So sieht ein glücklicher Veranstalter aus: Marco Schmidiger. (Bild: hae)
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So sieht ein glücklicher Veranstalter aus: Marco Schmidiger. (Bild: hae)

Marco Schmidiger, der Luzerner Glücklich-Macher

7min Lesezeit

40 Bands an einem Abend beim letzten «Glücklich Festival», das war heftig. 5000 statt 3500 Gäste, das war stressig. Marco Schmidiger und sein Team wollen das Stadtfestival im September kleiner machen. An einem neuen Ort, dem Lädeliplatz hinter der Baselstrasse. Nur, ist das nicht etwas verwegen: Wie konnte Schmidiger das Glück für sich pachten?

Mathias Haehl

«Man soll das Glück nicht herausfordern», sagt Marco Schmidiger (44) und schmunzelt breit. Der Mann ist von Berufes wegen Geschäftsführer, der mit Businessplänen seit 1998 umzugehen weiss: Damals hat er in Luzern die Firma Modul AG mitgegründet, die für «Kultwerbung» in der Region steht, ersichtlich an Plakatsäulen und Flyerständern. Dafür beschäftigt er rund 20 Leute. Der kreative Zahlenmensch versteht also etwas von Marketing und Budgets. 

In Marco Schmidigers Brust pocht aber auch ein Musikerherz. Nicht erst, seit er studienbegleitend als «Mädchen für alles» im Luzerner Konzertlokal Schüür jobbte. Dort putzte der angehende Politikwissenschaftler, half im Büro und beim technischen Auf- und Abbau mit, aber er brachte auch Plakate unter die Leute.  

Liebe zu Radiohead in der Schüür 

Vor allem hatte er mit Bands zu tun, die in der Schüür gastierten: Radiohead sah er am Anfang ihrer Weltkarriere, den französischen Rapper Mc Solaar begleitete er ins Hotel und die frechen Les Rita Mitsouko durfte er bewirten. «Eine Liebe war geboren», erinnert er sich gerne. Es waren die grossen Zeiten, als die Schüür schweizweit Musikfans anlockte.  

«Jedem sein Festival, und uns eines, das glücklich macht.»

Marco Schmidiger

Musik und Party, das ist deshalb immer wieder eine Herzensangelegenheit des Modul-Chefs. «Jedem sein Festival, und uns eines, das glücklich macht», befand er mit Kollegen vor Ausbruch der Festivalitis in der Schweiz. Festivals, die finden doch sonst auf Hügeln, in Parks oder meistens schlammigen (Sitter-)Tobeln statt. Oder? Nein, sagten sich die Gründer des «Glücklich Festivals», ein Konzertreigen kann auch mitten in der Stadt abgehen. Wohlan, die Idee war geboren.

So gründete Marco Schmidigers Freund und Musikbooker Patrick Gisler vor acht Jahren das Label «Glücklich Events» und organisierte mit dem Soul-DJ Paul Wüst die ersten drei «Glücklich Festivals», die sie vorerst zwei Jahre auf der Rampe vor der Bar 59 an der Industriestrasse veranstalteten. Man fand grossen Anklang, suchte 2011 eine sommerliche Location und plante die dritte Ausgabe in der Tribschenbadi.

Tribschenbadi bekam kalte Füsse

Doch die Badibetreiber bekamen kurz vor dem Anlass kalte Füsse und luden die Glücklich-Macher kurzerhand aus. «Gisler und Wüest waren am Boden zerstört und mussten bei 34 Grad Hitze im kurzfristig eingerichteten Frigorex-Areal ein paar handverlesene Partyleute empfangen», erzählt Marco Schmidiger.  

