Uno spielen im Lift: Szene aus dem Video zum Crowdfunding der Stiftung Contenti. (Bild: zvg)
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Uno spielen im Lift: Szene aus dem Video zum Crowdfunding der Stiftung Contenti. (Bild: zvg)

Contenti braucht 3,5 Millionen für den Umzug ins Himmelrich

4min Lesezeit

Die Luzerner Stiftung Contenti sucht Geld: 3,5 Millionen Franken braucht sie, um ihr neues Zuhause in der Himmelrich-Siedlung zu finanzieren. Nun startet sie ein Crowdfunding für einen grösseren Lift. Dieser soll die Rollstuhlfahrer aber nicht nur transportieren.

Ein Lift, das ist für Bruno Ruegge nicht nur ein Transportmittel, um vom Erdgeschoss in die oberen Etagen zu kommen. «Der Lift ist ein Ort der Begegnung, der mögliche Beginn einer Bekanntschaft», sagt der Geschäftsleiter der Stiftung Contenti. Doch damit es zum Schwatz kommt, müssen mindestens zwei Leute Platz haben. Und das ist bei Leuten im Rollstuhl, mit denen Ruegge tagtäglich zu tun hat, nicht immer möglich.

Deshalb sammelt Contenti mit einem Crowdfunding nun 30’000 Franken. So viel kostet ein extragrosser Lift, wie ihn die Stiftung in ihrem neuen Zuhause einbauen möchte. Denn 2019 wird die Stiftung ihre Wohnplätze in die neue Himmelrich-Siedlung am Rande der Luzerner Neustadt dislozieren. 

Kartenspiel im Lift

Den Grosslift braucht es nicht, weil die Rollstuhlfahrer sonst gar nicht in ihre Wohnungen kämen. «Ein Standardlift funktioniert, aber aus Platzgründen müssten unsere Leute immer alleine Lift fahren», sagt Ruegge. 

Es ist ein Projekt, das den Leitgedanken der Contenti-Stiftung zum Ausdruck bringt: Menschen mit Behinderung nicht auszuschliessen. «Wir müssen uns nichts vormachen: Leute, die zum ersten Mal Menschen mit Behinderung zum Nachbarn haben, wissen nicht genau, was zu tun ist.» Kann man sich mit der Person unterhalten? Versteht sie ein normales Gespräch? Muss ich etwas helfen? Oder ist das eben gerade nicht angebracht? «Der Lift ist ein Ort, wo möglicherweise ein Gespräch anfängt und diese Schwelle überschritten wird.»

«Eine Tränendrüsen-Geschichte hätte womöglich mehr Spenden generiert.»

Bruno Ruegge, Geschäftsleiter Stiftung Contenti

Am Donnerstag hat Contenti im Bleichergärtli den Startschuss für die Aktion gegeben. Es ist das erste Crowdfunding der Stiftung Contenti. Ein Experiment, wie Ruegge sagt. Das Video dazu hat die Luzerner Filmemacherin Antonia Meile realisiert. Es ist ein lustiger Film, mit Menschen, die im Lift Karten spielen oder die Champagnerkorken knallen lassen.

Die Stiftung Contenti

Die Stiftung Contenti wurde 1988 gegründet und bietet Arbeits- und Wohnplätze für Menschen mit einer Behinderung. Der Betrieb kostet jährlich vier Millionen Franken, wovon der grösste Teil von der öffentlichen Hand finanziert wird. Einen kleinen Umsatz erwirtschaftet die Stiftung mit ihren Dienstleistungen, beispielsweise dem Verpacken und Etikettieren von Briefen oder dem Digitalisieren von Fotos. 

«Eine Tränendrüsen-Geschichte hätte womöglich mehr Spenden generiert», sagt Ruegge. «Aber wir wollen eben genau nicht das Bild vermitteln, dass Menschen mit Behinderung Mitleid brauchen.» 

Innenausbau selber finanzieren

Die 30’000 Franken sind nur ein kleiner Teil einer Riesensumme, welche die Stiftung stemmen muss. Denn Contenti wird zwar vom Kanton finanziert, für den Umzug gibt’s aber kein Extrageld (siehe Box). «Es wäre unklug, diese Chance ungenutzt zu lassen, nur weil der Kanton eine leere Kasse hat», sagt Bruno Ruegge.

Die neuen Zimmer sind mit 24 Quadratmetern gerade doppelt so gross wie die bisherigen im Bruchquartier. Weil das gesamte Gebäude neu erstellt wird, konnte Contenti den Grundriss auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Heisst: Es gibt breitere Korridore, Studiozimmer mit einem eigenen WC, einen grossen Begegnungsraum – insgesamt vier Wohngemeinschaften für jeweils fünf Personen. 

Contenti-Leiter Bruno Ruegge.
Contenti-Leiter Bruno Ruegge. (Bild: Matthias Troller)

Mit der Allgemeinen Baugenossenschaft hat man einen zuvorkommenden Partner gefunden. Die Vereinbarung: Contenti finanziert den Innenausbau selber und bezahlt dadurch weniger Miete. 

Insgesamt braucht die Stiftung dafür 3,5 Millionen Franken. Aktuell hat man bereits knapp 2,4 Millionen beisammen. Für eine kleine Organisation wie Contenti «kann sich das sehen lassen», sagt Ruegge. Ein kleiner Teil davon umfasst Kleinspenden, der namhafte Teil kommt aus Beiträgen grosser Stiftungen zusammen sowie dank Zusagen von Baufirmen, das Projekt zu unterstützen. Bis zum Einzug am 1. August 2019 hofft Contenti, den Rest aufzubringen. 

Die Arbeitsplätze von Contenti bleiben im Bruchquartier. «Unsere Bewohner erhalten also einen Arbeitsweg, man wird in Luzern mehr Rollstuhlfahrer sehen», sagt Ruegge stolz. Denn auch das entspricht seiner Philosophie: Menschen mit Behinderung auf dem Weg zur Arbeit – wie alle anderen auch.  

Das Video von Antonia Meile zum Contenti-Crowdfunding: 

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