Ex-EVZ-Profi Marco Maurer und Kindergärtnerin Sonja Meerstetter erhielten den Zuger Preis für Zivilcourage verliehen – weil sie einem rumänischen Dieb das Handwerk legten. (Bild: woz)
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Ex-EVZ-Profi Marco Maurer und Kindergärtnerin Sonja Meerstetter erhielten den Zuger Preis für Zivilcourage verliehen – weil sie einem rumänischen Dieb das Handwerk legten. (Bild: woz)

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Mit lautem Schreien, einer Verfolgungsjagd und einem Bodycheck: So stellten Ex-EVZ-Profi Marco Maurer und die Kindergärtnerin Sonja Meerstetter-Vetterli, einen rumänischen Dieb. Die beiden Stadtzuger wurden mit dem Zuger Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Polizeikommandant Karl Walker betont, wie wichtig es für die Arbeit der Polizei ist, dass Bürger mithelfen, wenn sie Straftaten bemerken.

Wolfgang Holz

Der Donnerstag des 23. März hatte eigentlich ganz friedlich für Marco Maurer begonnen. «Ich war mit meiner Frau und den Hunden in der Nähe des Parkhotels spazieren, als ich plötzlich beim Metalli eine Frau bemerkte, die einem Typ schreiend hinterher rannte», erzählt der Eishockeyprofi zentralplus knapp drei Monate später. Ganz locker.

«Dänn isch fertig gsi.»

Marco Maurer, Eishockeyprofi und Zivilcourage-Preisträger

Dann habe er sich spontan entschlossen, ebenfalls die Verfolgung aufzunehmen. «Denn die Frau rief: Hei stopp, Geld zurück.» Es schlägt die Stunde des ehemaligen EVZ-Kufencracks. Er spurtet dem Flüchtigen Richtung Neustadt-Passage nach und mit einem Bodycheck von hinten überwältigt er den Mann. «Dänn isch fertig gsi», sagt der Eishockeyverteidiger trocken, der mittlerweile bei Biel spielt.

Erst später wird klar, was passiert war. Ein unbekannter Mann hatte im Einkaufszentrum Metalli in der Stadt Zug eine 87-Jährige angesprochen und sie gebeten, ihm Kleingeld zu wechseln. Als die Seniorin ihr Portemonnaie öffnete, entwendete er ihr 200 Franken. Sie bemerkte dies und begann zu schreien. Eine Passantin – die zweite Preisträgerin, Sonja Meerstetter – wurde auf die Situation aufmerksam und forderte den Täter lautstark auf, das Geld zurückzugeben.

Zuger Preis für Zivilcourage

Der Kanton Zug verleiht den «Zuger Preis für Zivilcourage» an mutige Menschen, die sich engagiert und uneigennützig für das Wohl eines Mitmenschen einsetzen – Persönlichkeiten mit Zivilcourage. Der Preis wurde 2010 im Rahmen des erfolgreichen Projekts «Gemeinsam gegen Gewalt» (2009-2011) ein erstes Mal verliehen. Der «Zuger Preis für Zivilcourage» bleibt darüber hinaus erhalten, denn auch heute und in Zukunft soll die Zivilcourage im Kanton Zug prämiert werden. Eine dreiköpfige Jury unter dem Vorsitz von Regierungsrat Beat Villiger, Sicherheitsdirektor des Kantons Zug, ermittelt die Gewinnerinnen und Gewinner aus eingegangenen Meldungen der Bevölkerung und der Polizei.

Doch der Täter ergriff die Flucht. Und Eishockeyprofi Marco Maurer (29) erfasste die Situation und folgte dem Dieb. Trotz dessen Vorsprung holte ihn der Profisportler wenig später ein, drückte ihn gegen ein Fahrzeug und hielt ihn bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte der Zuger Polizei fest.

Für seinen Körpereinsatz erhielt er für einmal keine Zweiminutenstrafe, sondern ein Lob von der Polizei – und heute zusammen mit Sonja Meerstetter den «Zuger Preis für Zivilcourage» verliehen.