Auf den Schock gönnte man sich ein Jahr Pause, ging über die Bücher und zügelte mit dem Fest auf den EWL-Parkplatz zurück an die Industriestrasse. Eine gute Wahl, denn das «Glücklich Festival» wuchs mit den letzten vier Ausgaben sukzessive. Dank guten Kontakten machte Star-DJ Richard Dorfmeister in der stickigen «Sinnlich»-Bar auf Diva, Bands wie Alvin Zealot (2013) oder Lo & Leduc (2014) sorgten für heisse Gigs. Und aus dem «Glücklich Festival» wurde ein grosses «Asphalt-Festival»: 5000 statt der erwarteten 3500 Besucher fanden sich im letzten Jahr ein, Heidi Happy war begehrte Lokalmatadorin.

Wetterglück, und die Stimmung vibrierte

40 Bands spielten vor einem Jahr in sechs Locations, das Kinderprogramm lockte mit Kügelibahn, Gesellschaftsspielen und Schminkecken, der Markt mit Produkten von regionalen Künstlern und Designerinnen. Wetterglück kam hinzu, und Marco Schmidiger erinnert sich gerne: «Es waren alle glücklich, bis um Mitternacht konnte man im T-Shirt feiern – die Stimmung vibrierte.»

Impression vom Festival 2016; glücklich, was sonst, sehen die Fans aus.
Impression vom Festival 2016; glücklich, was sonst, sehen die Fans aus. (Bild: Juerg Wolf – umage.ch)

Doch das Festival war mit seiner komplexen Infrastruktur eine Nummer zu gross geworden. Schmidiger: «Wir hätten eine Person für das Organisatorische anstellen müssen.» Das lag vom Budget her nicht drin, zumal bereits 100 Leute freiwillig mithalfen. Deshalb die neue Standortbestimmung: Eine grosse Nummer kleiner soll am 9. September die siebte Ausgabe werden.

Sechs Bands und zahlreiche DJs  

Sechs Bands und etliche DJs werden sich die Bühnen der «Gewerbehalle» und des «El Barrio» teilen, darunter die Reggae-/Ska-Band Pedestrians, der Zuger Hip-Hopper Weibello, letztjähriger Sieger des Sprungfeder-Wettbewerbs, der Reggaeton-Musiker Loco Escrito und das Tessiner Post-Pop-Duo Peter Kernel. «Unser Budget ist achtmal kleiner, aber wir  werden weiterhin viele Menschen glücklich machen», verspricht Marco Schmidiger.

So stark rappt Weibello am Virus Bounce Cypher:

«Glücklich Cruise» auf dem Vierwaldstättersee

Wie kann er das versprechen? Nun, er ist Marketingmann und hat mit seinem Team bislang grosse Qualität geliefert. Die «Glücklich Events»-Brand liess er mit seinem umsichtigen Musikprogrammator Patrick Gisler bis nach Zürich expandieren, und am 25. August tuckert gar ein Schiff zum «Glücklich Cruise» auf dem Vierwaldstättersee. «Weil wir ein kleineres Festival machen, fahren wir quasi zum Aufwärmen auf den See», sagt Schmidiger.

Mit offenen Armen erwartet Schmidiger am Lädeliplatz ein glückliches Publikum.
Mit offenen Armen erwartet Schmidiger am Lädeliplatz ein glückliches Publikum. (Bild: hae)

Bleibt die Frage: Wie muss denn ein Festival sein, das sich Glück auf die Fahnen schreibt? Da hat Marco Schmidiger schnell eine Antwort parat: «Erstens unfallfrei, zweitens ist das Publikum zufrieden mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis, und drittens muss der Veranstalter am Ende der langen Nacht finanziell nichts drauflegen.»

Und so sieht Glück aus

Länger studieren muss Marco Schmidiger für seine Antwort auf die Frage nach dem persönlichen Glück: «Wenn ich sagen kann, dass ich zufrieden mit mir und dem Drumherum bin.» Dazu hat er allen Grund, wenn er glücklich lacht: Der gebürtige Krienser hat eine Frau und zwei Kinder, ein gschaffiges Team mit vielen kreativen Ideen – und er lebt in der schönsten Stadt der Welt, Luzern.  

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