Die Gloriette am Hirschpark, angelehnt an die Gloriette des Schlossparks Schönbrunn in Wien. (Bild: Wolfgang Meyer)
Gesellschaft Geschichte

Die Gloriette am Hirschpark, angelehnt an die Gloriette des Schlossparks Schönbrunn in Wien. (Bild: Wolfgang Meyer)

Von Recht und Politik: Ungeahntes hinter einer Zuger Fassade

4min Lesezeit

Man geht täglich an ihnen vorbei, und eigentlich weiss man gar nicht so richtig, was es mit ihnen auf sich hat. Ausser, dass man sie gerne um sich weiss, auf dem Platz vor dem Café. Doch altertümliche Bauten sind nicht nur gut fürs lokale Kolorit. Sie sind auch durchtränkt mit Geschichte. Das zeigt ein Besuch in der alten Münzprägerei.

Im Rahmen der European Heritage Days fanden gestern und heute auch die Schweizer Denkmaltage statt. Insgesamt 342 denkmalgeschützte Objekte rund um das Thema Macht und Pracht öffneten dabei der Öffentlichkeit ihre Tore. So auch die alte Münzprägerei der Stadt Zug an der Zeughausgasse. «In dem prächtig ausgebauten Herrenhaus zeigt sich ganz deutlich die damalige Macht der Münzprägerei», erläutert Daniel Schulz vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kanton Zugs.

«Noch am Sterbebett erzählte er mir, wie gerne er als Kind hier in der Stube war.»

Wolfgang Wyss, pensionierter Apotheker und Münz-Besitzer


Schulz führt am verregneten Samstagmorgen eine grosse Schar Interessierter durch die obere und untere Münz. Er ist Kunsthistoriker und hat sich die letzten Monate eingehend mit dem Ort beschäftigt. Er zeigt alte Stadtpläne und Stiche aus der Zeit und rekonstruiert die baulichen Erweiterungen, Renovationen und den Wandel, den das Haus in seiner rund 500-jährigen Geschichte durchlaufen hat. Setzt die altgotischen Fensterleibungen an der Fassade mit den Holzarbeiten aus der Renaissance in Verbindung, die die damals gewichtige Stube des Hauses noch heute schmücken.

Eine goldene Brücke von Zug nach Risch

Besonders die Schaffensphase von Münzmeister Caspar Weissenbach, unter dessen Fittichen die Münzprägerei florierte, leuchtet Schulz aus. Trotz dreimaliger Fürsprache des Kapuzinerklosters, bei dem Weissenbach als grosszügiger Gönner geschätzt wurde, konnte sich der erfolgreiche Geschäftsmann aus dem Süddeutschen nicht in Zug einbürgern lassen.

«Nur wenn er den Zugern eine goldene Brücke von Zug nach Risch gebaut hätte, hätte er den Bürgerstatus erhalten, scherzte man damals», erzählt Schulz. «Der Witz daran ist, dass sich das Weissenbach wahrscheinlich sogar hätte leisten können.»

Ein Ort des Rechts und der Politik

Weissenbach stirbt mir einem Vermögen von rund 150'000 Gulden. Die gesamte Münzprägerei war damals etwa 3'000 Gulden wert. «Der Mann war also Multimillionär», rechnet Schulz hoch. Heute gehören die beiden Gebäude den Brüdern Alex und Wolfgang Wyss, von welchen Letzterer an der Führung teilnimmt und Schulz' historische Betrachtungen aus Blickwinkel des Familiengeschichtlers ergänzt. «Meinem Vater lag die Münz immer sehr am Herzen», erzählt der pensionierte Apotheker.

«Noch am Sterbebett erzählte er mir, wie gerne er als Kind hier in der Stube war.» Die Stube ist eben jene, in der bis 1848 117 Jahre lang die Stadtkanzlei untergebracht war. Hier wurde Recht gesprochen und Politik gemacht. Die schweren und üppigen Holzarbeiten an Wand und Büffet vermitteln noch heute den Dunst von Macht und Geld.

Wiener Pomp für Zuhaus

Auf einen Einblick in das Handwerk der Münzprägerei freut man sich leider vergeblich. Die Räume der ehemaligen Werkstätten, welche man zu Gesicht bekommt, stehen leer. Sie dienen als Eingangshalle für die jetzigen Bewohner des Hauses. Früher noch als behelfsmässiger Keller. Dafür lädt die Familie Wyss, welche die Münz freundlicherweise zum Besuch freigibt, zum Rundgang durch die sogenannte «Gloriette» des Hauses.

Angelehnt an die Gloriette des Schlossparks Schönbrunn in Wien, bezeichnet der Begriff hier ein geducktes kleines Häuschen, in dessen Obergeschoss ein üppig geschmückter kleiner Salon im Rokoko-Stil den Blick auf den vorgelagerten Garten und den Hirschenplatz freigibt. Eine ungeahnte kleine Perle direkt am Platz vor dem Café.

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