Gal Gadot: Lässt alle andern Superheldinnen alt aussehen. (Bild: zvg)
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Gal Gadot: Lässt alle andern Superheldinnen alt aussehen. (Bild: zvg)

Auch wir haben Heldinnen – unsere Zuger «Wonder Women»

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In der international höchst erfolgreichen Comic-Verfilmung «Wonder Woman» rettet eine Superheldin die Welt. Nach vier Wochen Spieldauer in den Zuger Kinos fragen wir uns deshalb: Welches sind unsere lokalen Heldinnen? Es gibt bestimmt Hunderte, wenn nicht Tausende. Wir haben uns aber auf sieben festgelegt – eine Hommage an unsere Zuger «Wonder Women».

Markus Mathis

Sie ist beides: Pin-up-Girl mit Sex-Appeal und Frauenrechtlerin. Kämpferin und Denkerin. Die israelische Schönheitskönigin und frühere Soldatin Gal Gadot zeigt als «Wonder Woman» Kraft, Herz und Verstand und lässt alle früheren weiblichen Superheldinnen alt aussehen.

Der Film über die Amazonenprinzessin, die sich in den Ersten Weltkrieg verirrt, um diverse Männer und die Welt zu retten, macht international grosse Kasse – vor allem in Asien und Nordamerika. Weltweit spielte der Film schon über eine Milliarde Dollar ein.

1200 Besucher im Kino Seehof

Auch in der Schweiz läuft der Streifen schon seit mehreren Wochen. Wie Thomas Ulrich, der Geschäftsführer der Zuger Kinos, sagt, löse er zwar nicht die gleiche Euphorie aus wie auf anderen Kontinenten. Dennoch haben sich auch in Zug in den vergangenen vier Wochen 1200 Leute den Film im Kino Seehof angesehen.

Wir haben uns in diesem Zusammenhang überlegt, wer unsere zeitgenössichen Heldinnen vor Ort sein könnten. Und uns aus Tausenden auf sieben Frauen beschränkt, die uns im einen oder andern Zusammenhang als Vorbilder dienen können.

 

Die Optimistische:

Nalani Buob ist unsere erste Wonder Woman. Die 16-Jährige aus Baar meistert ihr Leben seit Geburt im Rollstuhl, ist aber trotzdem auf dem Weg zur Spitzensportlerin. Sie spielt Rollstuhltennis – und wurde heuer Junioren-Weltmeisterin. Sie ist auch Weltranglistenerste in ihrer Altersklasse und träumt davon, nach einer Lehre einmal vom Sport leben zu können. Als zeitgenössische Heldin taugt sie für uns, weil sie das Beste aus allem macht und anderen in schwierigen Situationen zeigen will, welche Türen der Sport – und man selbst – öffnen kann.

Nalani Buob.
Nalani Buob. (Bild: news@media)

 

Die Engagierte:

Die 22-jährige Virginia Köpfli aus Hünenberg ist eine der profiliertesten Politaktivistinnen und Jung-Feministinnen der Schweiz. Schlagzeilen machte die Studentin im Frühjahr mit einer BH-Verbrennung. Damit wollten sie und drei andere Aktivistinnen für den Frauenmarsch in Zürich mobilisieren, an dem später 10'000 Leute mitmarschierten. Politisch tätig ist Köpfli aber schon länger. Vor sechs Jahren war sie Mitbegründerin der Juso Zug, die immer wieder mit frechen Aktionen das etablierte Zuger Establishment aus dem Busch klopft – wie etwa jüngst bei der Zuger Plakataffäre. Wir haben sie zur Zuger Wonder Woman auserkoren, weil sie uns zeigt, dass sich Engagement lohnt: Man kann etwas bewegen in der Gesellschaft – wenn man will.

Virginia Köpfli.
Virginia Köpfli. (Bild: Jenny Mayfield Blackstone )

 

Die Erfolgreiche:

Die Bankerin arbeitet beim grössten Geldinstitut der Schweiz. Susanne Thellung war Geschäftsstellenleiterin der UBS in Zug sowie Verkaufsleiterin Privatkunden und Kundenberaterin für das Gebiet Uri, Schwyz und Zug, bevor sie vor drei Jahren Regionaldirektorin für die Zentralschweiz wurde. Ihr Vorgänger wurde damals zum Verantwortlichen fürs operative Geschäft in der gesamten Schweiz befördert. Susanne Thellung ist erst 42-jährig, kann also in ihrer Karriere noch einiges erreichen. Wir lassen uns von dieser Wonder Woman gern weiter überraschen.

