So könnte es bald aussehen, wenn die Entlebucher Bänkli (rechts) in Luzern einfallen. (Bild: Montage zentralplus)
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So könnte es bald aussehen, wenn die Entlebucher Bänkli (rechts) in Luzern einfallen. (Bild: Montage zentralplus)

Ein Banküberfall raubt den Luzernern den Humor

5min Lesezeit

Sitzbänke halten die Stadt Luzern in Atem. Entweder, weil das Geld dafür fehlt, sie aus Wiener Plastik gefertig sind oder weil sie plötzlich und unerwünscht auftauchen. Das Beispiel eines unerlaubten Eindringlings aus Entlebuch liefert schlechten Anschauungsunterricht. Dafür eine gute Story.

Es ist zu gut, um wahr zu sein: Rebellen vom Lande überbringen in Nacht und Nebel ein handgefertigtes, mit echtem Schweiss und wahrer Leidenschaft geschaffenes Geschenk an die Obrigkeit der Stadtregierung.

Denn diese, so denkt man am Fusse des Napf, hat in ihrem progressiven Wahn völlig den Bezug zum regionalen Handwerk verloren – und setzt für ihre Sitzmöbel auf Österreicher Plastik statt auf Eiche, die über Jahrzehnte dem Entlebucher Wind und Wetter getrotzt hat.

Doch der gemeine Hinterländer hat wenig Feingefühl und kennt seinerseits die standesrechtlichen Gepflogenheiten des urbanen Raumes nicht. Er fragt fatalerweise nicht nach, ob das Geschenk denn auch erwünscht ist.

Ist es nicht – und so haben wir die eindrücklichste Illustration des Stadt-Land-Grabens seit langem.

Ba-Ba-Banküberfall

So wie oben beschrieben, könnte es überspitzt abgelaufen sein, als Verantwortliche der Biosphäre Entlebuch letzte Woche den Sitzbank-Test auf dem Luzerner Kornmarkt mit ihrem eigenen Bänkli «ergänzten» (zentralplus berichtete). Dort stehen bekanntlich seit einer Weile acht in Form und Farbe sehr eigenwillige Sitzmöbel für die Bevölkerung zum Testen.

Doch der spontane Entlebucher «Bank-Überfall» kam bei der Stadt gar nicht gut an: Mit einer trockenen Aufforderung, das Ding abzuräumen sowie der Androhung einer Busse, wurde den Entlebuchern schriftlich gedroht. Was bei diesen – man müsste es ahnen – nicht eben gut ankommt.

Die Entlebucher Bank auf dem Kornmarkt.
Lange stand sie nicht da: die Entlebucher Bank auf dem Kornmarkt. (Bild: zvg)

Regeln sind Regeln sind Regeln

Die Stadtraumverantwortlichen standen den Entlebucher Bänkliproduzenten in Sachen Tatendrang um nichts nach. Und so steht das Bänkli seit Freitagabend nicht mehr im öffentlichen Raum, sondern wurde ins Stadthaus gesperrt.

Die Story schlug Wellen, seit zentralplus am Freitag darüber berichtete. Der verantwortliche Entlebucher, Biosphären-Direktor Theo Schnider, bewies in einer sicherheitshalber an die halbe Stadtregierung versandten Mail seine Standfestigkeit – und seinen Humor. «Wir haben uns nicht vorgängig untertänig-obrigkeitsgläubig um eine mit Flächenangaben und Einsatzdauer versehene verwaltungsrechtliche Bewilligung gekümmert», schrieb dieser.

Humor, der wiederum der Luzerner Abteilung Stadtraum und Verwaltung gänzlich zu fehlen scheint. Denn die Sturheit, mit der man im Stadthaus agierte, erstaunt schon sehr: «Verwaltungsrechtliche Massnahmen werden zur gegebenen Zeit geprüft.» Man habe nicht anders reagieren können, heisst es von Seiten der Stadt, Regeln sind Regeln. Quatsch, man kann nicht nur anders, man muss. Regeln sind so flexibel wie eine Entlebucher Eiche. Oder so.

1:0 für das Entlebuch

Nun gut: Schade fürs Bänkli, gut für die Geschichte. Und wir wollen uns hier auf keine Seite der Stadt-Land-Posse schlagen – aber wir müssen einfach ein bisschen lachen. Beide Seiten agierten ungeschickt: Die auf ihre Eigenheiten stolzen Entlebucher fummeln ungefragt in einen innerstädtischen Sitzmöbeltest – und die Luzerner weisen schnöde ein höfliches Geschenk vom Lande ab. Beides unverzeihliche Fehler, drum bleiben wir hier neutral.

Aber eben: Diese Geschichte ist einfach zu gut, um links liegengelassen zu werden. Da steckt so vieles drin: das liebliche Land gegen den arroganten Städter, regional gefertigte Handwerkskunst gegen abgehobenes Wiener Plastik-Design, hemdsärmliger Humor gegen prüden Amtsschimmel …

Wenn es eines Beweises für die wachsende Stadt-Land-Kluft bedürfte – voilà.

Wir bilanzieren ganz objektiv betrachtet: 1:0 für das Entlebuch. Die Stadt hat jetzt Zeit, sich eine gelungene Gegenaktion zu überlegen, um die verlorene Sympathie und den verletzten Stolz vom Land wieder zu reparieren. Denn wer weiss, wo der Rat aus der Biosphäre bald wieder gefragt ist. Vielleicht für die Aufforstung des Naherholungsgebietes Inseli?

In der Zwischenzeit lernen wir vom Entlebuch, dass sie nicht nur Bänkli bauen können, sondern auch Social Media ganz gut beherrschen:

 

PS: Das Entlebucher Bänkli ist trotzdem nicht wirklich schön, oder?

PPS: Nehmen wir’s mit Humor – und hören wieder mal den Song «Ba-Ba-Banküberfall»:

 

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