36-jähriger Rumäne rechtskräftig verurteilt

Beim Täter handelt es sich um einen 36-jährigen Mann aus Rumänien. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug verurteilte ihn wegen Diebstahls rechtskräftig zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse von 300 Franken. Das Amt für Migration wies ihn an, die Schweiz zu verlassen. Noch am Tag der Haftentlassung reiste er nach Frankreich aus.

Sonja Meerstetter und Marco Maurer erhielten für ihren beherzten Einsatz gemeinsam den mit 1000 Franken dotierten «Zuger Preis für Zivilcourage» überreicht. Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger und der Sicherheitschef der Einwohnergemeinde Steinhausen, Hans Staub, übergaben den beiden den Preis und eine Urkunde.

«Sie schauten hin und nicht weg. Deshalb haben Sie den Preis für Zivilcourage 2017 verdient.»

Beat Villiger, Zuger Sicherheitsdirektor

«Frau Meerstetter und Herr Maurer waren sehr aufmerksam und haben geistesgegenwärtig gehandelt. Ihre Hilfsbereitschaft und ihr selbstloser Einsatz für ihre Mitmenschen verdient eine besondere Anerkennung», lobte der Steinhauser Sicherheitschef Hans Staub die Preisträgerin und den Preisträger im Steinhauser Restaurant Schnitz und Gwunder.

Und Villiger hob die Bedeutung der Zivilcourage hervor: «Ihr Engagement zeigt beispielhaft, dass Sicherheit eine Aufgabe ist, die uns alle angeht, nicht nur die Polizei. Sie schauten hin und nicht weg. Deshalb haben Sie den diesjährigen Preis für Zivilcourage verdient.»

Polizeikommandant Karl Walker von der Zuger Polizei: «Nicht wegschauen, aber auch nicht den Helden spielen.»
Polizeikommandant Karl Walker von der Zuger Polizei: «Nicht wegschauen, aber auch nicht den Helden spielen.» (Bild: woz)

Im Nachhinein gesteht Eishockeyprofi Marco Maurer gegenüber zentralplus, der sich selbst als «Herti-Bub» bezeichnet, dass er während der Verfolgungsjagd schon geschaut habe, «ob der Rumäne vielleicht eine Waffe in der Hand hat.» Man wisse ja nie, was die Leute heutzutage so alles bei sich tragen. Angst habe er zu keinem Zeitpunkt seines Einsatzes gehabt.

Auch Sonja Meerstetter, die sympathische Kindergärtnerin vom Kindergarten Eichmatt in Hünenberg, bekennt, dass sie nicht lange nachgedacht habe, ob sie helfen solle oder nicht. «Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich so was gemacht habe.» Auch sie würde es wieder tun.

Doch wann weiss man, ob man spontan eingreifen soll oder nicht, wenn man einer Straftat gewärtig wird? Schliesslich warnt die Zuger Polizei immer davor, sich nicht zu überschätzen.

«Es geht nicht darum, den Helden zu spielen.»

Karl Walker, Polizeikommandant Zuger Polizei

Polizeikommandant Karl Walker von der Zuger Polizei stellt auf Nachfrage von zentralplus klar: «Wenn das persönliche Bauchgefühl stimmt, dann sollte man im Rahmen seiner Möglichkeiten versuchen einzugreifen.» Dabei gehe es nicht darum, den Helden zu spielen, sondern geistesgegenwärtig zu handeln. «Das Wichtigste ist einfach, nicht wegzusehen. Und jeder hat heutzutage ein Handy, um die Polizei schnell zu verständigen. Eine aufmerksame Zivilbevölkerung ist der beste Polizist.»

«Einfach 117 anrufen, und schon ist das Wichtigste getan»

Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei, bekräftigt, «dass wir immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, die für uns sehr wertvoll sind und die wir als Zivilcourage betrachten. Besonderes Engagement von Bürgerinnen und Bürgern würdigen wir auch mit einem Dankesschreiben des Kommandanten.» Sagts und unterstreicht nochmals: «Jeder Mensch kann in eine Situation kommen, in der er auf Hilfe von anderen Menschen angewiesen sein kann. Nicht jeder ist in der Lage zu helfen.» Doch wer umgehend den Notruf 117 wähle, so Aklin, habe schon das Wichtigste getan und professionelle Hilfe anvisiert.

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