Die Biker der Devils MC feiern auch dieses Jahr eine grosse Party. Das Bild zeigt die Feierlichkeiten im vergangenen Sommer. (Bild: Natalie Ehrenzweig)
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Die Biker der Devils MC feiern auch dieses Jahr eine grosse Party. Das Bild zeigt die Feierlichkeiten im vergangenen Sommer. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Mit Bierfasswerfen gegen die kantonalen Sparmassnahmen

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Die Lucerne Biker Days sind auf den ersten Blick so, wie man sie sich vorstellt: Männer mit Töffs, Zigarren und Erotikshows. Doch die angeblich «bösen Jungs» zeigen auch eine andere Seite und sammeln Geld zugunsten körperlich behinderter Kinder. Der Präsident der Devils MC erklärt das Engagement.

Seit 2001 gibt es den Verein Devils MC. «In der Schweiz gibt es ungefähr 50 verschiedene Motorradclubs. Wir haben das Töfffahren gemeinsam, aber von den Strukturen und Persönlichkeiten sind wir ganz unterschiedlich», erklärt Tino von Flüe, Präsident der Devils. Der Club organisiert am 16. und 17. Juni die Lucerne Biker Days.

Das zweitägige Fest findet bereits zum fünften Mal statt. «Ein Zweck der Party ist natürlich, unsere Vereinskasse aufzubessern. Wir haben ein schönes Vereinslokal, das wir unterhalten müssen», sagt der Präsident. Ausserdem seien die Devils ein Motorradclub, in dem man sich helfe. «Wir treffen uns wöchentlich zu unserer Clubsitzung. Da werden Events, Motorradtouren, Projekte und das tägliche Geschehen besprochen.» Auch private Anliegen der Mitglieder hätten Platz.

Ehrenkodex bezüglich Frauen

Um Member zu werden, durchläuft man einen Schnupper- (Hangaround) und einen Anwärter-Prozess (Prospect). Das wichtigste Aufnahmekriterium – neben der grossen Motorradprüfung und einem Motorrad – sei, dass jemand zur Gruppe passt. Altersmässig seien die knapp 20 Devils zwischen 30 und 62 Jahre alt.

«Man macht keine Frau eines anderen MC-Mitglieds an.»

Tino von Flüe, Präsident der Devils

Seit mehr als 30 Jahren hat sich die MC- und Bikerszene in der Schweiz auf eigene Regeln geeinigt. «Das freundschaftliche Verhältnis unter uns MCs beruht auf gegenseitigem Respekt», sagt von Flüe. Dazu gehöre auch eine Art Ehrenkodex bezüglich der Frauen der Biker: «Man macht keine Frau eines anderen MC-Mitglieds an», betont der Luzerner. Mitglied im Verein können die Frauen nicht werden, doch sie fahren manchmal mit oder helfen, wie etwa bei den Lucerne Biker Days.

Tino von Flüe, Präsident der Devils MC, streicht das soziale Engagement seines Vereins hervor.
Tino von Flüe, Präsident der Devils MC, streicht das soziale Engagement seines Vereins hervor.

Das Bierfasswerfen als Herzensangelegenheit

Am Fest auf dem Hof Herrendingen in Eschenbach gibt’s alles, was das Biker-Herz begehrt: Bike-Testfahrten, vier Konzerte, verschiedene Händlerstände, eine Cigarrenlounge, eine Ausfahrt oder eine Erotikshow. Auch kulinarisch wird von Bratwurst über Pizza bis Steak einiges geboten. Und dann gibt es noch das Bierfasswerfen – eine Herzensangelegenheit des Clubs.

«Wir wurden vor ein paar Jahren von der Stiftung Rodtegg angefragt, ob wir ihnen ein Motorrad für eine Dekoration ausleihen würden. Das besprachen wir an unserer Clubsitzung und waren der Meinung, dass ein Töff zu wenig ist: Wir organisierten acht oder neun», sagt Tino von Flüe. Der Motorradclub wurde zur Feier eingeladen.

Luitgardis Sonderegger, die Direktorin der Stiftung, erzählte den Clubmembern vom Spielplatz für Kinder mit und ohne Einschränkungen, den man bauen wollte. «Wir hatten vom letzten Fest noch Geld vom Bierfasswerfen, das wir einem guten Zweck zukommen lassen wollten. Da beschlossen wir sofort, dass wir das Geld der Stiftung Rodtegg spenden», erinnert sich der Präsident, der einen Hauswartdienst betreibt.

Die Lucerne Biker Days bieten jeweils ein grosses Spektakel.
Die Lucerne Biker Days bieten jeweils ein grosses Spektakel. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

5. Lucerne Biker Days

Am 16. und 17. Juni 2017 findet in Eschenbach bereits zum fünften Mal die Motorrad-Party statt. Das Partygelände befindet sich mitten auf dem Lande, beim Bauernhof Herrendingen. Die Party beginnt am Freitagabend ab 18.00 Uhr mit dem Warm-up-Barbetrieb.

Am Samstag ist um 14.00 Uhr die offizielle Türöffnung, dann geht’s Schlag auf Schlag weiter mit einer geführten Ausfahrt für jedermann, einer Bike-Show und dem Bierfasswerfen. Ab 18.00 Uhr erklingt rockiger Live-Sound. Nicht fehlen darf am Event die mitternächtliche Erotikshow.

Kampf gegen Vorurteile

Dieses Jahr gehen die Einnahmen des Bierfasswerfens gleich vollumfänglich an die Stiftung und der Verein verdoppelt den Betrag. «Wir haben inzwischen eine besondere Beziehung zur Rodtegg.» So sei der Club etwa zum Grillieren eingeladen geworden. «Da war ein Junge, der nie lachte. Wir liessen ihn auf einen Töff sitzen, starteten das Motorrad und setzen ihm eine Sonnenbrille auf. Sein Gesicht verzog sich zu einem Lachen und seine Pflegerin hatte vor Freude Tränen in den Augen», erzählt Tino von Flüe.

Das habe den Verein dazu motiviert, das Bierfasswerfen der Stiftung zu widmen, denn dieser sei ja auch wieder das Budget gekürzt worden. Wer zum Batzen an die Stiftung etwas beitragen möchte: Das Bierfass kann über den Kopf, mit Anlauf, ein- oder zweihändig geworfen werden – der Rekord liegt bei ungefähr acht Metern.

Neben dem Füllen der Vereinskasse möchte der Motorradclub mit den Biker Days aber auch Vorurteile der Bevölkerung abbauen. «Die haben oft Angst vor uns. Man kann vorbeikommen und sich selber ein Bild davon machen, wie schön und friedlich unser Event und die Biker sind», sagt Tino von Flüe voller Vorfreude.

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