobleme des Tourismus kommen auch bei uns, die Frage ist nur, wann.» Diesen bemerkenswerten Satz sagte Tourismusprofessor Jürg Stettler jüngst an einem Podium von Luzern Tourismus (zentralplus berichtete). Er setzte mit seinen Prognosen und der Forderung nach einem Masterplan das Thema des Abends. Denn verstopfte Altstadt, steigende Mieten und immer mehr Uhrengeschäfte, wer kennt die Klagen nicht?

Das Thema ist jetzt mit Verzögerung auch in der Politik angekommen. Die Grüne Partei der Stadt Luzern fordert eine Vision für den Tourismus in Luzern im Jahr 2030. In einem Vorstoss verlangt die Partei vom Luzerner Stadtrat, dass dieser zusammen mit Luzern Tourismus und unter Einbezug der Bevölkerung mögliche Massnahmen diskutiert (zentralplus berichtete).

Bessere Steuerung der Ströme

Dem würde wohl niemand widersprechen – brisanter wird’s in den Details: «Die Stadt Luzern wird nicht umhinkommen, eine Steuerung des Tourismus zu diskutieren», heisst es. Dazu würden auch Maximalwerte zu touristisch genutzten Wohnungen (Airbnb), Carparkplätzen oder Hotelkapazitäten gehören. «Ebenso sind Möglichkeiten zu einer Steuerung über den Preis und für eine räumliche Entflechtung zu erwägen.» Sprich: eine Entlastung des Tourismus-Knotenpunkts am Schwanenplatz/Grendel, denn in die Neustadt bewegen sich die wenigsten Touristen.

«Wir wollen darüber diskutieren, wenn es noch nicht zu spät ist.»

Korintha Bärtsch, Grüne

Für Korintha Bärtsch, Fraktionschefin der Grünen im Stadtparlament, sind das lediglich Diskussionsvorschläge und noch keine pfannenfertigen Forderungen. «Es geht uns darum, dass Luzern vorbereitet ist, wenn plötzlich zwei- oder dreimal so viele Touristen kommen. Was schliesslich aus der Diskussion resultiert, können wir noch nicht sagen.» Ob es besser sei, wenn sich nicht mehr alle Touristen an den wenigen Hotspots aufhalten, darüber gingen auch in ihrer Partei die Meinungen auseinander.

Das Wachstum ist sicher

Sämtliche Prognosen gehen davon aus, dass der Tourismus noch stark wächst – auch in Luzern. Die Stadt Luzern zählt momentan jährlich rund 8 Millionen Tagesgäste, exakte Messungen sind aber schwierig. Schätzungen der Hochschule Luzern – Wirtschaft gehen davon aus, dass sich diese Zahl bis 2030 auf 14 Millionen erhöhen könnte. Denn das globale Wachstum von Reisenden, speziell aus dem asiatischen Raum, ist rasant. So ist der Tourismus im Kanton Luzern alleine in den letzten zehn Jahren um fast 20 Prozent gewachsen.

«Wir brauchen bessere Datengrundlagen über die Touristenfrequenzen.»

Jürg Stettler, HSLU

Für die Grünen sind in Luzern jetzt Massnahmen nötig, damit der Tourismus auch in Zukunft die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung finde. «Im Moment ist die Stimmung noch gut», sagt Korintha Bärtsch. «Aber wir wollen darüber diskutieren, wenn es noch nicht zu spät ist.» Und diese Diskussion müsse von der Politik angestossen werden, denn Luzern Tourismus als Marketingorganisation sei nicht die richtige Instanz, wenn es um mögliche Regulierungen geht.

In Szenarien denken

Jürg Stettler von der Hochschule Luzern begrüsst es, wenn seine ersten groben Schätzungen zu einer höheren Sensibilität beim Thema führen. Und er findet darum auch den Vorstoss der Grünen sinnvoll. «Wir brauchen eine genauere Vorstellung vom Tourismus der Zukunft und müssen vermehrt in Szenarien denken», so der Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft.

Denn was momentan fehle, seien genaue Zahlen und gute Messmethoden bezüglich der Tagestouristen, hier sieht Jürg Stettler Handlungsbedarf. «Wir brauchen qualifizierte Datengrundlagen über die Touristenfrequenzen.» Dazu gehören Antworten auf Fragen wie: Wie bewegen sich Touristenflüsse? Wie ist ihre räumliche und zeitliche Verteilung unter Berücksichtigung der Kapazitätsgrenzen? Und was hat das für Folgen?

Erst wenn man bessere Grundlagen habe, könne man sich mögliche Lenkungsmassnahmen überlegen. Und auch den (potenziellen) Unmut aus der Bevölkerung verstehen.

Korintha Bärtsch, Jürg Stettler (Mitte) und Marcel Perren.
Korintha Bärtsch, Jürg Stettler (Mitte) und Marcel Perren. (Bild: zvg/Montage zentralplus)

Bessere Messmethoden

Deshalb begrüsst es Stettler auch, wenn die Exekutive – sprich der Stadtrat – in dieser Sache aktiv wird. Aber auch Luzern Tourismus sieht er in der Pflicht, das Vorausschauen gehöre ebenso zum Auftrag der Vermarktungsorganisation. «Wir von der Hochschule Luzern sind daran, für Luzern Tourismus Methoden zu entwickeln, wie wir Touristenfrequenzen künftig besser messen können», so Stettler.

Es ist ein erster und wichtiger Anfang, der zeigt, dass das Bewusstsein vorhanden ist.

Touristen besser verteilen

Für den Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren kommt die politische Forderung nicht überraschend: «Wie jedes Unternehmen denken auch wir strategisch und überlegen uns, wie der Tourismus der Zukunft aussieht», sagt er. Arbeitsgruppen befassen sich damit und mit der Stadträtin Franziska Bitzi sitzt auch die Politik im Verwaltungsrat von Luzern Tourismus.

«… dann sind wir schnell in der Planwirtschaft.»

Marcel Perren, Tourismusdirektor

Das Thema sei also keineswegs neu – und man mache auch schon viel, etwa um Touristen dazu zu animieren, länger in der Region zu bleiben oder den Tourismus besser übers Jahr zu verteilen. «Die Auslastung der Hotels in Luzern liegt übers Jahr gesehen bei 70 Prozent – lediglich in den Spitzenmonaten ist sie bei 90 Prozent», so Perren.

Luzern Tourismus befürchtet Planwirtschaft

Die Begrenzung, die im Vorstoss mitschwingt, hält Perren aber für den falschen Weg. «Wenn wir über eine Steuerung mittels diktierter Preise diskutieren, sind wir schnell in der Planwirtschaft, das ist nicht in unserem Sinn und Geist.» Zudem würden die Hotels jetzt schon mit variablen Preisen die Auslastung steuern – Hotelzimmer sind im Winter günstiger als im Sommer. «Das Gesamtsystem muss stimmen und wir sind im Austausch mit der Bevölkerung und der Politik, um das Bewusstsein dafür zu stärken», so Perren.

Zudem, so der Tourismusdirektor: «Wenn Gäste von weither kommen, wollen sie einfach die Highlights sehen, wir wollen Touristen nichts verbieten, schliesslich sind wir eine gastfreundliche Tourismusstadt.»

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