Susanne Thellung.
Susanne Thellung. (Bild: Alphaphoto)

 

Die Unerschrockene:

Manuela Weichelt steht heuer als Frau Landammann der Zuger Regierung vor. Sie bekleidet den höchsten politischen Posten, seitdem die CVP-Politikerin Vreni Wicky im Jahr 2011 Kantonsratspräsidentin war. Manuela Weichelt ist ein höchst präsentables Gesicht für den Kanton Zug, aber gleichzeitig auch ein ziemlich ungewohntes. Denn als grünalternative Politikerin ist die 50-Jährige an den zahlreichen Anlässen, die sie in repräsentativer Funktion besucht, oft allein unter (politischen) Feinden. Dennoch beisst sich die einzige linke Regierungsrätin des bürgerlichen Kantons Zug mit grosser Würde durch die vollgepackte Agenda. Wegen der Unerschrockenheit, mit der sich Manuela Weichelt im politischen Haifischbecken und an der Spitze des Kantons behauptet, wählen wir sie zu unserer Wonder Woman. Übrigens: In den National- oder Ständerat hat Zug noch nie eine Frau gewählt. Wäre doch Zeit, oder nicht?

Frau Landammann und Regierungsrätin Manuela Weichelt.
Frau Landammann und Regierungsrätin Manuela Weichelt. (Bild: Archiv)

 

Die Beharrliche:

Was man durch Beharrlichkeit erreichen kann, zeigt uns die 51-jährige Zuger Sportlerin Tanja Bühlmann, die im vergangenen Herbst in Australien in ihrer Alterskategorie Thriathlon-Weltmeisterin geworden ist. Bühlmann ist schon seit bald 20 Jahren Triathletin und hat neben ihrer normalen Arbeit schon so manchen Kilometer abgespult. Ach übrigens: Ein Ironman, also das WM-Rennformat der Triathletinnen, beinhaltet 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Velofahren und abschliessend noch mal 21,1 Kilometer Laufen. Tanja Bühlmann ist unsere Wonder Woman, weil sie ihr Ziel so lange verfolgt, bis sie es erreicht.

Tanja Bühlmann ist Champion des Triathlons. Aber wo? In der Schweiz, in Europa, in der Welt oder an Olympia?
Tanja Bühlmann ist Champion des Triathlons. Aber wo? In der Schweiz, in Europa, in der Welt oder an Olympia? (Bild: zvg)

 

Die Einflussreiche:

Als die zierliche Iris Studer-Milz (67) vor zwei Jahren ihren Sessel als Obergerichtspräsidentin räumte, ging eine Ära zu Ende. 33 Jahre lang hatte Studer-Milz im Zuger Gerichtswesen gearbeitet und eine rasante Entwicklung miterlebt und mitgestaltet. Während ihrer Zeit war die Zuger Justiz vom kleinen Anhängsel des Justizdepartements zur eigenständigen richterlichen Gewalt geworden – präsidiert von ihr, der CVP-Richterin mit dem direkten Umgangston. Studer-Milz war auch Präsidentin des Rotary-Clubs – einem der bedeutenden informellen Machtzirkel des kleinen Kantons. Iris Studer-Milz ist unsere Wonder Woman, weil sie uns zeigt, dass man es als Frau auch in einer überschaubaren und eher traditionellen Gemeinschaft zu unvermutet grossem Einfluss bringen kann.

Mit ihr geht ein ganzes Kapitel der Zuger Justiz in den Ruhestand: Iris Studer-Milz will wieder mehr Freizeit, wie hier auf einer Motorrad-Tour.
Mit ihr geht ein ganzes Kapitel der Zuger Justiz in den Ruhestand: Iris Studer-Milz will wieder mehr Freizeit, wie hier auf einer Motorrad-Tour. (Bild: zvg)

 

Die Barmherzige:

Schwester Reginalda Suter ist Nonne im Kloster Heiligkreuz in Zug. Die heute 83-Jährige war erst Ausbildnerin im klostereigenen Lehrerinnenseminar, später setzte sie sich für Asylbewerber ein. Das wurde im konservativen katholischen Milieu nicht von allen gern gesehn, brachte ihr aber grossen Respekt ein. In Erinnerung bleibt Reginalda Suter als langjährige Gefängnisseelsorgerin in Zug und der interkantonalen Strafanstalt Bostadel. Als Mutterfigur pflegte sie Kontakt zu Gefangenen aus unterschiedlichen Kulturen und Konfessionen. Vor wenigen Jahren hing ihr Porträt im Rahmen einer Plakatkampagne in den Bussen der Zugerland Verkehrsbetriebe – darunter stand ein Satz aus dem Matthäusevangelium: «Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt.» Reginalda Suter ist unsere Wonder Woman, weil sie ihren Glauben und ihre Ideale konsequent gelebt hat.

Schwester Reginalda Suter.
Schwester Reginalda Suter. (Bild: einzug.ch)

 

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